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ABNR-Info | 03|2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

die dritte Ausgabe des ABNR-Infos kommt mit etwas Verspätung, hierfür bitten wir um Verständnis.

Nun hat die unendliche Geschichte zum Tabakwerbeverbot endlich ihr (vorläufiges) Ende gefunden: Beschlossen wurde ein gestaffeltes Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte (ab 2022), für Tabakerhitzer (ab 2023) und für E-Zigaretten (ab 2024) sowie ein Verbot der Kinowerbung vor Filmen mit Jugendfreigabe und das Verteilen von Gratisproben. Das ging manchen Experten nicht weit genug – so auch dem ABNR. Die langen Übergangsfristen ermöglichen es der Industrie, Tabkerhitzer und E-Zigaretten noch weitere Jahre zu bewerben und sich künftige Konsument*innen zu sichern. 

Viele weitere aktuelle Nachrichten aus dem Bereich der Tabakprävention erwarten Sie in dieser Ausgabe.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr ABNR-Team

Aus der Politik & Rechtliches – national
Bundestag beschließt erweitertes Tabakwerbeverbot
Das vorläufige Ende einer unendlichen Geschichte: Kurz vor der Sommerpause hat der Bundestag den von Union und SPD eingebrachten Gesetzentwurf zur Verschärfung des Tabakwerbeverbots beschlossen. In einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft Ende Juni 2020 wurde deutlich, dass der Gesetzentwurf einigen Experten nicht weit genug geht. Sie plädierten für ein vollständiges Werbeverbot und kürzere Übergangsfristen. (Bundestag) Hierfür hatte sich auch das ABNR im Vorfeld der Entscheidung ausgesprochen.
Das erweiterte Tabakwerbeverbot sieht ab Januar 2022 ein Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte, ab Januar 2023 für Tabakerhitzer und ab 2024 für E-Zigaretten vor. Das Verbot für Kinowerbung vor Filmen mit Jugendfreigabe und das Verteilen von Gratisproben tritt ab Januar 2021 in Kraft. (Aerzteblatt, Süddeutsche)

Lobbyregister in Deutschland
Nach jahrelangen Diskussionen um die Einführung eines Lobbyregisters legten die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD nach der Sommerpause den Entwurf eines "Lobbyregistergesetzes" vor. Dieser sieht die Registrierungspflicht aller im Bundestag aktiven Interessenvertretungen, einen Verhaltenskodex sowie eine Strafzahlung bei Nichtregistrierung vor. Kritik aus der Opposition und Transparenzorganisationen gab es, da das Lobbyregister vorerst nur für den Bundestag gelten sollte. (Spiegel) Schließlich einigten sich die Koalitionäre darauf, die Regelungen gleichermaßen auch auf die Regierung, also die Bundesministerien und das Kanzleramt, anzuwenden. (SPD-Fraktion)
Doch auch mit der Erweiterung geht das "Lobbyregistergesetz" vielen nicht weit genug. Opposition und Kritiker*innen fordern mehr Transparenz: Beispielsweise sollten Interessenvertreter*innen verpflichtet sein, Kontakte mit Abgeordneten zu dokumentieren, Informationen zu eigenen Finanzen zu geben sowie sich auch bei unregelmäßigen und lokalen Kontakten zu registrieren. (Spiegel)

Besteuerung von Rauch- und Tabakprodukten
In einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird die Bundesregierung aufgefordert, sich im EU-Rat dafür einzusetzen, die EU-Tabaksteuerrichtlinie 2011/64/EU schnellstmöglich zu einer Steuerrichtlinie für Rauch- und Dampfprodukte weiterzuentwickeln. Auf Einladung des Finanzausschusses fand am 7. September eine öffentliche Anhörung zum Thema statt. Die Aufzeichnung der Anhörung sowie die Statements der geladenen Expert*innen, darunter auch Vertreter*innen des ABNR, sind online einzusehen (Bundestag). Ergebnisse der Beratung des Finanzausschusses liegen bisher noch nicht vor.
Das ABNR begrüßt grundsätzlich den vorgelegten Antrag zur Weiterentwicklung der EU-Tabaksteuerrichtlinie, lehnt aber den Vorschlag einer differenzierten Besteuerung von herkömmlichen Tabakprodukten und "neuartigen Produkten" (wie z.B. E-Zigaretten bzw. Liquids sowie Tabakerhitzer bzw. Tabaksticks etc.) ab. (Stellungnahme ABNR) Auch die Deutsche Krebshilfe fordert, die Steuern auf Tabakprodukte und E-Zigaretten deutlich zu erhöhen (Aerzteblatt, Presseportal).

