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ABNR-Info | 02|2021

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 31. Mai war Weltnichtrauchertag, mit dem thematischen Schwerpunkt "Tabakentwöhnung". So zieht sich das Thema auch durch diese Ausgabe des ABNR-Infos: Von den Aktivitäten rund um den Weltnichtrauchertag in Deutschland unter dem Motto "Qualmst Du noch? Ich hör auf!", über die Bundesinitiative "rauchfrei leben" der Drogenbeauftragten, bei der auch das ABNR Partner ist, bis hin zum Beschluss des deutschen Bundestages, Versicherten mit einer schweren Tabakabhängigkeit einen Anspruch auf Erstattung von Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung zu gewähren. 

Als weiterer wichtiger Meilenstein wurde am 10. Juni das Tabaksteuermodernisierungsgesetz verabschiedet. Wenn auch Tabaksteuererhöhungen durch das ABNR im Grundsatz sehr begrüßt werden, so wurde hier die Chance einer konsequenten und effektiven gesundheitspolitischen Lenkungswirkung vertan. Mehr Informationen hierzu sowie zu vielfältigen weiteren Themen finden Sie in der vorliegenden Ausgabe. 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr ABNR-Team

Aus dem ABNR
Weltnichtrauchertag 2021 - Qualmst du noch? Ich hör' auf!

Mit dem Motto „Qualmst du noch? Ich hör' auf!“ wollen die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das ABNR zum diesjährigen Weltnichtrauchertag und darüber hinaus zum Rauchstopp motivieren. Zudem fordern sie die Bundesregierung auf, nachweislich wirksame Entwöhnungsprogramme und -hilfen auszuweiten. Das Ziel ist ein tabakfreies Deutschland bis 2040. Anlässlich des Weltnichtrauchertages verliehen die Deutsche Krebshilfe und das ABNR außerdem das Rauchfrei Siegel an die Arte Dokumentation „NIKOTIN. DROGE MIT ZUKUNFT“. (Homepage zum WeltnichtrauchertagPressemitteilung IPressemitteilung IIPressemitteilung III)
Im Rahmen des Weltnichtrauchertages machten auch weitere Organisationen und Einrichtungen auf den Rauchstopp aufmerksam: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist auf die qualitätsgesicherten Entwöhnungsangebote der BZgA hin und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) betont erneut, dass E-Zigaretten als Mittel der Rauchentwöhnung ungeeignet sind.


Deutsches Netz rauchfreier Krankenhäuser erhält World No Tobacco Day Award
Das Deutsche Netz rauchfreier Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (DNRfK) ist in diesem Jahr mit dem World No Tobacco Day Award der Weltgesundheitsorganisation ausgezeichnet worden. Das DNRfK ist ein Zusammenschluss von Kliniken und Experten, die sich dafür einsetzen, dass Beratung und Motivation zum Rauchstopp durch Gesundheitseinrichtungen selbstverständlich werden. (WHOPM des DNRfK)

Aus der Politik & Rechtliches – national
Gesetz zur Modernisierung des Tabaksteuerrechts

