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ABNR-Info | 02|2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

die zweite Augabe des ABNR-Infos in diesem Jahr ist wieder prall gefüllt mit Nachrichten und Informationen aus dem Themenbereich der Tabakprävention. Angesichts der Marktentwicklung und der angepassten Strategien der Tabakindustrie, verschiebt sich die Berichterstattung immer stärker in Richtung der neuen Produkte – E-Zigaretten und Tabakerhitzer. Auch das Forschungsinteresse scheint sich zunehmend zu verlagern. Welchen Ideenreichtum die Strategen der Tabakindustrie aufwenden, um sich eine weiterhin nikotinabhängige Käuferschicht für ihre neuen Produkte zu sichern, machen insbesondere die Meldungen unter "Weitere News – international" deutlich. Diese reichen von der Datensammlung von IQOS-Nutzern, der Gründung einer Lebensversicherung für "Umsteiger" bis hin zu allgemeinen "Greenwashing-Strategien" der Tabakindustrie. Diese alten Strategien im neuen Gewande macht sich auch die E-Zigarettenverband zunutze – beispielsweise mit der Selbstverpflichtung zu Werbeleitlinien. 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr ABNR-Team

Aus dem ABNR
Weltnichtrauchertag 2019
„Du kannst das Risiko ignorieren. Deine Lunge nicht. Sag nein zum Rauchen und Dampfen!“ – lautete das Motto des diesjährigen Weltnichtrauchertages am 31. Mai in Deutschland. Das Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR), das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebshilfe informierten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 28. Mai über die gesundheitlichen Folgen des Konsums von klassischen Tabakprodukten, Tabakerhitzern und E-Zigaretten. Experten forderten die Bundesregierung dazu auf, längst überfällige Maßnahmen zur Tabakprävention umzusetzen und auch E-Zigaretten und Tabakerhitzer umfassend gesundheitspolitisch zu regulieren.
Pressemitteilung zum Weltnichtrauchertag 2019

ECToH 2020 in Berlin
Vom 19. bis 22. Februar 2020 findet die 8th European Conference on Tobacco or Health (ECToH) in Berlin statt. Diese wird organisiert von der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und dem Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR) in Zusammenarbeit mit der Association of European Cancer Leagues (ECL). Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage der ECToH und im kürzlich versandten Sonderausgabe des ABNR-Info zur ECToH

Aus der Politik & Rechtliches – national
Bundeskanzlerin spricht sich für Tabakwerbeverbot aus
Angela Merkel hat sich in der Regierungsbefragung am 26. Juni 2019 zu einem Tabakwerbeverbot bekannt. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) hatte die Kanzlerin im Hinblick auf die immer noch zulässige Plakatwerbung gefragt, wann in Deutschland endlich der Prävention Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen eingeräumt würde? Merkel sprach sich in ihrer Antwort für ein Werbeverbot für Tabakprodukte aus und stellte in Aussicht, dass die Regierung bis Jahresende eine Haltung dazu finden werde. Ausschnitt aus der Fragestunde
Indes wurde der bereits im April 2018 eingebrachte Gesetzentwurf der Grünen für ein Tabakwerbeverbot am 27. Juni 2019 im Bundestag abschließend beraten und mit den Stimmen der Regierungsfraktionen und der AFD abgelehnt.
Nun bleibt abzuwarten, welche Haltung die Regierung zum Tabakwerbeverbot einnehmen wird. Innerhalb der Union wurde im April ein Kompromiss diskutiert, bei dem E-Zigaretten und Tabakerhitzer vom Werbeverbot ausgenommen bleiben sollten. Die Sprachregelung lautete die Tabakrahmenkonvention der WHO solle eins zu eins umgesetzt werden. Das ABNR hatte im Rahmen einer Stellungnahme, die allen Abgeordneten der Regierungsfraktionen zugesandt wurde, dringend angeraten, E-Zigaretten und Tabakerhitzer in das erweiterte Werbeverbot aufzunehmen.

