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ABNR-Info | 3/2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erhalten Sie die dritte Ausgabe des ABNR-Infos in diesem Jahr. Bereits in den beiden vorangegangenen Ausgaben haben wir über die Taktik von Philip Morris (PMI) und anderen Tabakonzernen berichtet, sich angesichts des wegbrechenden Zigarettenmarktes durch neue nikotinhaltige Tabakprodukte (z.B. IQOS) einen abhängigen Konsumentenstamm zu sichern. Neuester Clou von PMI ist die Gründung der Stiftung „Foundation for a Smoke-Free World“. Mehr dazu und vielen weiteren Themen finden sie im aktuellen ABNR-Info.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen. 

Ihr ABNR-Team

Aus der Politik & Rechtliches – national
Gespräche zwischen Wirtschaftsministerium und Tabaklobby
Die Süddeutsche Zeitung hatte im Juli 2017 über Gespräche zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der Tabaklobby bzgl. umfassender Werbeverbote berichtet und sich dabei auf interne Dokumente aus dem BMWi berufen. Abgeordnetenwatch hat diese Unterlagen - ministeriumsinterne Gesprächsvorbereitungen zu Treffen mit der Tabaklobby -  mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes angefragt und auf seiner Homepage veröffentlicht. (Abgeordnetenwatch)

Schwarz-gelbe Koalition in NRW will "Raucherlounges" zulassen
Ein Passus des NRW-Koalitionsvertrages sieht Ausnahmen vom Rauchverbot (z.B.  für "Raucherlounges") vor (Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen 2017-2022, S. 43).
Auf Nachfrage beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) wurde dem ABNR zwar zugesichert, dass der zuständige Landesgesundheitsminister Laumann an einem konsequenten Nichtraucherschutz festhalte. In der Plenarsitzung des Landtags am 13. Juli 2017 wurde allerdings in der Debatte über einen Gesetzentwurf der AfD zur Lockerung des Nichtraucherschutzes durch die Landtagsabgeordneten von CDU und FDP darauf hingewiesen, dass im Koalitionsvertrag "begründete Ausnahmen“ (z.B. bei Tabaklounges) vorgesehen seien. Den genauen Wortlaut der Debatte finden Sie hier. Der Gesetzentwurf wurde an den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales – federführend – sowie an den Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Landesplanung – mitberatend – überwiesen. 

Rauchen auf dem Balkon
Immer häufiger müssen Gerichte über die Frage entscheiden, ob Raucher Einschränkungen hinnehmen müssen, wenn sich Nachbarn durch Zigarettenqualm gestört fühlen. Ein Beitrag der Stiftung Warentest gibt einen Überblick über die aktuelle Rechtslage. (Stiftung Warentest)

Aus der Politik & Rechtliches – international
Frankreich will Preis für Päckchen Zigaretten auf 10 Euro erhöhen
Nach der Einführung von Einheitspackungen Anfang 2017 will die französische Regierung nun den Kampf gegen das Rauchen weiter intensivieren. Gesundheitsministerin Buzyn erklärte als Ziel, dass die Generation, die heute geboren wird, die erste Generation ohne Tabak werde. Premierminister Philippe kündigte in seiner Regierungserklärung Anfang Juli an, dass der Preis für eine Packung Zigaretten in Frankreich angehoben werde –  von derzeit sieben auf zehn Euro bis spätestens 2022. Gleichzeitig will Philippe Präventionsmaßnahmen und Forschung fördern. (Süddeutsche Zeitung)

USA: Paradigmenwechsel bei der Tabak- und Nikotinregulierung

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat für großes Aufsehen gesorgt als sie im Juli ihre neue Strategie zur Bekämpfung der Tabaksucht ankündigte: Der Nikotingehalt in Zigaretten soll soweit abgesenkt werden, dass er Raucher nicht mehr abhängig macht. Gleichzeitig will die FDA den Zeitplan für eine umfassende Regulierung von E-Zigaretten verschieben. (ÄrzteZeitung)(Washington Post)


