Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier.
ABNR-Info | 04|2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit verabschieden wir uns mit dem vierten ABNR-Info in diesem Jahr in die Weihnachtspause. Ein außergewöhnliches und mit vielfältigen Herausforderungen verbundenes Jahr geht zu Ende. Die Corona-Pandemie hat das politische Geschehen national wie international weitgehend bestimmt. Das Thema Rauchen hat durch Corona allerdings an trauriger Aktualität gewonnen, da es deutliche Hinweise darauf gibt, dass Rauchende bei einer COVID-19 Infektion stärker für einen schweren Krankheitsverlauf gefährdet sind. Corona ist somit ein weiterer gewichtiger Grund, mit dem Rauchen aufzuhören. Das Thema Tabakentwöhnung ist damit in den Fokus gerückt. Die im ABNR zusammengeschlossenen Gesundheitsorganisationen fordern daher – insbesondere in der Pandemie, aber auch darüber hinaus – die Übernahme der Kosten für Tabakentwöhnung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Diese Position haben Vertreter*innen des ABNR in einem Expertentworkshop "Finanzierung der Tabakentwöhnung" im Bundesgesundheitsministerium Ende September vertreten und diese Forderung seitdem auf verschiedenen Ebenen bekräftigt (Stellungnahmen, Anschreiben). Das ABNR spricht sich allerdings dagegen aus, mit dem Argument der Harm-Reduction, Tabakentwöhnung mit E-Zigaretten zu propagieren. Weil E-Zigarettenkonsum nachweislich auch kurzfristig schädigend auf Lunge, Herz-Kreislauf- und Immunsystem wirkt und Langzeiteffekte noch nicht abschätzbar sind. Zu diesem Themenkomplex sowie zu vielen anderen finden sie zahlreiche Meldungen in diesem Newsletter. 

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine schöne Weihnachtszeit und alles Gute für das Jahr 2021. Bleiben Sie gesund.

Ihr ABNR-Team

Aus der Politik & Rechtliches – national
Bundesrat: E-Zigaretten und E-Liquids sollen im Onlinehandel stärker reguliert werden
Um Konsument*innen von E-Zigaretten vor illegalen und importierten Produkten zu schützen, fordert der Bundesrat die Bundesregierung auf, verschiedene Maßnahmen zu prüfen. Bisherige Bemühungen sind laut Bundesrat nicht ausreichend erfolgreich, da die meisten Unternehmen ihren Sitz im Ausland haben. Importe und Online-Handel stehen im Fokus. Die angeregten Maßnahmen beinhalten deshalb unter anderem die verpflichtende Kennzeichnung von Online-Produkten oder die Rechtsverpflichtung für Betreiber von Online-Marktplätzen, das eigene Angebot auf Rechtskonformität zu prüfen. (Bundesrat kompakt, Beschluss)

Bundesverfassungsgericht: Klage gegen bildliche Warnhinweise und Aroma-Verbot abgewiesen
Die Klage eines Tabakproduzenten gegen die Einführung von bildlichen Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen und das Verbot von Tabak mit Aroma wurde vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig abgewiesen. Beide Maßnahmen seien Folge der rechtlich verpflichtenden Umsetzung der EU-Richtlinie, welche durch den Europäischen Gerichtshof bereits mehrfach legitimiert wurde. (Aerzteblatt)

Bündnis 90/Die Grünen: Grundsatzprogramm sieht Stärkung des Nichtraucherschutzes vor
Unter dem Thema "Gesundheit und Pflege" verpflichtet sich das Bündnis 90/die Grünen in ihrem neuen Grundsatzprogramm sowohl den Schutz für Nichtrauchende zu stärken als auch die allgemein (Drogen-)Prävention in den Mittelpunkt der Gesundheitspolitik zu stellen.

Aus der Politik & Rechtliches – international
EU-Richtlinie: Warnhinweise zu Plastik auf Zigarettenschachteln soll 2021 in Kraft treten
Die EU-Richtlinie zu Einwegplastik schließt Filter in Tabakprodukten mit ein. Um Umweltverschmutzung durch diese Produkte zu reduzieren, soll ein entsprechender Hinweis zur zweckmäßigen Entsorgung ab Sommer nächsten Jahres auch auf Zigarettenschachteln abgebildet werden. Die Welt berichtet.