Finanzminister plant Tabaksteuererhöhung in fünf Schritten
Finanzminister Olaf Scholz plant eine stufenweise Anhebung der Tabaksteuer in fünf Jahren. Der Gesetzentwurf dafür liege bereits vor: E-Zigaretten und Tabakerhitzer sollen weiterhin ausgenommen bleiben; die neuen Steuereinnahmen, die sich am Ende der fünf Jahre auf über 4 Milliarden Euro belaufen sollen, sollen dem Bund zukommen. (Spiegel online)
Das ABNR fordert dagegen kontinuierliche Tabaksteuererhöhungen, die mit einer spürbaren Preiserhöhung einhergehen. Dabei sollten alle Tabakwaren wie Fabrikzigaretten, Zigarillos, loser und vorportionierter Feinschnitt sowie E-Zigaretten und neuartige Tabakprodukte (Tabakerhitzer) in analoger Weise besteuert werden. Deutliche Preiserhöhungen für Tabakwaren führen erwiesenermaßen zu einem Rückgang des Tabakkonsums. Eine moderate schrittweise Anhebung der Tabaksteuer führt kaum zu einer Verringerung des Tabakkonsums, da sich die Konsumenten an die allmähliche, geringe Kostensteigerung gewöhnen können. Positionspapier des ABNR zur 19. Legislaturperiode

Neues Gesetz gegen Tabakschmuggel
Der Bundesrat hat am 12. April über ein neues Gesetz zur Bekämpfung von Tabakschmuggel entschieden. Demzufolge tragen Zigarettenschachteln künftig ein neues Sicherheitslabel, das ihre europaweite Rückverfolgbarkeit ermöglicht. Für Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen gelten die EU-Vorgaben ab 20. Mai 2019, für sonstige Tabakerzeugnisse erst ab 20. Mai 2024. (Bundesrat)

Hamburg: Strengere Regeln für Shisha-Bars
Die Hamburger Bürgerschaft stimmte am 22. Mai 2019 einem Gesetzentwurf von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) einstimmig zu. Dieses soll Besucher von Shisha-Bars in Hamburg besser vor möglichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen schützen. Damit ist Hamburg das erste Bundesland mit einer gesetzlichen Regelung zu Shisha-Bars. Betreiber müssen künftig ihre Bars mit technischen Schutzvorrichtungen und Warngeräten ausrüsten und die Funktion der Anlagen jährlich nachweisen. (Hamburger Abendblatt)

Neuer Bußgeldkatalog für NRW
Der neue Bußgeldkatalog empfiehlt u.a. deutlich höhere Strafen (bis zu 100 Euro) für achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. Bindend ist der Bußgeld- und Verwarnkatalog allerdings nicht, die Kommunen dürfen weiterhin selbst entscheiden, welche Beträge sie fordern wollen. (WDR)

Aus der Politik & Rechtliches – international
Österreich: ÖVP gibt Widerstand gegen Rauchverbot auf
Obwohl der Verfassungsgerichtshof in seinem Urteil die Rechtmäßigkeit der derzeitigen Regelung von Raucher- und Nichtraucherbereichen innerhalb von Gaststätten festgestellt hat, scheint die ÖVP ihre Meinung zum Rauchverbot geändert zu haben und will im Juli das generelle Rauchverbot beschließen. Es könnte dann zum 1. November in Kraft treten. Über Ausnahmen und Entschädigungen wird bereits diskutiert. (Heute.at, Kurier)

EU: Bürgerinitiative setzt sich für gesetzliche Unterscheidung von Tabak- und E-Zigaretten ein
Die europäische Initiative „Vaping is NOT Tobacco“ setzt sich dafür ein, die Regulierung von E-Zigaretten klar von der von Tabakprodukten zu trennen. Die Kampagne ruft Dampfer aus ganz Europa auf, sich zu beteiligen: zum einen sollen sie eine Petition der Europäischen Bürger Initiative unterschreiben, zum anderen sollen sie Ihren Abgeordneten in Briefen von ihren positiven E-Zigaretten-Erfahrungen berichten. Die Initiative wird vom Tabakkonzern Imperial Brands unterstützt. (Ärztezeitung)