Tabakindustrie soll an Kosten für Müllentsorgung beteiligt werden
Laut einer Studie des Bundesumweltministeriums und des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) belaufen sich die Kosten der Reinigung von öffentlichen Flächen sowie der Müllentsorgung jährlich auf 700 Millionen Euro, für die Entsorgung von Zigarettenkippen allein auf 225 Millionen Euro. Auf Grundlage der EU-Richtlinie für Einwegplastik sollen nun auch die verursachenden Industrien, inklusive der Tabakindustrie, an diesen Kosten beteiligt werden. (Spiegel, Pressemitteilung BMU)

Verpackungszwang von Tabakprodukten bleibt bestehen
Auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis90/Die Grünen unterstreicht die Bundesregierung die bestehenden und „bewährten“ Regelungen zur Verpackung von Tabakprodukten. Die Anfrage hatte besonders Ausgaben von Wasserpfeifentabak in Shisha-Bars thematisiert, der laut Bündnis90/Die Grünen "weder praktikabel noch wirtschaftlich" geregelt ist. (Antwort Bundesregierung)

Niedersachsen fordert mehr Verbraucherschutz im Onlinehandel mit E-Zigaretten
Niedersachsen hat eine Initiative zum Schutz von Verbraucher*innen vor illegal importierten E-Zigaretten in den Bundesrat eingebracht. Diese sieht vor, Produkte im Onlinehandel ebenso wie Produkte im stationären Handel zu kennzeichnen und Betreibende von Online-Marktplätzen zu verpflichten, Eigenkontrollen zur Rechtskonformität angebotener Produkte durchzuführen. Die Entschließung wurde zur weiteren Beratung in die Fachausschüsse (Agrar- und Verbraucherschutz-, Gesundheits- und den Wirtschaftsausschuss) überwiesen. (Bundesrat)

NRW: Rauchverbot für Gaststätten gilt auch in Shisha-Bars
Ein Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm stellt fest: Rauchen von Tabak mittels einer Shisha fällt unter das Rauchverbot in Gaststätten (NiSchG Nordrhein-Westfalen). Ausnahmen gelten nur für geschlossene Gesellschaften. Haben nicht geladene Dritte Zugang, ist das Rauchverbot einzuhalten, zudem sind sichtbare „Rauchen verboten“-Schilder anzubringen.

Aus der Politik & Rechtliches – international
EU-Ratspräsidentschaften nutzen, um Richtlinie über Tabakverbrauchssteuern voranzubringen
Anlässlich der EU-Präsidentschaft zwischen Juli 2020 und Dezember 2021 haben Deutschland, Portugal und Slowenien in ihrem „Trioprogramm“ erklärt, sich für die Überarbeitung der EU-Richtlinie über Tabakverbrauchssteuern einzusetzen. Das Ziel: Herstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen und faire Besteuerung für die Funktionalität des Binnenmarktes. (Programm S. 14)

Niederlande: Tabaksteuer erhöht – Preise steigen um 20%
Das Ziel der Regierung: Mit einem Präventivprogramm die Anzahl der Rauchenden zu reduzieren. Auf dem Weg dahin sind im Jahr 2020 die Preise für Tabak um 20% gestiegen, eine weitere Erhöhung ist für Januar 2021 geplant. (DutchNews)

Spanien: Rauchverbot in der Corona Pandemie
Aufgrund einer Empfehlung der "Kommission für öffentliche Gesundheit" wurde in einigen Regionen Spaniens das Rauchen auch in Außengeländen untersagt. Der Grund: Beim Ausatmen des Rauchs aus der Lunge oder Mundhöhle könnten hochinfektiöse Mikrotröpfchen freigesetzt werden. Kritik gibt es bzgl. der Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahme. Zuletzt wurde das Verbot in Madrid als eine Verletzung des Grundrechts vorerst außer Kraft gesetzt. (Spiegel, Politico)

Kanada: Prince Edward Island verbietet aromatisierte Liquids für E-Zigaretten
In der kanadischen Provinz Prince Edward Island ist ab März 2021 der Verkauf von aromatisierten Liquids für E-Zigaretten verboten. Jugendliche und junge Erwachsene sollen so weniger zum Dampfen und Rauchen verleitet werden. (CBC)

