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ABNR-Info | 02|2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

schon die zweite Ausgabe des ABNR-Infos in diesem Jahr und noch immer warten wir gespannt auf ein weitreicherendes Tabakwerbeverbot – nicht ohne Grund belegte Deutschland den letzten Platz in der Tabakkontrollskala 2019. Dabei wäre insbesondere ein Außenwerbeverbot für Tabakprodukte und E-Zigaretten eine der wichtigsten Maßnahmen, um Jugendliche vor dem Einstieg in den Konsum und damit vor einer Nikotinabhängigkeit zu schützen. 

Der Schutz der Jugend vor den Manipulationen der Tabakindustrie war auch das Thema des diesjährigen Weltnichtrauchertages. Eine wichtige Zielgruppe für Werbemaßnahmen – insbesondere auch für E-Zigaretten mit aromatisierten Liquids – sind junge Menschen, die eine nachwachsende Generation Nikotinabhängiger garantieren sollen. 

Zu diesen und vielen anderen Themen mehr im aktuellen ABNR-Info.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr ABNR-Team

Aus dem ABNR
Weltnichtrauchertag 2020 – Lass dich nicht manipulieren!
Unter dem Motto „Kill yourself starter kit – Lass dich nicht Manipulieren“ machten das Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR) und die Deutsche Krebshilfe dieses Jahr zum Weltnichtrauchertag am 31.05. auf die manipulativen Marketingstrategien der Tabakindustrie aufmerksam. Besonders gefährdet sind dabei Jugendliche und junge Erwachsene: Als Hauptzielgruppe der Werbemaßnahmen werden sie animiert, ein Teil der neuen Generation abhängiger Konsumenten zu werden. Im Fokus stehen dabei oft E-Zigaretten und Shishas - doch auch durch diese, als „gesunde Alternative“ beworbenen Produkte, kann eine Nikotinsucht ausgelöst und der Einstieg in den Zigarettenkonsum begünstigt werden. Experten fordern die Bundesregierung erneut auf, verschärfte Maßnahmen zur Tabakprävention umzusetzen und die Jugend umfassender vor dieser Manipulation zu schützen. (Pressemitteilung, Homepage)

Aus der Politik & Rechtliches – national
Tabakwerbeverbot – eine unendliche Geschichte
Das Tabakwerbeverbot – um das es bereits ein jahrelanges Ringen gibt – wurde, wie viele andere sachpolitische Themen, durch die Corona-Pandemie vorerst von der Tagesordnung des Kabinetts gestrichen. Der Ende Mai vorgelegte Gesetzentwurf (Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes) der Regierungskoalition, der bereits das notwendige EU-Zertifizierungsverfahren durchlaufen hat, soll nun endlich ein weitreichenderes Tabakwerbeverbot für Tabakzigaretten und E-Zigaretten auf den Weg bringen. Die Einschränkungen für Außenwerbung sollen stufenweise in Kraft treten – ab dem 1. Januar 2022 für Tabakwaren, ab dem 1. Januar 2023 für Tabakerhitzer und ab dem 1. Januar 2024 für elektronische Zigaretten. Das Verbot von Tabakwerbung vor Filmen, bei denen Kinder und Jugendliche anwesend seien können, sowie ein Verbot von Gratisproben sollen bereits zum 1. Januar 2021 gelten. Der Entwurf sieht zudem vor, nikotinfreie elektronische Zigaretten und Nachfüllbehälter den nikotinhaltigen Produkten gleichzusetzen. 
Am 29. Juni 2020 fand eine öffentliche Anhörung im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft zum „Entwurf eines zweiten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes“ statt, in der alle Sachverständigen den Gesetzentwurf  grundsätzlich begrüßten. Mehrere plädierten allerdings für ein vollständiges Werbeverbot. Der Gesetzentwurf steht am 2. Juli auf der Tagesordnung des Bundestages und soll dann in 2./3. Lesung abschließend beraten werden.