USA I: FDA lässt IQOS zum Verkauf in den USA zu
Die Food and Drug Administration (FDA) hat nach zwei Jahren Prüfungsphase den Tabakerhitzer IQOS von Philipp-Morris als erstes Produkt dieser Art zum Verkauf zugelassen. Die Frage, ob IQOS als „Produkt mit reduziertem Risiko“ gelte, ist noch nicht entschieden. Daher ist weiterhin keine Vermarktung als „gesündere Alternative“ erlaubt und IQOS unterliegt denselben Werbe-und Abgabebeschränkungen wie herkömmliche Zigaretten. (Ärzteblatt)

USA II: FDA leitet Untersuchung ein, ob E-Zigaretten Anfälle verursachen können
Die Food and Drug Administration Behörde will herausfinden, ob durch Nikotin verursachte Anfälle eine Nebenwirkung des E-Zigarettenkonsums sein könnten. Die Behörde hat nach eigenen Angaben in den letzten zehn Jahren 35 Meldungen erhalten, die von plötzlichen Anfällen unmittelbar nach dem Konsum von E-Zigaretten berichten und sucht nun nach einem Zusammenhang. (Ärztezeitung)

USA III: Neue Gesetzesvorlage zum Schutz von Jugendlichen vor E-Zigaretten
Ein von den Abgeordneten Frank Pallone und Donna Shalala eingebrachter Gesetzentwurf enthält ein Verbot von aromatisierten Tabakprodukten, die Kinder ansprechen (E-Zigaretten, Zigarren und Zigaretten mit Aromen, inkl. Menthol), ein Verkaufsverbot an Unter-21-Jährige, ein Verbot von Online-Handel, strengere Werberegularien (u.a. in Bezug auf Eventsponsering und Merchandise-Artikel). Außerdem wird die FDA aufgefordert Warnbilder und -hinweise einzuführen. Die Initiative Tobacco-Free Kids unterstützt den Entwurf. (Tobacco-Free Kids)

USA IV: San Francisco verbietet den Verkauf von E-Zigaretten
Der Stadtrat von San Francisco stimmte am 25. Juni 2019 für ein Verkaufsverbot für E-Zigaretten. Ziel ist es, die Gesundheit der Jugend zu schützen und zu verhindern, dass die nächste Generation von Nikotinprodukten abhängig wird. Verboten wird der Verkauf von E-Zigaretten, die bisher keine Prüfung der US-Gesundheitsbehörde FDA vorweisen können. (FAZ)

Kanada führt Plain Packaging ein
25 Jahre nachdem Plain Packaging zum ersten Mal in Kanada im Gespräch war, wurde das Gesetz Anfang Mai endgültig beschlossen. Infolge dessen dürfen auf Zigarettenpackungen künftig keine Logos, Bilder oder Slogans mehr abgedruckt werden. Erlaubt sind nur noch der Markenname in einfacher Schrift sowie gesundheitliche Warnhinweise. Ab November muss die Produktion umgestellt werden, ab Februar 2020 soll der Verkauf der alten Päckchen komplett verboten sein. (CBCTabakprävention CH)

Publikationen – national
Jahrbuch Sucht 2019 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen
Das Jahrbuch Sucht 2019 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) liefert aktuelle Zahlen, Fakten und Trends zum Konsum legaler und illegaler Drogen sowie zu abhängigem Verhalten. Die legalen Drogen Alkohol und Tabak sind demnach nach wie vor für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich. Daher fordert die DHS erneut effektive Präventionsmaßnahmen wie Preiserhöhungen, Angebotsreduzierung und eine Beschränkung der Werbung für diese Produkte. Pressemitteilung