EuGH: Vermarktung von CBD auf Grundlage des freien Warenverkehrs rechtens
Die Vermarktung von Cannabidiol (CBD) ist laut Europäischem Gerichtshof (EuGH) rechtens. Ein Verbot ist nicht mit dem freien Warenverkehr innerhalb der EU zu vereinbaren. Der Berufung eines französischen E-Zigarettenherstellers wird deshalb stattgegeben. Als einzige Ausnahme sieht der EuGH den Schutz der öffentlichen Gesundheit. CBD habe jedoch nach derzeitigem wissenschaftlichen Konsens keine schädlichen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. (DToday)

Niederlande: Nationales Präventionsabkommen setzt auf Einheitsverpackungen für Zigaretten und Verkaufsbeschränkungen im Einzelhandel
Im Rahmen des Nationalen Präventionsabkommens mit dem Ziel “Rauchfrei 2040” hat die Niederlande als weiteres europäisches Land nach Belgien, Frankreich, Großbritannien und Norwegen im Oktober Einheitsverpackungen für Zigaretten eingeführt. Nach dem Verkauf von alten Beständen sind Zigarettenschachteln einheitlich braun-grün zu gestalten, mit den bekannten Warnhinweisen und lediglich dem Namen der Marke zu versehen. (Börse Frankfurt)
Zudem stellt die niederländische Regierung neue Pläne für den Verkauf von Tabakprodukten im Einzelhandel vor. Demnach ist es ab 2023 verboten, Tabakwaren online und ab 2024 im Supermarkt zu verkaufen. Ab 2030 folgen nach und nach ähnliche Maßnahmen in Tankstellen und anderen Geschäften. (Veröffentlichung und Pressemitteilung in NL)

Anchorage, Alaska: Dampf- und E-Zigarettenprodukte fallen unter bestehende Tabaksteuer
Die Stadt Anchorage in Alaska wird Dampfprodukte und E-Zigaretten zukünftig wie herkömmliche Tabakprodukte mit 55 Prozent des Großhandelspreises besteuern. Darunter fallen auch die Flüssigkeiten und Patronen, die mit den Geräten verwendet werden. (Alaskapublic)

Publikationen – national
Jahresbericht der Drogenbeauftragten
Im Jahresbericht 2020 stellt die Drogenbeauftrage Daniela Ludwig die aktuellen Trends und Zahlen zu den Themen Tabak, Alkohol, illegale Drogen, Medien- und Glücksspielsucht vor. Laut des Berichts sterben in Deutschland jährlich 127 000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Als Schwerpunkt für das kommenden Jahr stellt Frau Ludwig deshalb ein Maßnahmenpaket mit Fokus auf Tabakentwöhnung in Aussicht. Kritik zum Bericht kommt aus der Opposition (Berliner Zeitung). Es berichten unter anderem SZ und FAZ.

Tabakatlas 2020
Als Auftakt der Tabakkontrollkonferenz stellte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) den Tabakatlas 2020 vor. Darin werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, Daten und Zahlen rund um das Thema Tabakkonsum sowie gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen zusammengefasst. Es berichten der Spiegel und das Aerzteblatt.

Publikationen – international
Neues Cochrane Review zum Nutzen von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung
Die Tobacco Addiction Group der Cochrane Library hat im Oktober 2020 ihr drittes Update der Evidenz über den Nutzen von E-Zigaretten (ECs) bei der Raucherentwöhnung veröffentlicht. Die Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass es eine moderate Evidenz dafür gibt, dass nikotinhaltige E-Zigaretten im Vergleich zu nikotinfreien E-Zigaretten und im Vergleich zu Nikotinersatzprodukten die Rauchstoppraten stärker erhöhen. Es sei unklar, ob nikotinhaltige E-Zigaretten zusätzlich zu Nikotinersatztherapie einen Nutzen haben. Es seien weitere Studien notwendig, um die Wirkung und das Ausmaß des Effekts zu bestimmen. Die Evidenz sei vor allem durch die geringe Anzahl von randomisiert-kontrollierten Studien und die geringen Ausstiegsraten begrenzt. Im Rahmen eines living systematic review wird das Review ab Dezember 2020 kontinuierlich monatlich überprüft und aktualisiert.
(Originalarbeit)