Krebshilfe fordert mehr Engagement für den Nichtraucherschutz
Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung kritisiert Herr Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, die Bundesregierung: Als Reaktion auf das Coronavirus Sars-CoV-2 seien in kürzester Zeit weitreichende Schutzmaßnahmen umgesetzt worden, der Nichtraucherschutz wird jedoch nach wie vor von der Politik mit unzureichendem Engagement behandelt. (Artikel)

Grüne fordern: Krankenkassen sollen Kosten der Rauchentwöhnung übernehmen

Maßnahmen zur Rauchentwöhnung sollen auch aufgrund der Corona-Pandemie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden – das fordern die Grünen in einem Änderungsantrag im Bundestag. Da Nikotinsucht eine Krankheit sei und Rauchende eine Risikogruppe für Covid-19 Erkrankung darstellten, müssten Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, Unterstützung erhalten, so Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Fraktion. (Ärzteblatt)
Auch das ABNR hat in Anschreiben an den Gesundheitsminister und die Drogenbeauftragte im April und Mai 2020 die Kostenübernahme der Tabakentwöhnung in Corona-Zeiten gefordert. 


Mehrwertsteuersenkung des Konjunkturpakets auch für Tabakprodukte
Das Konjunkturpaket der Bundesregierung beinhaltet unter anderem die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer, auch für Alkohol und Tabakprodukte. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig hat dies in einem Brief an die Koalition kritisiert und fordert, die Senkung noch einmal zu überprüfen. Laut Ludwig könnten sonst Bemühungen zur Entwöhnung und Reduzierung des Konsums dieser Produkte untergraben werden. (ntv)

FDP stellt Anfrage zu Tabakgewohnheiten in Corona-Zeiten
Vor dem Hintergrund wissenschaftlich konträrer Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Rauchverhalten und einer Covid-19 Erkrankung sowie veränderter Lebensgewohnheiten der Bevölkerung während der Monate der Pandemie-Schutzmaßnahmen stellt die FDP eine Reihe von Fragen an die Bundesregierung. Diese reichen von Änderungen im Tabak-Konsumverhalten verschiedenster Altersgruppen über eine Stellungnahme zum Zusammenhang von Rauchen und Covid-19 bis hin zu Entwöhnungsprogrammen. (Kleine Anfrage)

Auch Läden für E-Zigaretten mussten im Corona-Lockdown schließen
Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hatte den Eilantrag einer Betreiberin mehrerer Geschäfte für E-Zigaretten und Nachfüllbehälter gegen die gültige Allgemeinverfügung zur Schließung von Einzelhandelsgeschäften in zweiter Instanz zurückgewiesen. Das stark spezialisierte Warenangebot in den Läden der Antragstellerin diene nicht der Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs und sei deshalb nicht von der Schließung ausgenommen. Der Beschluss ist unanfechtbar. (Pressemitteilung, Beschluss)

Europäischer Gerichtshof entscheidet über bildliche Warnhinweise
Die Nichtraucher-Initiative Pro Rauchfrei hat in München den Betreiber zweier Edeka-Märkte verklagt. Grund dafür: Die Ausgabeautomaten von Zigarettenschachteln an der Kasse weisen keine bildlichen Warnhinweise auf. Diese Warnhinweise dürfen laut deutscher Verordnung „zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens, einschließlich des Anbietens zum Verkauf“ nicht verdeckt werden. Der Bundesgerichtshof setzte am 25.06.2020 das Verfahren aus und legte dem Europäischen Gerichtshof EuGH vier Fragen zur Auslegung der Tabakrichtlinie zur Vorabentscheidung vor. Mit dem EuGH ist die höchste Istanz erreicht. (BR24)

Aus der Politik & Rechtliches – international
EU-Tabaksteuerrichtlinie soll überarbeitet und ausgeweitet werden
Die seit 2011 geltende EU-Tabaksteuerrichtlinie muss nach Ansicht der EU-Mitgliedsstaaten überarbeitet werden. Insbesondere im Hinblick auf neue Produkte, wie E-Zigaretten, fehlten spezifische Regelungen, die ohne Spielraum auch in Zukunft eine einheitliche Besteuerung innerhalb der Europäischen Union sicherstellen. Der Rat der EU-Staaten hat daher die EU-Kommission beauftragt, einen neuen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten. (Aerzteblatt, Schlussfolgerung EU-Rat)
Zuvor hatte sich im Deutschen Bundestag auch die Fraktion von B90/Die Grünen in einem Antrag an die Bundesregierung dafür ausgesprochen, im EU-Rat für eine neue Richtlinie zu unterstützen.  