DAK-Gesundheitsreport zum Thema Sucht in der Arbeitswelt
Laut DAK-Report ist das Rauchen von Zigaretten die verbreitetste Sucht in der Arbeitswelt. Danach rauchen 22 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland Tabakzigaretten; rund 5 Prozent konsumieren E-Zigaretten, zu 85 Prozent mit nikotinhaltigen Liquids. E-Zigaretten-Nutzer greifen laut DAK-Report oft parallel zu herkömmlichen Zigaretten. Da das Nikotin in E-Zigaretten ebenso in die Abhängigkeit führe, fordert die DAK ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und E-Zigaretten. Gesundheitsreport 2019 

Aktualisierte S3-Leitlinie zu Speiseröhrenkrebs
Die erstmals vor drei Jahren veröffentlichte Leitlinie wurde aktualisiert und mit zahlreichen internationalen Studien weiter unterfüttert. Wer im Tagesdurchschnitt mehr als 53 Gramm Alkohol zu sich nimmt, hat demnach ein rund fünffach erhöhtes Karzinomrisiko. Bei Menschen, die zusätzlich stark rauchen, steigt das Risiko auf das 8,5-fache. (Ärzteblatt)

Ärzte fordern, Kinder und Schwangere besser vor Zigaretten und E-Zigaretten zu schützen
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und die Deutsche Lungenstiftung (DLS) forderten in einer Pressemitteilung, Schwangere und Kinder besser vor Zigaretten und E-Zigaretten zu schützen. Dazu gehöre eine bessere Aufklärung über die schädlichen Auswirkungen, auch von E-Zigaretten, bessere Hilfsangebote zum Rauchstopp, sowie weitreichende Werbeverbote und Rauchverbote in geschlossenen Räumen und PKWs die jeweils beide Produktgruppen einschließen.

Publikationen – international
Deutschland auf Platz 1 des Nanny-State-Index 2019

Zweifelhafte Auszeichnung: Der Nanny-State-Index misst seit 2016, wie stark ein Staat seine Bürger im Hinblick auf Konsumgüter reguliert. Deutschland sei unter den EU-Staaten dasjenige Land, in dem man mit größter Freiheit rauchen, trinken und essen könne, weil es keine Zuckersteuer gebe, der Werbemarkt sehr liberal sei und Alkoholsteuern unter dem Durchschnitt lägen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass dies kein Grund zur Freude sei, sondern lediglich auf einen großen Nachholbedarf Deutschlands im Hinblick auf die Tabak-, Alkohol- und Zuckerregulierungen hinweise. (TAZ) Das komplette Ranking finden Sie hier, Deutschlands Wertung im Detail gibt es hier


Schadstoffe im Filter von IQOS entdeckt
Laut einer im Auftrag der Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg durchgeführten Studie entwickeln die Filter des Tabakerhitzers IQOS beim Erhitzen hochgiftige Schadstoffe, sogenannte Isocyanate. Im Laborversuch wurde nicht getestet, ob die Isocyanate auch im Aerosol entstehen und folglich beim Rauchen inhaliert werden. Sollte dies der Fall sein, könnten Isocyanate zu Atemwegsreizungen bis hin zu Asthma oder COPD führen. Daneben könnten sie allergische Reaktionen hervorrufen. 
Philip Morris teilte auf Anfrage mit, dass bei normalem Gebrauch von IQOS keine Isocyanate eingeatmet würden. Das habe das Unternehmen bis ins Detail erforscht und ausgeschlossen. (Finanzen)

Lungenschädlichkeit von IQOS im Vergleich zu Tabakzigaretten
Eine experimentelle Studie an Lungenzellen von Forschern der University of Technology Sydney und dem Woolcock Institute of Medical Research, Sydney, kam zu dem Ergebnis, dass Tabakerhitzer genauso schädlich für Lungenzellen sein könnten wie Zigaretten oder E-Zigaretten. Die Zellveränderungen, die ihre Aerosole verursachen, können möglicherweise ebenso zu COPD, Lungenkrebs und anderen Erkrankungen führen wie Zigarettenrauch. Die Erkenntnisse sind im ERJ Open Research veröffentlicht.