Kalifornien: Verbot aromatisierter Tabakprodukte nun Gesetz
Das Verbot von aromatisierten Liquids, Mentholzigaretten und anderen aromatisierten Tabakprodukten tritt in Kalifornien am 1. Januar 2021 in Kraft. Es verbietet den Verkauf besagter Produkte in Einzelhandelsgeschäften und Verkaufsautomaten im Bundesstaat Kalifornien. So soll der Einstieg ins Rauchen für Jugendliche und junge Erwachsene erschwert werden. Außerdem sollen vulnerable Gruppen, die von Werbemaßnahmen besonders angesprochen werden, geschützt werden. (CDA)


USA: FDA genehmigt die Bezeichnung „Tabakprodukt mit modifiziertem Risiko“ für IQOS
Der Tabakerhitzer IQOS des Unternehmens Philip Morris International (PMI) darf in den USA nun mit Genehmigung der Food and Drug Administration (FDA) als „Tabakprodukt mit modifiziertem Risiko“ verkauft werden. Laut FDA heißt diese Marketingerlaubnis jedoch weder, dass die Produkte sicher, noch von der FDA zugelassen sind. (FDA, Presseportal)
Die WHO weist Mitgliedsstaaten und Unterzeichnende des Rahmenübereinkommens zur Eindämmung von Tabakkonsum (FCTC) deshalb erneut auf die strikte Umsetzung des Abkommens hin: "...alle Formen der Tabakwerbung, der Verkaufsförderung und des Sponsorings [sind] zu verbieten, die ein Tabakerzeugnis mit Mitteln bewerben, die falsch, irreführend oder täuschend sind oder die geeignet sind, einen falschen Eindruck über seine Eigenschaften, gesundheitlichen Auswirkungen, Gefahren oder Emissionen zu erwecken". Die USA ist keine Vertragspartei des FCTC. (WHO, Guardian)

Australien: Zweite Erhöhung der Tabaksteuer in 2020
Ab September wurde in Australien zum zweiten Mal im Jahr 2020 die Tabaksteuer um 12,5% erhöht. Eine Packung Zigaretten kostet somit 35 Dollar, umgerechnet 21 Euro – damit sind australische Zigaretten die teuersten der Welt. Australiens Einnahmen durch die Tabaksteuer werden auf 17 Milliarden Dollar geschätzt. (2GB)

Singapur: Standardisierte Verpackungen seit Juli
Seit 1. Juli 2020 ist die Regelung zu "Plain Packaging" in Singapur in Kraft. Damit reiht sich der Inselstaat in die Liste der Länder ein, die Einheitsverpackungen für Tabakprodukte gesetzlich vorschreiben (Vaping Post). In anderen Staaten, beispielsweise Südafrika, hält die Diskussion über die Einführung einer vergleichbaren Regelung an. (Daily Maverick)

Südafrika: Tabakbann als Maßnahme der Pandemiebekämpfung
Von Ende März bis Mitte August standen die Bürger*innen Südafrikas aufgrund der Corona bedingten Beschränkungen des öffentlichen Lebens unter einem Tabakbann. Die zuständige Ministerin begründet das Vorgehen damit, dass Rauchende durch ihr erhöhtes Risiko einer schweren Covid-19 Erkrankung das Gesundheitssystem zusätzlich belasten würden. (Aerztezeitung)

Publikationen – national
BZgA: Drogenaffinität von Jugendlichen
Die BZgA hat im Juli 2020 einen Ergebnisbericht zur Drogenaffinitätsstudie 2019 vorgelegt, in der die Affinität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu legalen und illagalen Drogen untersucht wird. (Kompletter Bericht, idw) Das Ärzteblatt berichtet über zentrale Ergebnisse und Reaktionen (Aerzteblatt

Auswirkungen des Konsums von Zigaretten, E-Zigaretten und Wasserpfeife
Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Mainz hat die aktuelle Forschungslage zu Auswirkungen des Konsums von Zigaretten, E-Zigaretten und Wasserpfeifen mit Fokus auf das Herz-Kreislaufsystem zusammengefasst. (Originalarbeit
Die Ergebnisse der Studie fasst ein Beitrag der Welt zusammen. 