Menthol-Verbot - wie die Industrie Schlupflöcher nutzt
Mit der EU-Richtlinie 2014/40/EU wurde das EU-weite Verbot von Menthol-Zigaretten ab Mai 2020 beschlossen. Mit Hilfe einer Reihe von alternativen Produkten versucht die Tabakindustrie jedoch, dieses Verbot zu umgehen.
Das European Network for Smoking and Tobacco Prevention (ENSP) betont, dass beispielsweise mentholhaltige Papiere und Filter, die getrennt von Tabakerzeugnissen zum Selberdrehen verkauft werden, nicht in der Richtlinie berücksichtigt sind. Auch erhitzte Tabakprodukte, Menthol- oder aromatisierte E-Liquids-Aromen sowie andere tabakfreie Nikotinprodukte sind von dem Verbot ausgenommen. Diese werden von der Tabakindustrie entsprechend beworben. (ENSP)
Eine Studie der Universität Bath zeigt, wie diese Optionen in Großbritannien bereits sichtbar ausgeschöpft worden sind. Hier werden besonders mentholhaltige Zigarillos als Alternative beworben. (Orginalarbeit)
Neuester Trick sind sogenannte „Aroma-Cards“. Die Karten der Firma Rizla, die zu Reemtsma gehört, können in die Zigarettenschachtel gelegt werden und übertragen ihr Aroma innerhalb einer Stunde auf die Zigaretten. Laut Reemtsma-Sprecher handelt es sich bei diesem Produkt nicht um Tabakerzeugnisse. Das Verbot wird somit umgangen. Sowohl Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, als auch das Aktionszentrum Forum Rauchfrei kritisieren den Verkauf der Aroma-Karten scharf. (Süddeutsche, Frankfurter Rundschau)

WTO: Einheitsverpackungen für Tabakprodukte im Einklang mit WTO-Recht
Anfang Juni dieses Jahres hat das Berufungsgremium der Welthandelsorganisation (WTO) im Streit um Australiens Gesetzgebung zu Einheitsverpackungen von Tabakprodukten (plain packaging) bekannt gegeben: Plain packaging ist mit internationalem Handelsrecht vereinbar. Hintergrund für dieses Berufungsverfahren war eine Beschwerde der Staaten Kuba, Dominikanische Republik, Honduras, Indonesien und Ukraine bei der WTO im Jahre 2012 bezüglich der Gesetze zu plain packaging in Australien. Diese wurde 2018 mit einem Panel-Bericht abgewiesen, woraufhin Honduras und die Dominikanische Republik Berufung einlegten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt die Entscheidung des Berufungsgremiums der WTO einen „großen Sieg für öffentliche Gesundheit und Tabakkontrolle“. (Pressemitteilung WHO)

Niederlande: Süße Aromen für E-Zigaretten verboten
E-Zigaretten mit süßen Aromen wie Erdbeere oder Mango werden in Zukunft in den Niederlanden nicht mehr erhältlich sein, teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag mit. Hintergrund ist der Jugendschutz: Um den Einstieg ins Rauchen über E-Zigaretten möglichst unattraktiv zu gestalten, werden besonders für Jugendliche verführerisch wirkende Geschmacksrichtungen verboten. (Spiegel, Pressemitteilung)

Publikationen – national
Drei Maßnahmen könnten eine Million Krebsfälle vermeiden
Bis 2050 könnten eine Million Krebsfälle vermieden werden, wenn drei zentrale wirksamkeitserprobte Tabakkontrollmaßnahmen konsequent umgesetzt würden. Hierzu zählen wiederholte Steuererhöhungen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken. Epidemiologen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) um Ute Mons und Hermann Brenner haben mit Modellrechnungen ermittelt, was eine konsequente Tabakkontrollpolitik für die Gesundheit der Deutschen tatsächlich bringen würde. Würden die drei Tabakkontrollmaßnahmen heute eingeführt, so rauchten 2050 voraussichtlich nur noch 9,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen. Daraus errechneten die Wissenschaftler bis 2050 einen Rückgang der tabakbedingten Krebsfälle um 14 Prozent bei Männern sowie um rund 12 Prozent bei Frauen. (Pressemitteilung, Originalreport)

Jahrbuch Sucht 2020: Weniger Rauchende, Konsum von Wasserpfeifen gestiegen
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) berichtet im Jahrbuch Sucht 2020 auch für das Jahr 2019 eine rückläufige Zahl Rauchender in Deutschland. Der Konsum von (Wasser-) Pfeifentabak sei 2019 jedoch erneut stark angestiegen. Grund dafür ist die Beliebtheit von Wasserpfeifentabak bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