USA I: E-Zigaretten und Herzinfarkte bei Erwachsenen
Eine im Juni 2019 im Journal of the American Heart Association online veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Verwendung von E-Zigaretten damit zusammenhängt, in der Vergangenheit einen Herzinfarkt gehabt zu haben. Dabei sei der Zusammenhang von E-Zigaretten mit Herzinfarkt ähnlich wie bei herkömmlichen Zigaretten und der Zusammenhang bei dualer Verwendung von E-Zigaretten und Tabakzigaretten stärker als bei Verwendung eines Produkts allein – so die Schlussfolgerungen der Autoren.

USA II: Studie zur Nutzung von E-Zigaretten bei Erwachsenen mit Kindern
Eine 2016-2017 durchgeführt Studie, deren Auswertung kürzlich in der Zeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde, benennt den Anteil der erwachsenen E-Zigaretten-Konsumenten in den USA mit 4,4%. Unter Erwachsenen, die mit Kindern zusammenleben, liege der Anteil bei 4,9% und unter denjenigen mit asthmakranken Kindern bei 5,6%. Dadurch seien Kinder verstärkt dem sogenannten „New Second-Hand-Smoke“ ausgesetzt, dessen potentielle Risiken in der Studie ebenfalls beschrieben werden. (Reuters)

USA III: E-Zigaretten werden häufig von Schwangeren genutzt
Eine US-amerikanische Studie wertete Daten aus den National Health Interview Surveys der Jahre 2014-17 aus, um Informationen zum Rauchverhalten Schwangerer zu sammeln. Die Ergebnisse der Analyse lassen vermuten, dass  viele Frauen während einer Schwangerschaft von herkömmlichen Zigaretten auf E-Zigaretten umsteigen, nicht wissend, dass auch E-Zigaretten gesundheitlich bedenklich sind. Rauchen herkömmlicher Zigaretten war mit 8% jedoch häufiger als die Nutzung von E-Zigaretten. (Health Day)

USA IV: E-Zigaretten enthalten möglicherweise bakterielle Giftstoffe und Pilze
Eine Studie, die von Forschern der Harvard University durchgeführt und in Environmental Health Perspectives veröffentlicht wurde, hat eine Vielzahl von US-amerikanischen E-Zigaretten-Liquids untersucht. Verunreinigungen durch bakterielle Gifte wurden in einem Viertel und Pilzgifte in drei Viertel aller untersuchten Liquids festgestellt. Die Gifte könnten Asthma und Entzündungen verursachen und die Lungenfunktion mindern.  (NBC, Telegraph)

USA V: Langfristiger E-Zigaretten-Konsum nach dem Rauchstopp mit höherer Rückfallquote assoziiert
Die Studie aus den USA untersuchte über 4.000 erwachsene ehemalige Raucher, die unterschiedlich häufig E-Zigaretten konsumierten. Nach einer zweiten Befragung, ein Jahr nach der ersten, war E-Zigaretten-Konsum bei langjährigen Ex-Rauchern (Rauchstopp vor mehr als einem Jahr) mit einer erhöhten Raucherrückfallquote assoziiert. Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, um zu bewerten, ob dieser Zusammenhang kausal ist.