Weitere Erkenntnisse aus der PATH-Studie zu E-Zigaretten und Zigarettenkonsum
Die Population Assessment of Tobacco and Health (PATH) Studie wurde bereits im letzten Newsletter vorgestellt (ABNR-Info 3/2020).
In der im American Journal of Preventive Medicine veröffentlichten Studie „E-Cigarette Use and Transition in Adult Smoking Frequency: A Longitudinal Study“ von Azagba et al. wurde der Datensatz erneut herangezogen um zu untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des E-Zigarettenkonsums und einer Veränderung im Zigarettenrauchen von Erwachsenen besteht. Das Ergebnis: Obwohl der Konsum von E-Zigaretten die Häufigkeit des Zigarettenrauchens unter Dauerraucher*innen verringern kann, gibt es Hinweise darauf, dass er bei ehemaligen Raucher*innen mit einem Rückfall zum Zigarettenrauchen in Verbindung gebracht werden kann. (Orginalarbeit)
Die in Pediatrics veröffentlichte Studie „Smoking Intention and Progression from E-Cigarette Use to Cigarette Smoking“ von Owotomo et al. zeigt eine Verbindung zwischen dem Konsum von E-Zigaretten und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit des Zigarettenkonsums unter Jugendlichen, die zuvor keine Absicht hatten, zu rauchen. Die Autor*innen folgern, dass der Konsum von E-Zigaretten den Einstieg in das Rauchen herkömmlicher Zigaretten in dieser Gruppe begünstigen könnte. (Orginalarbeit)

Studien zu Auswirkung von E-Zigarettenkonsum auf Atemwegserkrankungen
Eine im November bei JAMA Nett Open erschienene Kohortenstudie der Boston University School of Public Health untersucht den Zusammenhang zwischen dem Konsum von E-Zigaretten und dem Auftreten von Atemwegserkrankungen bei Teilnehmer*innen der Population Assessment of Tobacco and Health Study. Laut Autor*innen ist das Risiko, eine Atemwegserkrankung zu entwickeln, unter Nutzenden von E-Zigaretten höher, als bei Menschen, die keine E-Zigaretten konsumieren. Dieser Effekt sei unabhängig vom Konsum anderer Tabakprodukte, wie herkömmliche Zigaretten, zu beobachten. (Originalstudie)
In einer im Oktober 2020 im European Respiratory Journal veröffentlichten Übersichtsarbeit fassen Forschende aus den USA ihre Erkenntnisse über die Konsequenzen von E-Zigarettenkonsum auf Atemwegserkrankungen zusammen. Die Auswertung von epidemiologischen sowie Laborstudien zeigt, dass der Konsum von E-Zigaretten Auswirkungen auf die Erkrankungen Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hat. (Originalstudie

Corona und Rauchen – Zusammenfassung aktueller Erkenntnisse
Auswirkungen von Rauchen und Nikotin auf Covid-19 Erkrankung 
Durch die Wechselwirkung mit einem bestimmten Rezeptor, der auch für die Covid-19 Erkrankung relevant ist, könnten Rauchen und Nikotin zu einem schlechten Krankheitsverlauf führen, so ein Team von Pharmazeut*innen der Texas Tech Universität. (Orginalarbeit)

Zigarettenrauch hemmt Immunzellen

In einem Laborexperiment untersuchte ein Team der University of California, Los Angeles (UCLA) die biomedizinischen Hintergründe der durch Rauchen erschwerten Covid-19 Erkrankung. Die Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass durch Zigarettenrauch die angeborene Immunantwort reduziert und somit die Ausbreitung und der Schweregrad der Krankheit bei Rauchenden negativ beeinflusst wird. (Originalstudie) Scinexx berichtet über die zentralen Ergebnisse.