E-Zigarettenkonsum führt bei Jugendlichen zur Nutzung von Nikotinprodukten
Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit förderte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine neue Kohortenstudie zum Verlauf des E-Zigarettenkonsums im Jugendalter. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass mehr als 60 Prozent der jugendlichen E-Zigarettenkonsumenten und über 75 Prozent der "Dual User" nach 18 Monaten Nikotinprodukte konsumieren. Nur selten werden nach dieser Zeit ausschließlich E-Zigaretten konsumiert. (BzgA Twitter, Orginalarbeit)

Jugendliche durch E-Zigaretten-Werbung verführt
Dr. Julia Hansen und ihr Team aus dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel konnten in einer Längsschnittstudie mit mehr als 4.500 Jugendlichen zeigen, dass Werbung für E-Zigaretten die Wahrscheinlichkeit des Erstkonsums von E-Zigaretten, Zigaretten und Wasserpfeifen erhöhen kann. Die Wissenschaftler*innen äußern auf Grundlage dieser Ergebnisse Besorgnis über die geltenden Vorschriften für E-Zigarettenwerbung in Deutschland. (Medical Tribune, Orginalarbeit)

Tabakentwöhnung mit finanzierten Programmen fördern
Strukturierte und finanzierte Entwöhnungsprogramme mit ärztlichen Betreuungspersonen können die Tabakentwöhnung erleichtern. So schlussfolgert Prof. Dr. Stephan Mühlig, Studienleiter der ATEMM Studie. Der Gesetzgeber ist gefragt, damit die Kassen nicht nur für solche Programme, sondern auch für die dafür zur Verfügung stehenden Medikamente die Kosten übernehmen können. Durch die derzeitige Regelung im SGB V ist letzteres nicht möglich. (Ärztezeitung)

E-Zigaretten: Mehrheit der Bevölkerung sieht gesundheitliche Risiken
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine Spezialausgabe des Verbraucher Monitor 2019 zum Thema E-Zigaretten veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass mehr als 80% der knapp 1.000 Befragten gesundheitliche Risiken mit dem Konsum von E-Zigaretten verbinden. Es gibt unter den Befragten jedoch keinen Konsens, ob E-Zigaretten weniger oder mehr der Gesundheit schaden als herkömmliche Zigaretten. (BfR)

Wie schädlich ist Dampfen wirklich? Eine Zusammenfassung
In einem ausführlichen Beitrag fasst die Stiftung Warentest die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema neue Tabakprodukte verständlich zusammen. Dabei wird sowohl auf die grundlegenden Funktionsweisen von E-Zigaretten eingegangen als auch aktuelle Studien zum Thema laienverständlich erklärt. Dabei geht der Bericht sowohl auf gesundheitliche Risiken, die Rechtgrundlage in Deutschland und auf die Frage ein, inwieweit E-Zigaretten Rauchern als Ausstiegshilfe dienen sollten. (Stiftung Warentest)

Rauchfreies Deutschland ab 2040?
Wenn Deutschland weiterhin nur wenige Teile des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Maßnahmenpakets zur Verringerung des Anteils von Rauchenden in der Gesellschaft umsetzt, wird es ein rauchfreies Deutschland vor 2043 nicht geben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Beitrag von Forschenden des IFT-Nord. In der von der Deutschen Krebshilfe geförderte Publikation wird auf Grundlage bisheriger Daten zum Rauchverhalten von Erwachsenen und Jugendlichen in Deutschland sowie der bisher ergriffenen Maßnahmen eine Prognose erstellt, wann in Deutschland weniger als 5% der Population rauchen. Demnach ist es unrealistisch, dieses Ziel bis zum Jahr 2040 zu erreichen. Die Autor*innen raten daher, die empfohlenen Maßnahmen der WHO zeitnah auch in Deutschland umzusetzen. (Originalarbeit)