Australien: Philip Morris muss Gerichtskosten tragen
Philip Morris scheiterte 2012 zusammen mit anderen internationalen Tabakkonzernen mit dem Versuch, die von Australien geplanten Tabakpräventionsmaßnahmen mit juristischen Mitteln zu verhindern. Dies kostet die Firma nun bis zu 50 Millionen australische Dollar an Gerichtskosten. (Handelsblatt)

Publikationen – national
Jugendliche rauchen weniger, E-Zigaretten beliebt
Nach den neuesten Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rauchen Jugendliche weniger als je zuvor. Im Vergleich zu 2001 verringerte sich die Zahl der jugendlichen Raucher/innen um 20 Prozentpunkte. Andererseits warnt die BZgA davor, dass sich E-Zigaretten und Shishas bei jungen Menschen zunehmender Beliebtheit erfreuen. (Pressemitteilung der BZgA

Risikobewertung von Tobacco Heating-Systemen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat aufgrund von vermehrten Anfragen eine vorläufige Risikobewertung von Tobacco Heating-Systemen als Tabakprodukte (z.B. IQOS) veröffentlicht. Auf Basis einer Philip-Morris-Publikation wird konstatiert, dass zwar eine im Vergleich zu Zigaretten deutlich niedrigere Schadstoffkonzentration im Inhalat enthalten sei, gesundheitliche Risiken aber dennoch wahrscheinlich sind. Das BfR kündigt in dieser Stellungnahme an eigene Untersuchungen zu IQOS an. (Mitteilung Nr. 015/2017 des BfR)

DEBRA-Studie: Starke Mehrheit für strenge Rauchverbote
Mehr als 71 Prozent der Deutschen und sogar zwei Drittel der Raucher selbst befürworten ein komplettes Rauchverbot in Autos, wenn Kinder und Jugendliche mitfahren. Dies ist eines der ersten Ergebnisse der "Deutschen Befragung zum Rauchverhalten". Im Rahmen der DEBRA-Studie der Uni Düsseldorf soll herausgefunden werden, ob die Bevölkerung Maßnahmen zur Einschränkung des Tabakkonsums unterstützt. Die ersten Auswertungen zeigen, dass die Befragten auch eine höhere Besteuerung von Tabakprodukten befürworten. (idw)

Weniger Todesfälle durch Passivrauchen
Nach Schätzungen einer im Juli im "International Journal of Public Health" veröffentlichten Studie am Klinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sind die Lungenkrebstodesfälle seit 1994 von 400 auf aktuell 167 jährlich gesunken. Die Forscher gehen davon aus, dass der Rückgang auf den besseren Nichtraucherschutz zurückzuführen ist. (ÄrzteZeitung)

Mitteilungen des Ärztlichen Arbeitkreises Rauchen und Gesundheit e.V. 54-2017
Die Mitteilungen des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit e.V. Nr. 54- 2017 sind soeben erschienen. Im Vordergrund der Ausgabe stehen neueste Forschungsergebnisse zu E-Zigaretten.

Stellenwert der Prävention in der Politik
Ein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt beschäftigt sich mit dem Stellenwert der Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten in der Politik. Die Autoren haben die Wahlprogramme der aussichtsreichen Parteien bezüglich ihrer Aussagen und Forderungen zum Thema Primärprävention und Gesund­heits­förder­ung verglichen. Dabei zeigte sich eine weitgehende Vernachlässigung der Themen Alkohol- und Tabakkonsum in den Wahlprogrammen: Nur Grüne und Linkspartei forderten weitere Präventionsanstrengungen hierzu. Auch wurde einer der international am intensivsten diskutierten primärpräventiven Ansätze - die Besteuerung von Alkohol und Tabak - von keiner der untersuchten Parteien direkt erwähnt. (Ärzteblatt)

Publikationen – international
WHO-Tabakbericht 2017
Obwohl Tabakpräventionsmaßnahmen wie Tabakwerbeverbote, Rauchverbote oder Warnhinweise auf Zigarettenpackungen wirken, sterben jährlich immer noch sieben Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Die WHO ruft deshalb die Regierungen weltweit dazu auf, die Präventionsmaßnahmen zu verstärken. Nachholbedarf gibt es in Deutschland vor allem bzgl. eines Verbots der Tabakaußenwerbung – die WHO erwartet, dass Deutschland rasch ein entsprechendes Verbot beschließt. (Tagesschau) (Ärzteblatt)