Früherkennung Lungenkrebs: Rauchende können von Low-Dose-CT-Screening profitieren
Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Studien ausgewertet, um zu prüfen, ob ehemaligen und aktuell stark Rauchenden ein Lungenkrebsscreening durch Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT) im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung angeboten werden sollte. In der Pressemitteilung (idw) und im Ärzteblatt (Aerzteblatt) werden die zentralen Ergebnisse vorgestellt.

Methoden zur Rauchentwöhnung im Überblick
Die Cochrane Library fasst in einer Sonderkollektion zu Covid-19 Methoden zur Rauchentwöhnung zusammen. Mit Verweisen auf wissenschaftlich fundierte Aussagen sollen Rauchende, die anlässlich der Corona-Pandemie mit dem Gedanken spielen aufzuhören, über die verschiedenen Wege zum Rauchstopp informiert werden. Die Zusammenfassung ist in zehn Sprachen, darunter Deutsch, einzusehen und wird kontinuierlich aktualisiert. (Cochrane Library)

Publikationen – international
Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Corona, Rauchen, Dampfen und EVALI
Mehrere Studien haben sich in den letzten Monaten mit den Zusammenhängen zwischen Covid-19 und den Risikofaktoren Rauchen und E-Zigarettenkonsum auseinandergesetzt. 
Im Juli 2020 fasste die WHO in einem Scientific Brief 34 bis dato veröffentlichte Arbeiten zusammen. Das Ergebnis: Rauchen ist bei COVID-19-Patient*innen mit einer erhöhten Schwere der Erkrankung und erhöhter Sterberate verbunden. Diese Aussage ist bezogen auf Personen, die in Krankenhäusern behandelt wurden.
Die neuesten Arbeiten beziehen sich vor allem auf junge Erwachsene.
Eine Arbeitsgruppe der Stanford-Universität fand beispielsweise einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung von E-Zigaretten und einer COVID-19-Diagnose. Auch dualer Konsum war signifikant mit einer COVID-19-Diagnose assoziiert, der alleinige Konsum von Tabakzigaretten allerdings nicht. (Originalarbeit) Auf diese Studie bezieht sich auch ein Editorial der Fachzeitschrift „The Lancet“, in dem dazu aufgerufen wird, sich bei Raucherentwöhnungsdiensten auf traditionelle Hilfen zur Raucherentwöhnung zu konzentrieren. 
Ebenfalls auf junge Erwachsene bezieht sich eine Studie eines Teams der Universität von Kalifornien in San Francisco: Auf Grundlage von bisherigen Erkenntnissen über alle Risikofaktoren für Covid-19 schätzten die Wissenschaftler*innen das Ausmaß der Anfälligkeit für junge Erwachsene, an COVID-19 zu erkranken. Das Ergebnis: Rauchen hatte den größten Einfluss und könnte ein Schlüsselfaktor sein, der die Anfälligkeit junger Erwachsener für Covid-19 begünstigt.(Originalarbeit)

EAPC: E-Zigaretten als kardiovaskulärer Risikofaktor
Infolge eines Positionspapiers der Europäische Vereinigung für präventive Kardiologie (EAPC) weist auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) auf das Risiko von E-Zigaretten auf die Herzgesundheit hin. Nach Zusammenfassung der aktuellen Literatur liegt laut EAPC genügend Evidenz vor, dass der Konsum von E-Zigaretten Blutdruck und Herzfrequenz erhöht, Arterienwände versteift und die Funktion von Blutgefäßen hemmt. Aufgrund der Neuartigkeit von E-Zigaretten seien langfristige gesundheitliche Risiken noch unbekannt, nicht nur für die Herzgesundheit. Deshalb sprechen sich ESC und EAPC für einen vorsichtigen Umgang mit diesen Produkten und das Aktivwerden von Regierungen und Regulierungsbehörden aus. (Pressemitteilung ESC)