Publikationen – international
Rauchende und COPD-Patient*innen anfälliger für schwere Covid-19 Erkrankungen
Das erhöhte Risiko für Rauchende und Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eine schwere Covid-19 Erkrankung zu erleiden, wurde bisher mit Vorschädigung der Lunge erklärt. Erkenntnisse aus Vancouver deuten darauf hin, dass auch das Enzym ACE2 bei der Anfälligkeit eine Rolle spielt. ACE2 spielt eine Schlüsselrolle beim Eindringen des Sars-CoV-2 Virus in die Zellen der Atemwege. Es ist wie eine Art Eingangstür: Ist das Enzym oft auf der Oberfläche der Zellen vorhanden, kann das Virus besser in die Zellen gelangen. Forschende der Universität British Columbia haben in drei Gruppen mit insgesamt 476 Versuchspersonen gezeigt, dass die Atemwegszellen von Rauchenden und COPD-Patienten öfter ACE2 auf ihrer Oberfläche tragen als gesunde Kontrollpersonen. Das Team schlussfolgert, dass so zumindest anteilig das erhöhte Risiko dieser Personengruppen für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 erklärt werden kann. Sie betonen die Wichtigkeit der Tabakentwöhnung und fordern eine verstärkte Überwachung der Risikogruppen. (Ärzteblatt, Orginalarbeit)

WHO: drei Berichte zu neuartigen Tabakprodukten sollen Akteure der Politik unterstützen
Anlässlich des Weltnichtrauchertages zum Thema „Die Jugend schützen“ veröffentlicht die WHO drei Berichte zu erhitzten Tabakprodukten sowie nikotinhaltigen und nikotinfreien E-Zigaretten. Die Hintergrundpapiere enthalten Informationen zu den jeweiligen Produkten, ihren Inhaltstoffen und gesundheitlichen Auswirkungen. Fallstudien und eine klare Positionierung der WHO sollen Politik und Akteuren des Gesundheitswesens eine wissenschaftlich fundierte Übersicht zu diesen neuartigen Tabakprodukten geben. (WHO)

Höheres Infektionsrisiko durch E-Zigaretten
Das Mikrobiom des Mundes wird sowohl durch Zigarettenrauch als auch nikotinhaltigen E-Zigarettendampf verändert. Das ist der Grund für ein häufiges Auftreten von Zahnfleischerkrankungen bei Rauchenden im Vergleich zu Nicht-Rauchenden. Laut einem Forschungsteam aus New York beeinflusst der Dampf von nikotinhaltigen E-Zigaretten die orale Bakterienflora noch negativer als herkömmlicher Zigarettenrauch: Die Reaktion der Zellen auf eine Entzündung ist verstärkt und das Infektionsrisiko erhöht. (Medical Tribune, Orginalarbeit)
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Forschende der Ohio State University, Columbus. In ihrer Studie zur Zusammensetzung der Mundbakterien bei Nichtrauchenden, Rauchenden, E-Zigarettennutzenden und Rauchenden, die nun E-Zigaretten nutzen, sowie ehemalig Rauchenden. Wie schon in New York fanden in der Mundflora der E-Zigarettennutzenden entzündungsfördernde Immunreaktionen statt und mehrere potenziell gefährliche Bakterien konnten nachgewiesen werden. Der Nikotingehalt der Liquids spielte hierbei kaum eine Rolle. (Forschung und Wissen, Orginalarbeit)

Jahresbericht 2019 der Framework Convention Alliance (FCA)
Im Mittelpunk des diesjährigen Berichts standen Aktivitäten zur Einführung von Tabaksteuern, zum illegalen Handel sowie die multisektorale Zusammenarbeit. In ihrem Ausblick auf die nächsten Jahre gehen sowohl die Vorstandsvorsitzende Kylie Lindorff als auch der geschäftsführende Direktor Francis Thompson auf die aktuelle Corona-Pandemie ein. Das damit einhergehende Bewusstsein für Gesundheitsthemen müsse als Chance gesehen werden, auch die Umsetzung des FCTC weiter voran zu treiben. (FCA Annual Report 2019)

E-Zigaretten verführen Jugendliche zum Rauchen
Um die Frage zu beantworten, ob die Nutzung von E-Zigaretten bei Jugendlichen zum Rauchen führt, hat ein Team aus dem Vereinigtem Königreich insgesamt 17 Einzelstudien zusammengefasst. Sie haben eine starke Assoziation zwischen dem Konsum von E-Zigaretten und späterem Tabakrauchen gefunden. Aufgrund von Limitationen der Originalstudien, könne dieser Zusammenhang jedoch noch nicht als kausal bezeichnet werden. (Medical Tribune, Originalarbeit)