E-Zigaretten-Konsum mit arterieller Gefäßsteifigkeit verbunden
Eine Studie zu E-Zigaretten von Forschern des Karolinska Instituts in Stockholm, die auf dem Internationalen Kongress der European Respiratory Society Anfang September 2017 vorgestellt wurde, zeigt, dass der Konsum von E-Zigaretten mit Nikotin eine Versteifung der Arterien beim Menschen verursacht. Dies habe wichtige Implikationen für die Verwendung von E-Zigaretten, da arterielle Steifigkeit mit einem erhöhten Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen im späteren Leben verbunden sei – so die Forscher. (Science Daily)

Studien zu E-Zigaretten – Harmreduction oder Gateway?
Welches heterogene Nutzen- und Risikopotenzial in der E-Zigarette gesehen wird, beleuchtet ein Beitrag der Ärzte Zeitung anhand von zwei aktuellen im BMJ publizierten Studien. Während kalifornische Forscher Belege dafür gefunden haben, dass der aktuelle Anstieg des Konsums von E-Zigaretten bei US-amerikanischen Erwachsenen mit einem signifikanten Anstieg von Rauchausstiegen assoziiert ist, wiesen britische Forscher nach, dass bei jungen Menschen, die bereits eine E-Zigarette ausprobiert haben, die Wahrscheinlichkeit größer ist, mit dem Rauchen herkömmlicher Zigaretten anzufangen. (ÄrzteZeitung)

Zigarettenpreise beeinflussen Säuglings­sterblichkeit
Je teurer die Zigaretten in einem Land sind, desto geringer ist die Säuglings­sterblichkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine am 18. September in JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie. Im untersuchten Zeitraum von 2004 bis 2014 sind in praktisch allen EU-Staaten die Zigarettenpreise gestiegen. Gleichzeitig sank EU-weit die Säuglingssterblichkeit von 4,4 Todesfällen pro 1.000 Geburten im Jahr 2004 auf 3,5 Todesfälle pro 1.000 Geburten im Jahr 2014. (Ärzteblatt)

Weitere News – national
Kinder in Raucherhaushalten gefährdet – auch wenn nur draußen geraucht wird
Im Rahmen des diesjährigen Lungentages wiesen Expert/innen darauf hin, dass Kinder in Raucherhaushalten deutlich häufiger Asthma oder Bronchitis haben als Kinder von Nichtrauchern – dies trifft auch zu, wenn nur draußen geraucht wird. Raucher/innen würden in ihren Haaren und der Kleidung Rauchablagerungen in die Wohnung tragen und die Kinder somit gefährden. (ÄrzteZeitung)

Philip Morris bewirbt IQOS als bessere Alternative zur Zigarette
Der Tabakkonzern Philip Morris bewirbt seit September mit einer groß angelegten Kampagne in Deutschland sein neues Produkt IQOS als die „bessere Alternative zur Zigarette“. Langfristig will sich Philip Morris erklärtermaßen von der herkömmlichen Zigarette verabschieden. Entsprechend sind in diesem Jahr 80 Prozent des Mediabudgets von Philip Morris für IQOS vorgesehen. (HORIZONT)

Etwa die Hälfte der Raucher/innen will aufhören
44 Prozent der Raucher/innen in Deutschland planen einen Rauchstopp – so das Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage des infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA). Bei den jungen Frauen ist der Anteil mit 53 Prozent am höchsten, bei den Männern sind es 37 Prozent. (Presseportal)

Halle: Erste rauchfreie Wohnanlage
In Halle (Sachsen-Anhalt) wurden in der ersten rauchfreien Wohnanlage alle 33 Wohnungen vermietet. Das Interesse am rauchfreien Wohnen ist nach Aussage der Wohnungsgenossenschaft Halle-Süd ungewöhnlich hoch und das Rauchverbot für die meisten Interessenten einer der Hauptgründe für den Umzug in die Wohnanlage. (Volksstimme)