Covid-19-Sterblichkeit und Rauchen
Die Mortalität einer Covid-19-Erkrankung ist unter aktuellen und ehemaligen Rauchenden höher als bei Nichtrauchenden, so fasst das Team der US-amerikanischen Universität in Arkansas die Auswertung von insgesamt 10 wissenschaftlichen Studien zusammen. Zudem sei die Sterblichkeit unter gegenwärtig Rauchenden um etwa 50 Prozent höher als bei ehemaligen Rauchenden. Dies müsse jedoch aufgrund von Limitationen in weiterführenden Untersuchungen bestätigt werden. (Originalstudie)

Immunreaktion auf Grippevirus durch den Konsum von E-Zigaretten verändert
Nichtraucher, Zigarettenraucher und E-Zigaretten-Benutzer wurden durch ein Team der Universität von North Carolina mit lebenden abgeschwächten Influenzaviren (LAIV) geimpft, um die angeborene Immunantwort auf eine Influenza-Infektion zu untersuchen. Es zeigte sich, dass der Konsum von Zigaretten und noch mehr von E-Zigaretten die Immunantwort auf Grippeviren in der Nasenschleimhaut verändert. Diese Veränderung könnte zu einer reduzierten Abwehr der Viren und einer verminderten Wirksamkeit von Impfstoffen in diesen Gruppen führen, berichtet einer der Autoren im Interview mit Eurekalert. (Orginalarbeit)

Gründe für E-Zigarettenkonsum: geschlechtsspezifische Unterschiede
Frauen nennen als Grund für ihren E-Zigarettenkonsum am häufigsten, dass er „weniger schädlich für andere“ sei, Männer hingegen, dass er „weniger schädlich als Zigaretten“ sei – das zeigt eine Befragung von knapp 4.000 erwachsenen E-Zigarettenkonsument*innen. Die im Rahmen der internationalen Studie zur Eindämmung des Tabakkonsums in vier Ländern über Rauchen und Vaping (ITC 4CV2) erhobenen Daten zeigen zudem, dass Frauen weniger häufig E-Liquids mit Nikotingehalt über 20 mg/ml und Geräte mit einem Fassungsvermögen über 2ml verwenden als Männer. (Orginalstudie)

Weitere News – national
18. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle
Die diesjährige 18. Konferenz für Tabakkontrolle fand aufgrund der Corona-Pandemie am 2. Dezember 2020 als eintägige virtuelle Veranstaltung statt. Die Plenumsveranstaltung am Vormittag fand unter der Überschrift „Aktuelle Herausforderungen in der Tabakprävention / Blick über die Grenzen“ statt. Nachmittags wurden die Themen „Tabakentwöhnung“, „Nurses Role in Tobacco Control“, „Gemeinsame Herausforderung in der Prävention“ und „Aspekte der Prävention“ in vier Symposien behandelt. Die Vorträge werden auf der Homepage des DKFZ eingestellt, sobald sie von den Autoren zur Verfügung gestellt und freigegeben wurden.

Deutsche Krebshilfe: Maßnahmen zur Tabakentwöhnung sollen von Kassen getragen werden
Die Deutsche Krebshilfe (DKH) fordert die volle Kostenübernahme für Tabak- und Nikotinentwöhnung durch gesetzliche Krankenkassen. Besonders in der Corona-Pandemie müsse Rauchen als Sucht angesehen und aufhörwillige Rauchende bei Maßnahmen zur Entwöhnung unterstützt werden, so Vorstand Gerd Nettekoven zur Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Die Deutsche Krebshilfe wendet sich mit diesen Forderungen an Gesundheitsminister Jens Spahn und die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig. (NOZ)

DGP-Stellungnahme: Tabakentwöhnung mit E-Zigarette?
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) spricht sich in einer aktuellen Stellungnahme dagegen aus, E-Zigaretten und Tabakerhitzer zur Tabakentwöhnung zu propagieren. Das Aerosol von E-Zigaretten enthalte toxische Inhaltsstoffe, die nachweislich schädigend auf Lunge, Herz-Kreislauf-System und Immunsystem wirkten und potenziell karzinogen seien. Zudem seien Untersuchungen zu E-Zigaretten als Mittel in der Tabakentwöhnung zu wenig überzeugend, um E-Zigaretten gegenüber langjährig erprobten und etablierten Nikotinersatzpräparaten (NRT) oder anderen Medikamenten, die das Rauchverlangen reduzieren, zu bevorzugen. (DGP)
Zu der Frage, ob sich E-Zigaretten für die Rauchentwöhnung eignen, hat sich auch Professor Wulf Pankow (Vertreter der DGP im ABNR) in einem Interview mit Gesundheitsstadt Berlin geäußert. 