Ergebnisse der PATH-Studie: Eignen sich E-Zigaretten als Mittel zur Tabakentwöhnung?
Neue Erkenntnisse zur Eignung von E-Zigaretten als Mittel zur Tabakentwöhnung stammen aus drei Auswertungen der Daten der Population Assessment of Tobacco and Health (PATH) Studie (UCSD News). Die Längsschnittstudie wurde in den USA vom National Institute on Drug Abuse (NIDA) und dem FDA Center for Tobacco Products durchgeführt und befragte eine landesweite repräsentative Stichprobe von knapp 46.000 Erwachsenen und Jugendlichen über mehrere Jahre hinweg.
In der ersten Studie wurde die Erfolgsquote von Tabakentwöhnung mit und ohne E-Zigaretten verglichen. Das Ergebnis: Unter Nutzer*innen der E-Zigarette war die Erfolgsquote ähnlich hoch wie unter denjenigen, die keine E-Zigarette verwendet hatten. Allerdings nutzten etwa zwei Drittel derjenigen, die beim Rauchstopp E-Zigaretten verwendeten, weiterhin E-Zigaretten. Die Autor*innen schlussfolgern, dass E-Zigaretten möglicherweise zu einer anhaltenden Nikotinabhängigkeit beitragen können. (Originalstudie)
Die zweite Studie auf Grundlage der PATH-Daten untersuchte die Methodik der Tabakentwöhnung detaillierter. Die Wissenschaftler*innen unterschieden zwischen E-Zigaretten, Pharmakotherapie (einschließlich Nikotinersatztherapie) und keinem Produkt. Für jeden der drei Ansätze ergab sich ein ähnliches Bild: Die Abstinenzquote nach ein bis zwei Jahren nach der Tabakentwöhnung war in allen Gruppen ca. 10%. (Originalarbeit)
Die dritte Studie auf Basis der PATH-Daten fand hingegen, dass in der Stichprobe der Rauchenden die Nutzer*innen von E-Zigaretten sowohl kurz- als auch langfristig höhere Abstinenzquoten aufwiesen als diejenigen, die keine E-Zigaretten nutzten und dass regelmäßigere Nutzung mit höherer Abstinenz assoziiert war. (Originalarbeit)

Studie zeigt: Werbestrategien für E-Zigaretten sprechen gezielt Faktoren an, die für Jugendliche relevant sind
In einer inhaltsanalytischen Studie hat ein Team der University of British Columbia Okanagan in Kanada herausgefunden, dass die kanadische TV-Werbung für E-Zigaretten genau solche Faktoren anspricht, die mit dem Konsum dieser Produkte durch Jugendliche zusammenhängen. Die Autor*innen schlussfolgern, dass für die Entwicklung von Strategien zur Eindämmung solcher den E-Zigarettenkonsum fördernden Botschaften das Verständnis über die Werbestrategien der E-Zigarettenfirmen entscheidend ist. (Pressetext, Originalarbeit)

Gesundheitsrisiken für Rauchende steigen mit jeder Zigarette
Ein Team des Krebsforschungsinstituts der Universität von Südaustralien hat untersucht, wie stark das Risiko für unterschiedliche Erkrankungen von der Rauchintensität abhängig ist. Das Ergebnis: Jede pro Tag gerauchte Zigarette erhöhte die Wahrscheinlichkeit von Atemwegserkrankungen um 5% bis 33% und von Kreislauferkrankungen um 5% bis 23%. Die Autoren weisen darauf hin, dass in Präventionsbotschaften die Bedeutung der Rauchintensität sowie die gesundheitlichen Vorteile einer Reduktion oder idealerweise eines Rauchstopps noch deutlicher hervorgehoben werden sollten. (Originalarbeit, Aponet)

Steigende Evidenz für einen kausalen Zusammenhang zwischen Hirnblutung und Rauchen
Hirnblutungen werden nachweislich durch Umweltfaktoren wie Übergewicht und erhöhten Blutdruck begünstigt. Die Rolle von anderen Faktoren, wie Tabakrauch, untersuchte ein Team aus Finnland und wertete dafür die Daten von 16.000 Zwillingspaaren aus. Insgesamt zeigte sich, dass Rauchen mit einem erhöhten Risiko assoziiert war, an einer Hirnblutung zu sterben. (Originalarbeit)

Risiko für Demenz: Rauchstopp auch in hohem Alter effektiv
Die Lancet Kommission hat erneut die wissenschaftliche Datenlage zu potenziell veränderbaren Risikofaktoren für Demenz ausgewertet. Laut dem aktualisierten 12-Risikofaktoren-Modell der Demenzprävention könnten rund 40% der weltweiten Demenzen theoretisch verhindert oder verzögert werden. Nach wie vor gilt ein Rauchstopp als effektive Maßnahme, um das persönliche Demenzrisiko zu senken. (Originalarbeit) Ein Artikel im Merkur fasst die Ergebnisse zusammen. 