Weitere News – international
British American Tobacco übernimmt den US-Tabakkonzern Reynolds
Durch die Fusion steigt BAT zum weltweit größten börsennotierten Tabakkonzern auf, gemessen an Umsatz und Ertrag, und zieht damit an Philip Morris vorbei. (Handelsblatt)

Philip-Morris-Stiftung „Foundation for a Smoke-Free World“
Philip Morris International (PMI), einer der weltweit größten Tabakkonzerne, hat am 13. September angekündigt, die neu gegründete Stiftung in den nächsten 12 Jahren mit jährlich rund 80 Millionen US-Dollar auszustatten. Ziel der angeblich „unabhängigen“ Stiftung ist unter anderem die Finanzierung von Forschungsvorhaben zu den neuen Tabakprodukten von Philip Morris (z.B. IQOS). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits Regierungen und Behörden von einer Zusammenarbeit mit der Stiftung abgeraten, da die Forschung in solch einer Stiftung immer in einem Interessenkonflikt stehe, wenn sie von einer Tabakfirma bezahlt werde. (Welt) (WHO-Statement)

Offener Brief an Philip Morris
Am 21. September veröffentlichten 89 Organisationen aus aller Welt einen Offenen Brief an Philip Morris International (PMI), in dem der Konzern aufgefordert wird, unverzüglich Produktion, Werbung und Verkauf von Zigaretten einzustellen. Der Brief wurde angeregt durch eine ähnliche Empfehlung des Dänischen Instituts für Menschenrechte (DIHR), das von PMI mit eine Menschenrechtsanalyse beauftragt wurde. (Unfairtobacco)

Rauchen und Armut
Ein Artikel der Welt beleuchtet den Zusammenhang zwischen Rauchen und Bildung und der perfiden Strategie der Tabakkonzerne, beispielsweise in den USA, gezielt bei bestimmten Bevölkerungsgruppen und in ausgewählten Wohngebieten für ihre Produkte zu werben. Während in den USA die Zahl der Raucher/innen auf einem historischen Tiefstand von 15 Prozent steht, ist sie bei den gering gebildeten Amerikanern mit 40 Prozent sehr hoch. (Welt) Ein Beitrag der Frankfurter Rundschau beschäftigt sich mit den agressiven Werbestrategien der Tabakfirmen in Afrika. (FR)

Schweiz: Legale Hanfzigaretten auf dem Markt
Seit Juli sind in der Schweiz Hanf-Zigaretten mit niedrigem THC-Gehalt (unter einem Prozent) legal u.a. bei Coop erhältlich. Die Einfuhr dieser Hanf-Zigaretten nach Deutschland ist nach Aussage des deutschen Zolls allerdings eine Straftat und kann mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden. (SRF) (Ärzte Zeitung)

Luxemburg schränkt Konsum und Vertrieb von E-Zigaretten ein
Ein neues  am 1. August in Kraft getretenes Gesetz soll den Konsum und den Vertrieb von E-Zigaretten in Luxemburg einschränken. Künftig werden E-Zigaretten sowie das Zubehör genauso besteuert wie herkömmliche Tabakwaren. Darüber hinaus müssen künftig E-Zigaretten sowie Zubehör beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Werden neue Produkte auf den Markt gebracht, fällt eine Gebühr von 5000 Euro an. (Saarbrücker Zeitung)

New York verschärft den Kampf gegen das Rauchen
Bürgermeister De Blasio erklärtes Ziel ist es, den Raucheranteil von derzeit 14 Prozent bis 2020 auf 12 Prozent zu senken. Dafür sollen der Mindestpreis für eine Schachtel Zigaretten auf 13 Dollar angehoben werden, die Zahl der Verkaufslizenzen für Tabakprodukte halbiert und härtere Auflagen für das Rauchen in der Wohnung eingeführt werden. (Handelszeitung)

Philippinen: Rauchverbot in Kraft getreten
Auf den Philippinen ist Ende Juli ein landesweites Rauchverbot an öffentlichen Plätzen in Kraft getreten. Das Verbot gilt sowohl in Gebäuden als auch draußen – auf Spielplätzen, Bürgersteigen, in Schulen und Restaurants sowie in Verkehrsmitteln. (Handelsblatt)

Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

www.abnr.de

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