USA VI: Rauchen und rheumatoide Arthritis bei Frauen
Eine US-amerikanische Studie hat den Zusammenhang zwischen Rauchverhalten bzw. Rauchstopp und rheumatoider Arthritis bei Frauen untersucht. Dabei wurden über 230.000 Teilnehmerinnen über einen Untersuchungszeitraum von 38 Jahren begleitet. Die Ergebnisse zeigen, dass das Rauchen das Risiko für rheumatoide Arthritis erhöht, und zwar umso stärker, je höher die Anzahl der konsumierten Zigaretten ist. Der gefundene Dosis-Wirkungs-Zusammenhang erhärtet die Annahme, dass das Rauchen ursächlich verantwortlich für das gestiegene Erkrankungsrisiko ist. Die Studie fand allerdings auch, dass ein Rauchstopp das Auftreten rheumatoider Arthritis verzögern oder sogar verhindern kann. (Rauchfrei-Info

China: Erhöhtes Risiko für Herzfehler bei Kindern, wenn Väter während der Schwangerschaft rauchen
In einer Metaanalyse aus China wurde die Rauchbelastung in verschiedenen Stadien der Schwangerschaft untersucht. Bei Frauen war das aktive und passive Rauchen während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko assoziiert, ein Kind mit einem Herzfehler zu bekommen. Rauchten die werdenden Väter, stieg das Risiko um 74%. (Ärztezeitung)

Fast die Hälfte aller JUUL-Follower auf Twitter ist minderjährig
Ein Forscherteam aus den USA hat den Twitter-Kanal der E-Zigarettenmarke JUUL unter die Lupe genommen und schätzt in ihrem Bericht, dass rund 45% der rund 11.800 öffentlichen Konten, die der Marke zum Studienzeitpunkt folgten, Jugendlichen im Alter von 13-17 Jahren gehörten, und rund 44% jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Lediglich 12% der JUUL-Follower waren Nutzer im Alter von über 25 Jahren. (RTI)

Weitere News – national
10,6 % mehr Zigaretten im 1. Quartal 2019 als im Vorjahr versteuert
Laut Statistischem Bundesamt wurden in Deutschland im vergangenen Quartal 10,6 % mehr Zigaretten versteuert als im gleichen Zeitraum 2018. Auch die Absatzmengen anderer Tabakprodukte stiegen an: bei Pfeifentabak, der auch Wasserpfeifentabak und neuartige Pfeifentabakprodukte beinhaltet, um drastische 57,9 %, bei Tabakfeinschnitt nur leicht um 7,4 %. Einzig bei Zigarren und Zigarillos sanken die Absatzzahlen um 17,6 %. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Bezugs von Steuerzeichen und lassen daher nur bedingt Rückschlüsse auf das Kaufverhalten bei den Endkonsumenten zu. (Destatis)

Initiative fordert Pfandsystem für Zigaretten
Die Berliner Initiative "Die Aufheber" fordert mithilfe einer Petition, künftig auf Zigarettenfilter ein Pfand von je 20 Cent zu erheben. Das Pfandsystem soll ab 2023 eingeführt werden. Die Initiative bereitet einen Entwurf für eine Petition vor. (Ökotest)

Philip Morris schließt Berliner Werk
Das sich ändernde Konsumentenverhalten fordere eine Reduzierung der Produktion, daher werde das Werk mit 1.050 Beschäftigten ab dem 1.1.2020 komplett geschlossen. (Spiegel online)

Drogenbeauftragte: Entwicklung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern im Blick behalten
Anlässlich des Weltnichtrauchertags betonte die Drogenbeauftragte Marlene Mortler nochmals, dass E-Zigaretten und Tabakerhitzer keinesfalls unschädlich und noch zu wenig untersucht seien. Die Bundesregierung halte das Marktgeschehen rund um diese Produkte stetig im Blick. (Ärztezeitung)

Weitere News – international
PMI sammelt Daten von IQOS-Nutzern 
Über einen übermittlungsfähigen Speicherchip im Gerät und mit einer App werden personenbezogene Daten gesammelt, zu Gerätenutzung, Batterieverbrauch, „Puffanzahl“ und Aufenthaltsort. Datenschützer sind beunruhigt, denn mit diesen Daten lasse sich das Konsumverhalten exakt analysieren. Außerdem seien die Daten größtenteils aus dem Gesundheitsbereich und unterlägen damit besonderem Schutz. Registrierung und App sind zur Nutzung von IQOS zwar nicht zwingend notwendig, werden jedoch stark beworben, z.B. durch Preisnachlasse und verbesserten Kundenservice. Andere Firmen, wie Juul und Japan Tobacco International stehen auch kurz davor, mit solchen übermittlungsfähigen Geräten an den Markt zu gehen. (Handelszeitung CH)