Rauchstopp & Gewichtszunahme bei Personen mit Typ-2-Diabetes – Nutzen des Rauchstopps bleibt erhalten
Ein Team der Harvard Medical School hat herausgefunden, dass bei Personen mit Typ-2-Diabetes durch eine Tabakentwöhnung das Risiko für das Auftreten einer Herz-Kreislauferkrankung verringert wird, selbst wenn sie im Anschluss an Gewicht zunehmen. Ein gesundheitlicher Nutzen des Rauchstopps für alle Personen mit Typ-2-Diabetes sei nachweisbar und könne durch eine effektive Gewichtskontrolle noch erhöht werden, so die Schlussfolgerung der Autoren. (Medical Tribune, Originalarbeit)

Rauchen: Risikofaktor für Magenkrebs
Die Deutsche Krebsgesellschaft weist auf eine Studie von Forschenden der Universität Peking hin, die unter anderem den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Magenkrebs untersucht und nochmals die Bedeutung des Rauchens als Risikofaktor für Magenkrebs unterstreicht. (Krebsgesellschaft, Originalarbeit)

Weitere News – national
18. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle
Am Mittwoch, den 2. Dezember 2020, findet die diesjährige Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle statt. Ziel der Konferenz ist die Stärkung bestehender Projekte und Initiativen zur Verminderung des Rauchens und für eine wirksame Tabakprävention. Die Konferenz dient auch der Fortbildung von Ärzten, Psychologen und anderen Gesundheitsberufen in der Tabakentwöhnung.
Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Konferenz in diesem Jahr als eintägige virtuelle Veranstaltung durchgeführt. Neben Vorträgen ist auch eine Posterausstellung geplant. Sie sind herzlich eingeladen, ein Poster einzureichen. Bitte senden Sie Ihr Abstract bis zum 15. November 2020 an who-cc@dkfz.de. Sie können sich ab sofort zur Konferenz anmelden. Dort finden Sie das Programm sowie weitere Informationen: https://indico.dkfz.de/event/249/

Nationales Gesundheitsportal ist online
Das bereits 2017 angekündigte Nationale Gesundheitsportal ist nun unter gesund.bund.de aufrufbar. Es soll als zentrale Anlaufstelle für Online-Informationen zu häufigen Krankheitsbildern dienen. Besonders im Hinblick auf Falschinformationen und Verschwörungstheorien sei die Website wichtig: In Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Forschungszentren, dem IQWiG sowie dem RKI werden unabhängige und evidenzbasierte Informationen zur Verfügung gestellt. (Aerzteblatt)
Kritisiert wird, dass das Medium zu spät komme und nun in großer Konkurrenz zu bestehenden Angeboten stehe. Außerdem werden Zweifel an der politischen Unabhängigkeit des Portals geäußert. (Deutschlandfunk)

Mitteilungen des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit e.V.
Die Aktuelle Ausgabe Mitteilungen 58 - 2020 des ÄARG ist online. Die Ausgabe befasst sich schwerpunktmäßig mit den Risiken von E-Zigaretten. Darüber hinaus enthält sie eine Vielzahl von Berichten und Meldungen zu verschiedenen Themen der Tabakprävention

Jugendschutzkontrollen zeigen Handlungsbedarf
Bei Jugendschutzkontrollen im rheinland-pfälzischen Hachenburg und Bad Marienberg konnten Jugendliche an sieben von zehn Stellen für Minderjährige verbotene Alkohol- und Tabakprodukte erwerben. Trotz Ankündigung erneuter Kontrollen wurden den Jugendlichen in einem zweiten Durchlauf an drei der bereits auffällig gewordenen Stellen Alkohol- und Tabakprodukte ausgehändigt. Es folgten Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeit. (Kurier)

„Be Smart – Don’t Start“ – Hauptpreis geht nach Regensburg
Seit über 20 Jahren zeichnet der jährlich abgehaltene Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“ Schulklassen aus, die sich aktiv gegen das Rauchen entscheiden. Dieses Jahr ging der 1. Preis nach Regensburg. „Besonders erfreulich ist, dass mittlerweile jede dritte Klasse zum wiederholten Mal teilnimmt“ betont Prof. Dr. Hanewinkel. „Dadurch wird die Nachhaltigkeit erhöht.“ Der Wettbewerb wird von der BZGA, der Stiftung Deutsche Krebshilfe, dem AOK-Bundesverband sowie weiteren öffentlichen und privaten Institutionen gefördert und vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel koordiniert. (LifePR, Abschlussbericht, besmart)

Rauchen und die Umwelt
Das Bewusstsein für die ökologischen Folgen des Rauchens nimmt zu: Neben vielen Sammelaktionen spezifisch für Zigarettenstummel wie in Mainz, Duisburg, Bremen oder Düsseldorf, werden auch Aschenbecher an Stränden wie Bassenfleth aufgestellt, um die Verschmutzung durch Kippen zu reduzieren. Durch unsachgemäß entsorgte Zigaretten wird die Umwelt durch Mikroplastik belastet und es gelangen Schadstoffe ins Grundwasser.