Rückfall zur Zigarette durch Konsum von E-Zigaretten begünstigt
Ein wissenschaftliches Team im US-Bundesstaat Maryland hat untersucht, inwiefern die Verwendung von elektronischen Nikotinverabreichungssystemen mit einem Rückfall ehemaliger Rauchender in Verbindung steht. In der Langzeitstudie über fünf Jahre wurden mehr als 2.200 ehemalige Rauchende beobachtet. Das Ergebnis: ein Rückfall zum Rauchen von Zigaretten war in der Gruppe der E-Zigaretten-Nutzenden signifikant höher, als in der Gruppe ehemalig Rauchender, die keine elektronischen Nikotinverabreichungssysteme nutzten. (Originalarbeit)

Factsheet zu alternativen nikotinhaltigen Produkten und deren Sicherheit
Die European Lung Foundation (ELF) und die European Respiratory Society (ERS) haben ein Factsheet herausgegeben, dass eine Übersicht über alternative nikotinhaltige Produkte gibt. E-Zigaretten, Heat-not-burn Produkte und rauchfreier Tabak werden in einem Dokument vorgestellt, ihre Sicherheit erläutert und Strategien zur Rauchentwöhnung aufgezeigt. (ELF & ERS)

Gesetzeslage zur Regulierung aromatisierter Tabakprodukte weltweit
Ein Team aus Baltimore, USA hat die Gesetzeslagen einzelner Länder zu aromatisierten Tabakprodukten zusammengetragen und verglichen. Weltweit werden diese Produkte in elf Ländern und den 28 EU-Staaten gesetzlich geregelt. Der Schwerpunkt der Gesetzgebungen ist in den meisten Fällen auf den Schutz der Jugend gelegt. Ein weiteres Ziel der Studie war es, Ländern, die bisher noch keine gesetzlichen Regelungen zu aromatisierten Tabakprodukten haben, Möglichkeiten zur Regulierung aufzuzeigen. (Originalarbeit)

Greenwashing in der Tabakindustrie
Die Universität Bath informiert auf der Website Tobacco Tactics in einem neuen Artikel über das Thema „Greenwashing“ in der Tabakindustrie. Darin werden die Taktiken der Tabakindustrie, sich in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, erläutert und anhand von Beispielen anschaulich dargestellt. (Tobacco Tactics)

Italien: Vertrauliche Studie zu Philip Morris‘ IQOS veröffentlicht
Philip Morris‘ IQOS Produkte sind nicht weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, so das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie des italienischen Gesundheitsministeriums Istituto Superiore di Sanità (ISS). Die bisher vertraulich behandelte Studie erkennt somit die von Philip Morris behauptete Risikoreduktion durch den Konsum von IQOS im Vergleich zu verbrennenden Tabakprodukten nicht an. Im Rahmen einer Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Senders RAI3 wurde enthüllt, dass diese Erkenntnisse bereits im Dezember 2018 vorlagen, kurz nachdem die italienischen Gesetzgeber über eine Steuersenkung für Tabakerhitzer abgestimmt hatten. Die Studie wurde im Anschluss an den Beitrag des Senders der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Auch in Anbetracht der andauernden Corona-Pandemie wird in Italien nun diskutiert, ob die steuerliche Ungleichbehandlung noch gerechtfertigt ist. (OCCRP, Originalarbeit, RAI3 Dokumentation)

Weitere News – national
Krebshilfe und DKFZ: Rauchstopp in Corona-Zeiten
Anlässlich der Covid-19 Erkrankung, die durch Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird und vor allem die Lunge betrifft, weisen sowohl die Deutsche Krebshilfe als auch das Deutsche Krebsforschungszentrum auf die positiven gesundheitlichen Auswirkungen eines Rauchstopps hin. Da Rauchende zur Risikogruppe für einen erschwerten Covid-19 Krankheitsverlauf zählten, sei es jetzt umso wichtiger, Lunge und Bronchien durch eine Tabakentwöhnung zu schonen. So könnten sowohl kurz- als auch langfristig das Risiko für Infektionen und andere Erkrankungen gesenkt werden.