PMI unterbricht weltweite Social Media Werbekampagne für IQOS

Der Stopp ist eine Reaktion auf kritische Fragen der Nachrichtenagentur Reuters, die darauf hinwiesen, dass viele der Social Influencer, die PMI für die Vermarktung seines Produktes IQOS bezahlt, sehr jung sind oder zumindest so aussehen. Der Konzern hat eine Richtlinie, derzufolge für sie werbende Personen 25 Jahre alt oder älter sein müssen. Die von Reuters gesammelten Bilder und Nachrichten stammen aber auch von Models und Prominenten, die jünger sind oder wirken und deutlich jüngere Follower haben. Dieses Vorgehen sei eindeutig eine Vermarktung an Jugendliche. (Reuters)


PMI gründet Lebensversicherung mit Prämien und Rabatten für Tabak-Aus- und Umsteiger
Wer mit dem Rauchen aufhört oder auf iQOS umsteigt bekommt Vergünstigungen – je nach „Raucherstatus“ sollen es zwischen 2,5% und 50% Nachlass auf Versicherungsbeiträge sein. Die Tochtergesellschaft Reviti verkauft ihre Lebensversicherungen zunächst in Großbritannien, will aber wohl bald auch andere Märkte bedienen. (Ärzteblatt)


PMIs Greenwashing-Strategien

Im April 2019 startete Philipp Morris International seine "The Year of Unsmoke"-Kampagne, die augenscheinlich "ein dringender Weckruf für Raucher, Nichtraucher, Gesetzgeber und Weltveränderer auf der ganzen Welt" sein soll, um die Zukunft rauchfrei zu machen. Ihr Slogan lautet: If you don’t smoke, don’t start. If you smoke, quit. If you don’t quit, change. Unsmoke. (Businesswire)
Zur Greeenwashing-Strategie gehört u.a. auch der PMI Nachhaltigkeitsreport 2018
Im starken Kontrast zu der Kampagne steht, dass der Konzern weiterhin seinen Tabakerhitzer IQOS bewirbt und vor allem in ärmeren Ländern mit allen Mitteln seine herkömmlichen Zigarettenmarken bewirbt. (Tobacco-Free Kids)


BAT kündigt einjährige Studie zu Wirkung von Tabakerhitzern auf die Gesundheit an
Teilnehmen sollen aktuelle Raucher*innen mit oder ohne Absicht aufzuhören, ebenso wie Niemals-Raucher*innen, im Alter zwischen 23 und 55 Jahren. Raucher*innen, die aufhören wollen, sollen Therapie und/oder Medikamente zur Entwöhnung erhalten. Nichtraucher*innen nehmen lediglich als kontrollierende Gruppe an der Studie teil. Die Studie soll in Großbritannien durchgeführt und die Teilnehmenden über einen Zeitraum von einem Jahr etwa alle 30 Tage untersucht und befragt werden. (EurekAlert)


12 portugiesische Gesundheitsorganisationen warnen vor Tabakerhitzern
In einer gemeinsamen Stellungnahme warnt der Zusammenschluss, dem u.a. auch die portugiesische Gesellschaften für Kardiologie und für Pneumologie und die Vereinigung der Allgemeinmediziner angehören, vor den Gefahren von Tabakerhitzern. (Portugal News)

UK: Vorwürfe gegen PHE 
Zwei Forscher der Universitäten von Birmingham und London werfen der Gesundheitsbehörde Public Health England vor, sie ignoriere bewusst Forschungsergebnisse, die die Schädlichkeit von E-Zigaretten bezeugen und fördere mit seiner Haltung indirekt den Konsum unter Jugendlichen. (Telegraph)