Profit durch Mehrwertsteuersenkung: Ausgerechnet die Tabakindustrie gewinnt
Im Rahmen des Konjunkturpaketes wurde in Deutschland im zweiten Halbjahr 2020 die Mehrwertsteuer gesenkt. Laut Börse am Sonntag profitieren nicht gefährdete Branchen und Akteure besonders von dieser Notfallmaßnahme - unter anderem die Tabakindustrie. Insgesamt könnte sich dieser zusätzliche Gewinn auf 7 Milliarden Euro summieren, so schätzen Experten.

Mehr E-Zigaretten in Filmen und Serien
Filme und Serien sind ein „Spiegel der Gesellschaft“, so Kino&Co. Wenig verwunderlich, dass im letzten Jahrzehnt E-Zigaretten vermehrt auf Bildschirmen zu sehen sind. Dabei handelt es sich meist um alltägliche Szenen, kritische Auseinandersetzungen mit gesundheitlichen Folgen gibt es kaum. Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz des Dampfens wird ein diskutiertes Verbot von Zigaretten in Filmen als Grund für die vermehrte Verwendung der E-Zigarette in Filmen und Serien genannt.

Online Beratung zu Tabak- und Alkoholsucht – neue Plattform aus Tübingen
Nach einer Untersuchung zur Wirksamkeit und Annahme eines Online-Angebots zu Tabak- und Alkoholsucht, stellt ein Team von Wissenschaftlern der Uni Tübingen nun der Öffentlichkeit eine Beratungsplattform zur Verfügung. „KonsumKontrolle“ begleitet interessierte Personen über Wochen hinweg und unterstützt sie mittels Informationen und Übungen, den eigenen Tabak- oder Alkoholkonsum zu beobachten, zu überdenken und gegebenenfalls zu reduzieren. (Aerzteblatt)

Regensburg: Kinder gegen Zigarettenqualm an Bushaltestellen
Mit rauchenden Menschen auf einen Bus zu warten ist für Kinder unerträglich. Dieser Meinung sind jedenfalls die Mitglieder des Kindergremiums der Stadt Regensburg. Die Neun- bis Zwölfjährigen zeigen in einer selbst entwickelten Kampagne ihren Unmut über rücksichtslose Raucher*innen. Durch die Plakate an Bushaltestellen sollen diese zum Umdenken aufgefordert werden. (Mittelbayerische)

Weitere News – international
Positionspapier der TSANZ: E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung ungeeignet
Die Thoracic Society von Australien und Neuseeland (TSANZ) spricht sich gegen den Nutzen von E-Zigaretten als Mittel zur Tabakentwöhnung aus. Als Grundlage für diese Empfehlung führt die TSANZ eine weitreichende Analyse der bisher vorliegenden Literatur an. Aus dieser gehe hervor, dass E-Zigaretten gesundheitsschädlich für die Lunge und Auswirkungen der Langzeitanwendung bisher unbekannt seien. Sie seien deshalb weder als Verbrauchsprodukte, noch um das Rauchen teilweise zu ersetzen oder als langfristiger Ersatz für das Rauchen geeignet. Laut TSANZ sollte bei der Tabakentwöhnung auf zugelassene Medikamente zurückgegriffen werden. Ausschließlich befähigte Aufsichtsbehörden sollten über die Eignung von E-Zigaretten zu diesem Zweck entscheiden. (TSANZ)


World Bank: Corona Pandemie ist der beste Zeitpunkt für eine Tabaksteuererhöhung
Seit Beginn der Corona Pandemie stehen Regierungen vor dem Problem, sowohl eine Gesundheits- als auch eine Wirtschaftskrise bekämpfen zu müssen. Laut World Bank und ExposeTobacco würde die Erhöhung der Steuer auf Tabakprodukte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: wirksame Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung sowie höhere Steuereinnahmen. Es gäbe dementsprechend keinen besseren Zeitpunkt für eine Erhöhung der Tabaksteuer, als jetzt.