DGP und GPP: Entwöhnungsprogramme statt E-Zigaretten
Aufgrund bekannter Gesundheitsgefahren und noch nicht absehbarer Langzeitfolgen durch den Konsum von E-Zigaretten, sollten diese nicht zu Rauchentwöhnung genutzt werden. Strukturierte Entwöhnungsprogramme seien das Mittel der Wahl, so die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) in einer Pressemitteilung. Sie fordern die kostenfreie und flächendeckende Verfügbarkeit von professionellen Entwöhnungsprogrammen für Rauchende. (Pressemitteilung, Aerzteblatt)

Rauchen in Filmen
Auf der Website "Rauchfreie Filme" informiert das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord), wie oft in Filmen geraucht wird. Es werden Hollywood-Produktionen, die Tatort-Reihe und und die für den Deutschen Filmpreis nominierten Filme unter die Lupe genommen. Zusätzlich gibt es viele Hintergrundinformationen: Warum ist Rauchen in Filmen ein Problem? Was hat es mit dem Rauchfrei-Siegel auf sich? (Website Rauchfreie Filme)

Bericht an den UN-Ausschuss für Kinderrechte
Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2020 reichten das Deutsche Krebsforschungszentrum, das Deutsche Kinderhilfswerk, Unfairtobacco und 16 weitere Organisationen einen Alternativbericht  beim UN-Ausschuss für Kinderrechte ein. Darin bemängeln sie den ungenügenden Schutz von Kindern vor Passivrauch, vor Tabakwerbung und vor ausbeuterischer Kinderarbeit. Sie fordern von der deutschen Regierung, unverzüglich stärkere Maßnahmen der Tabakkontrolle zu ergreifen, damit die Rechte von Kindern geschützt werden. (Pressemitteilung)

Frankfurt am Main: Freibäder frei von Tabakrauch
Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sind ab dieser Saison die Freibäder der Stadt Frankfurt weitgehend rauchfrei. Rauchenden soll nur ein kleiner Bereich zum Konsum von Tabakprodukten zur Verfügung stehen. (hessenschau)

Berlin nimmt Corona-Hilfen durch Tabakkonzern Philip Morris an
Das Forum Rauchfrei und zehn Professor*innen zeigen sich in einem Offenen Brief an den regierenden Bürgermeister Michael Müller bestürzt über die Entscheidung des Landes Berlin, die Räumlichkeiten des Tabakkonzerns Philip Morris für die Lagerung von logistischem und technischem Equipment für die Corona-Pandemie zu nutzen. Diese Art der Zusammenarbeit sei laut des Tabakrahmenübereinkommens von 2004 unzulässig. Die Firma Philip Morris sei bei ihrem Angebot nicht daran interessiert, die Gesundheit der Bevölkerung zu stärken, sondern mit dieser Marketingmaßnahme „ein positives Umfeld für ihre Geschäfte zu erzeugen und von den tödlichen Gefahren ihrer Produkte abzulenken“, so die Autoren des offenen Briefes. Sie bitten darum, die Zusammenarbeit mit Philip Morris zu beenden und auch in Zukunft nicht in Erwägung zu ziehen. (Forum Rauchfrei)

Neuer Tabakerhitzer von British American Tobacco auf dem deutschen Markt
glo™ heißt der neue Tabakerhitzer von British American Tobacco (BAT). Beworben wird er als „potenziell risikoreduzierte Alternative“ zu herkömmlichen Zigaretten, eine Vielfalt an Aromen inklusive. Unter dem Motto ‚A Better Tomorrow‘ bewirbt BAT seinen Tabakerhitzer. (Presseportal)

Weitere News – international
Kein Nachweis, dass Nikotin vor COVID-19 schützt
Ein Artikel des französischen Forscherteams unter der Leitung von Prof. Jean Pierre Changeux, in dem die Hypothese aufgestellt wurde, Nikotin könnte eine präventive und therapeutische Wirkung gegen COVID-19 haben, hat Ende April große und internationale mediale Resonanz erzeugt. Dabei entstand der Eindruck, es handele sich um das Ergebnis einer Studie und nicht nur eine wissenschaftliche Hypothese. Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT) hat auf ihrer Website diese Hypothese untersucht. Das Fazit: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Nikotin vor COVID-19 schützt“. AT beleuchtet dabei sowohl die vielzitierte französische Studie als auch die Bemühungen der Tabakindustrie. (AT Schweiz)

Tabakindustrie nutzt Corona-Pandemie
Tabakkonzerne nutzen die Corona-Pandemie, um ihre Produkte besonders stark zu bewerben. Die Methoden reichen von der Verwendung gängiger Hashtags während der Isolations-Maßnahmen über das Sponsoring von Influencern bis zu Sonderangeboten und dem Wegfall von Ausweiskontrollen. Jugendliche sind durch die Nutzung der sozialen Netzwerke für diese Art der Werbung besonders empfänglich, so die Campaign for Tobacco-Free Kids. (Presseportal, Tobacco-Free Kids)


Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

www.abnr.de

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