Juul plant App, die Raucher dazu bewegen soll, zu Juul zu wechseln

Die Marke will sich vom schlechten Image der Jugend-Produkte lösen und arbeitet an der Vermarktung als Hilfsmittel zum Rauchausstieg. Aus Jobanzeigen lässt sich der Plan für eine App erkennen, die erwachsene Raucher*innen dazu bewegen soll auf Juul umzusteigen. (Businessinsider)



Selbstverpflichtung der E-Zigaretten-Verbände zu Werbeleitlinien

Die E-Zigaretten-Branche hat sich freiwillig einen neuen Kodex bezüglich ihrer Werbestrategien auferlegt und will so durch Selbstverpflichtung ihr Image verbessern. Demnach sollen die Darsteller in Werbebildern und Videos mindestens 30 Jahre alt sein, auf gezeichnete Figuren soll ganz verzichtet werden und an Orten und bei Veranstaltungen die hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen besucht werden sowie in einem Umkreis von 100 Metern um Schulen soll nicht mehr geworben werden. Außerdem soll jede Werbung deutliche Gefahrenhinweise zeigen. Die Verbände streben die Einrichtung eines unabhängigen Kontrollgremiums an, von dem die Einhaltung der Richtlinien geprüft wird. (Ärztezeitung, Welt)


Chinesische Ultraschall-E-Zigarette Usonicig auf europäischem Markt angekommen
Das Gerät nutzt ultrahochfrequente Vibrationen mit 2.400.000 Schlägen pro Sekunde um das E-Liquid in Schwingung zu versetzen und Dampf mit niedrigeren Temperaturen zu erzeugen. Es hat die Genehmigung für den Verkauf in Großbritannien, Frankreich und Deutschland erhalten und ist bereits online und bei E-Zigaretten-Händlern erhältlich. (Presseportal)


Praktiken der Tabakindustrie in Indonesien
Der Deutschlandfunk hat eine ausführliche Reportage zum Vorgehen der Tabakindustrie in Indonesien und anderen Entwicklungsländern veröffentlicht. Dort gibt es vielfach enorme Bildungslücken bezüglich der Schädlichkeit von Tabak und keinerlei Rauchverbote oder Werbebeschränkungen. Außerdem wird Tabak sehr niedrig besteuert, die Politik lässt sich gerne durch finanzielle Förderung lenken und der Tabakanbau ist für viele Indonesier die einzige Einkommensquelle. Für die Tabakindustrie machen diese Gegebenheiten das Land zu einer Goldgrube.

In Paris gilt ab dem 8. Juni 2019 ein Rauchverbot in 52 Parks
Nach der Versuchsphase mit 6 Parks im letzten Sommer wurde das Rauchverbot nun auf insgesamt 52 Grünflächen ausgedehnt und umschließt somit circa 10 Prozent der Pariser Parks. In den ersten Wochen des neuen Verbots sollen Verstöße nur verwarnt werden, ab Anfang Juli werde dann eine Strafgebühr von 38 Euro fällig. (Spiegel online)

Mallorcas Strände bald rauchfrei?
Das Gesundheitsministerium der Balearen diskutiert ein Rauchverbot nach galizischem Vorbild. Dort ist bereits an 79 Ferienstränden das Rauchen verboten, um Nichtraucher zu schützen und Umweltverschmutzung vorzubeugen. Die Anti-Tabakkampagne soll weniger auf Sanktionen als auf Sensibilisierung der Urlauber setzen. (Neue Westfälische)


Japan: Universität Nagasaki will keine Raucher mehr einstellen
Die Universität vertrete die Auffassung, dass Raucher nicht im Bildungsbereich arbeiten sollten. Bewerber, die versprechen, vor ihrem Jobantritt mit dem Rauchen aufzuhören, würden aber noch eingestellt, sagte ein Sprecher. (Ärtzeblatt)


Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

www.abnr.de

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