TobaccoTactics klärt auf: Verbindungen zwischen CHRE und Tabakindustrie
Die Universität Bath berichtet auf ihrer Website Tobacco Tactics über die finanziellen Verbindungen zwischen dem Zentrum für Gesundheitsforschung und Bildung (CHRE), UK und der Foundation for a Smoke Free World (FSFW). (TobaccoTactics)


Neue Menthol-Produkte auf dem Markt: Hanf-Zigaretten und Zigarillos
Das seit Mai 2020 geltende Verbot von Menthol-Zigaretten in der EU wird mit vielfältigen neuen Produkten umgangen. Die neuesten Produkte kommen von Taat Beyond Tobacco und Imperial Tobacco: Die sogenannten Taat Beyond TobaccoTM-Zigaretten (Taat Lifestyle & Wellness Ltd) sind auf Hanfbasis hergestellt und enthalten weder Nikotin noch Tabak. Sie werden somit von Tabakregulierungen nicht erfasst. (Finanztrends)
Imperial Tobacco setzt auf Zigarillos mit Metholgeschmack. Ein neues Produkt der JPS-Players Serie enthält einen Menthol Crushball im Filter und kann durch individuelles Aufbrechen des Crushballs sowohl mit als auch ohne Geschmack konsumiert werden. (TalkingRetail)


Großbritannien: Kommunen für ein Rauchverbot vor Cafés und Pubs
Die Local Government Association (LGA), Vertreter der Stadträte in Großbritannien, möchte ein Rauchverbot im Außenbereich zur Bedingung für den Service im Freien machen. Ziel ist es laut LGA, vor allem enge Innenstädte familienfreundlicher zu machen und den Hauptstraßen zu helfen, sich von Corona bedingten Schließungen zu erholen. Das verantwortliche Ministerium spricht sich allerdings gegen ein solches Verbot aus. (Guardian, BBC)


Simon Chapman: Warum nikotinhaltige Liquids auf Rezept eine gute Idee sind
In Australien sind ab 1.7.2020 die persönliche Einfuhr von verdampfbarem Nikotin verboten und nikotinhaltige Liquids für E-Zigaretten nur noch mit ärztlicher Verschreibung erhältlich. Simon Chapman, Wissenschaftler und Aktivist für Tabakkontrolle, erläutert auf seinem Blog, weshalb er diese Maßnahmen für eine gutes Beispiel vernünftiger Gesundheitspolitik hält. (Blogbeitrag)


Umwelt geht vor: Zigarettenverbot an den Stränden von Teneriffas Hauptstadt
Die Strände von Santa Cruz werden aus Umweltschutzgründen ab 2021 rauchfrei, darauf hat sich die Stadtverwaltung geeinigt. Ein genauer Plan für die Umsetzung dieses Vorhabens wird im Herbst erstellt. (RND)


Formel 1 und Tabakwerbung – Sucht auf Rädern
Auf exposetobacco.org wurde in Zusammenarbeit der Organisationen Formula Money, Vital Strategies und STOP-Partnern (Stopping Tobacco Organizations and Products) ein Bericht zu Tabakwerbung in der Formel 1 veröffentlicht. Laut Autor*innen machen vor allem die Reichweite und Zielgruppe des Sports die Formel 1 für die Tabakindustrie "zu einem gefundenen Fressen". Trotz der Behauptungen, dass die FIA die Ziele des FCTC unterstützt, fließen nach wie vor große Summen Sponsorings an die Teams der Formel 1. (ExposeTobacco)


JUUL im Visier: Die Klagen gegen den E-Zigaretten-Hersteller häufen sich
Im letzten Jahr hat sich die Zahl der eingereichten Klagen gegen den Hersteller der gleichnamigen E-Zigarette JUUL in den USA gehäuft. Mehr als 650 Fälle sind es bisher zusätzlich zu den knapp 160 Klagen, die dem Obersten Gericht in LA vorliegen. JUUL wird beschuldigt, durch seine Werbepraktiken irreführende Informationen verbreitet zu haben und so am Anstieg der Zahl jugendlicher Dampfer verantwortlich zu sein. Das FBI leitet eine Untersuchung zu den Werbepraktiken von JUUL ein. Die Untersuchungen gehen auch den Vorwürfen nach, JUUL habe Gesundheitsexpert*innen bezahlt, um Dampfen aus wissenschaftlicher Sicht zu legitimieren. (The National Law Review, Legal Examiner, ABC7)

Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

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