Rauchentwöhnung in Deutschland: Aufruf zum Handeln in Politik und bei Ausbildung von Ärzt*innen
Unter dem Motto „Raucherentwöhnung – eine politische und ärztliche Aufgabe!“ regen Vertreter*innen aus Wissenschaft und Politik einen Dialog zur Rauchentwöhnung an. Unter Anstoß der Thrombose Initiative e.V. fordert die Gruppe sowohl durch das Schaffen geeigneter politischer Rahmenbedingungen als auch der Schulung von Ärzt*innen, die Rauchentwöhnung voranzutreiben. (Ärztezeitung, Presseportal)

Apps zur Rauchentwöhnung
Smartphon-Anwendungen werden vermehrt auch zur Rauchentwöhnung genutzt. Neue Apps und Studien zeigen, wie diese Hilfe im Alltag Rauchende beim Rauchstop unterstützen kann: 
Wissenschaftler des Cancer Research Center in Seattle konnten beispielsweise nachweisen, dass eine Smartphone-Anwendung, die die Akzeptanz von Rauchauslösern empfiehlt, bei der Rauchentwöhnung erfolgreicher abschneidet – im Vergleich zu einer App, die das Vermeiden von Rauchauslösern empfiehlt. Nutzende der App mit Akzeptanz-Ansatz hatten eine 1,49-mal höhere Wahrscheinlichkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, als Nutzende der herkömmlichen App. (Aerzteblatt, Orginalarbeit)
Eine weitere App wurde von einer Gruppen von Psycholog*innen an der Uni Siegen entwickelt. Diese beruht darauf, Rauchen als etwas Negatives zu assoziieren und so die Rauchentwöhnung zu unterstützen. (WDR)

Inhaltstoffe von E-Liquids auf dem deutschen Markt
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und verantwortliche Untersuchungsämter haben als Reaktion auf Todesfälle in den USA auf dem deutschen Markt verfügbare E-Liquids auf riskante Vitamin E-Verbindungen untersucht. Von den 57 untersuchten Liquids enthielt nur ein Produkt sehr geringe Mengen davon. Das BfR geht davon aus, dass keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Aufgrund des gesundheitlichen Risikos empfiehlt das RKI jedoch, auf das Selbermischen von E-Liquids zu verzichten. (Pressemeldung BfR)

Coronapandemie beeinflusst Rauchverhalten negativ
Unter den Versicherten der KKH Kaufmännische Krankenkasse stieg im Laufe der Coronakrise der Missbrauch von Tabak und Alkohol an. Einer aktuellen Umfrage im Auftrag der KKH des Meinungsforschungsinstituts forsa zufolge, gab jede*r neunte regelmäßige Raucher*in und jede*r dritte Gelegenheitsraucher*in an, seit dem Ausbruch der Pandemie häufiger zu rauchen. Gründe hierfür seien neben Stress und Langeweile auch eine Art Bewältigungsmechanismus in Krisenzeiten. (Aerzteblatt, KKH)

Tabakkonzern Reemtsma spendet 300.000 Euro für die Unterbringung von Obdachlosen
Um 60 Obdachlose in Hamburg bis Ende April nächsten Jahres in Hotels unterzubringen, spendet der Tabakkonzern Reemtsma, Tochterunternehmen von Imperial Tobacco, erneut 300.000 Euro. (Welt)
So wichtig eine menschenwürdige Unterbringung von Obdachlosen ist – nicht nur in Corona-Zeiten –, so deutlich ist jedoch der Versuch des Tabakkonzerns, sich durch soziales Engagement ein besseres Image zu verschaffen. 

Weitere News – international
WHO-Kampagne: „Commit to Quit“
Die WHO stellte am 8. Dezember 2020 ihre einjährige Kampagne zum Weltnichtrauchertag 2021 vor, mit der sie 100 Millionen Menschen beim Rauchstopp unterstützen will. Hierzu hat sie die Publikation „More than 100 reasons to quit tobacco“ und eine „Quiz Challenge“ bei WhatsApp aufgelegt. (Pressemitteilung)

Spanisches Manifest zu neuartigen Tabakprodukten
Das "Manifest zu neuartigen Tabakprodukten" wurde von 167 Experten verfasst und warnt vor den Praktiken der Tabakindustrie, Tabakerhitzer und E-Zigarettenprodukte als Alternativen zu herkömmlichem Tabak zu bewerben. Diese neuen Produkte würden von der Industrie aggressiv bei jungen Menschen beworben, um den Rückgang bei Zigarettenverkäufen zu kompensieren. Die Industrie nutze dabei soziale Netzwerke und Massenveranstaltungen für junge Menschen sowie Influencer mit Tausenden von Anhängern, so die Unterzeichner. 
(Spanish Manifesto on Novel Tobacco Products)

Global Tobacco Industry Interference Index 2020: Deutschland schneidet schlecht ab
Expose Tobacco hat den Global Tobacco Industry Interference Index 2020 veröffentlicht. Dieser Index zeigt, wie gut Regierungen öffentliche Gesundheitspolitik vor dem Einfluss der Tabakindustrie schützen. Neben allgemeinen Erkenntnissen – etwa, dass die Tabakunternehmen während der Covid-19 Pandemie sich verstärkt im Bereich der sozialen Verantwortung bemühten (siehe Beiträge in diesem Newsletter) – werden einzelne Länder anhand einer Punkteskala bewertet. Deutschland liegt auf Platz 23 von 34 und damit im hinteren Feld. (Zusammenfassung Bericht, Telegraph)


Kritik: Tabakkonzern PMI finanziert Entwicklung von Covid-19-Impfstoff mit
Die finanzielle Unterstützung der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes der kanadischen Firma Medicago Inc. durch das Tabakunternehmen Philip Morris International (PMI) stößt auf Kritik. Vor allem die Zusammenarbeit mit der kanadischen Regierung lässt die "Alarmglocken der Anti-Tabak-Gemeinschaft" schlagen. In einem Blogbeitrag der medizinischen Fachzeitschrift BMJ wird gefragt: "Rechtfertigt die Bekämpfung einer Pandemie die Förderung einer anderen?"


Aufruf an Google: Bann auf Rauch- und Dampf-Apps
179 Organisationen aus 62 Ländern, darunter Campaign for Tobacco-Free Kids und Smoke Free Partnership, fordern Google auf, im Google Play-Store Anwendungen zu verbieten, die zum Kauf oder Konsum von herkömmlichen oder neuartigen Tabakprodukten anregen. Mit einer solchen Richtline könne Google vor allem Kinder und Jugendliche schützen. Andere Anbieter wie Amazon oder Apple haben vergleichbare Schritte bereits eingeleitet. (TobaccofreeKids)


Altria schreibt Milliarden ab
Das US-amerikanische Tabakunternehmen Altria, ehemalig Philip Morris Companies Inc., schreibt im dritten Quartal 2020 erneut 2,6 Milliarden US-Dollar des E-Zigaretten Herstellers Juul ab. Der Hersteller steht in der Kritik, mit Werbestrategien für Juul gezielt Jugendliche anzusprechen. Wie bereits im letzten Newsletter berichtet, laufen in den USA deshalb mehr als 650 Klagen gegen Juul. (Boerse.Ard, ABNR)


Dokumentation: Wissenschaft als Rechtfertigung – die Strategie der Vaping-Industrie
Retro Report und Scientific America thematisieren in einer kurzen Dokumentation die Neuauflage der Strategie großer Tabakkonzerne aus den 1950ern: Wissenschaft als Legitimation. Laut Scientific America bedienen sich heutzutage die Unternehmen mit Dampf-Produkten eben dieser Methodik.


Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

www.abnr.de

© 2020 ABNR

Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail.

Newsletter abbestellen