Der Bundestag hat am 10. Juni 2021 der Reform der Tabaksteuer zugestimmt. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung (19/28655, 19/29589) wurde mit der Mehrheit von CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der AfD, FDP und der Linken bei Enthaltung von Bündnis 90/Die Grünen angenommen. Der Finanzausschuss hatte am 9. Juni einer Beschlussempfehlung (19/30490) zugestimmt, die eine Reihe von Änderungen zum ursprünglichen Gesetzentwurf vorsieht. Am 25. Juni stimmte schließlich auch der Bundsrat dem Gesetz zu.
Das nun beschlossene Tabaksteuermodernisierungsgesetzes sieht folgende Änderungen vor: Beginnend ab 2022 steigt die Steuer auf Zigaretten und Feinschnitt in vier Stufen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Je Zigarette steigt die Steuer von bisher 11,1 Cent auf 12,28 Cent.
Die bestehende Mindeststeuer für Zigarren und Zigarillos wird ab 2022 in zwei Schritten um jeweils 0,9 Cent je Stück erhöht. Weiterhin werden nikotinhaltige und nikotinfreie Substanzen zur Verwendung in E-Zigaretten künftig der Tabaksteuer (bisher der Umsatzsteuer) unterworfen. Die Besteuerung bezieht sich dabei nicht wie ursprünglich vorgesehen auf Nikotin, sondern auf die Substanz. Für erhitzten Tabak wird eine zusätzliche Steuer eingeführt, sodass er in Zukunft wie Zigaretten besteuert wird. Außerdem wurde eine zusätzliche Steuer für Wasserpfeifentabak eingeführt.
Expert:innen gehen diese Schritte nicht weit genug. Das ABNR hatte an der Öffentlichen Anhörung des Finanzauschusses am 17.05.2021 teilgenommen und hierzu eine Stellungnahme abgegeben. Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum bewertet in seiner Stellungnahme die vorgesehenen Steuererhöhungen für zu gering und ineffektiv. Alle Informationen zum Gesetzgebungsverfahren finden Sie hier. Das nun endgültig beschlossene Tabaksteuermodernisierungsgesetz bewertet PD Dr. Tobias Effertz in einer Kurzstellungnahme
Die Reaktion der betroffenen Industrie: Die E-Zigarettenbranche will das Gesetz vor Gericht anfechten. (Ärzteblatt)


Tabakfreie Nikotinbeutel
Sogenannte Nikotinpouches, auch Nikotinbeutel genannt, ermöglichen die orale Aufnahme von Nikotin. Andes als Kautabak sind die Beutel tabakfrei. In Deutschland haben bereits mehrere Städte und Kommunen, darunter Duisburg und Lüneburg, den Verkauf von Nikotinbeuteln untersagt. Die Grundlage: Die unter das Lebensmittelrecht fallenden Beutel enthalten nachweislich gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe und sind aufgrund fehlender Zulassung nach EU-Recht nicht verkehrsfähig. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg verwies zur Begründung der Gesundheitsschädlichkeit der Nikotin-Pouches auf eine toxikologische Risikobewertung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittel von April 2020. Diese ergab, dass bei der oralen Aufnahme eines Nikotinbeutels der Grenzwert um den Faktor 36 bis 175 überschritten wird.

Tabakentwöhnung als GKV-Leistung
Am 11. Juni 2021 hat der Deutsche Bundestag das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) verabschiedet. Eine der neuen Regelungen des Gesetzes sieht vor, dass "... Versicherte, bei denen eine schwere Tabakabhängigkeit festgestellt wurde, Anspruch auf eine einmalige Versorgung mit Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung im Rahmen von evidenzbasierten Programmen zur Tabakentwöhnung" haben. Kritisch zu bewerten ist, dass eine erneute Versorgung frühestens drei Jahre nach Abschluss der Behandlung möglich ist. Da mit dem Gesetz der Gemeinsame Bundesausschuss beauftragt wird, in einer Richtlinie festzulegen, „welche Arzneimittel und unter welchen Voraussetzungen Arzneimittel zur Tabakentwöhnung im Rahmen von evidenzbasierten Programmen zur Tabakentwöhnung verordnet werden können“, bleibt abzuwarten, unter welchen Rahmenbedingungen zukünftig eine Verordnung von Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung möglich sein wird. Es berichten FAZ und SZ.

Rauchfrei Leben: Bundesinitiative soll beim Rauchstopp unterstützen
Zum Start der neuen bundesweiten Initiative „Rauchfrei leben“ startet auch die begleitende Kommunikationskampagne „Deine Chance“. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mitteilt, sind auf der Website "Deine Chance" Informationen und Angebote zum Rauchstopp zusammengefasst. Ziel ist es, Rauchende zu motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören, um sich selbst und ihre Mitmenschen zu schützen. Gemeinsam mit anderen Akteuren wie der Bundesärztekammer (BÄK), der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) unterstützt auch das ABNR in strategischer Partnerschaft die Kampagne.
Es berichten Aerzteblatt und Ärztezeitung.

Koalitionsprogramm Ba-Wü: Prävention und Aufklärung als Mittelpunkt der Drogen- und Suchtpolitik
Durch frühzeitige Ansätze will die neue Koalition in Baden-Württemberg Abhängigkeit und riskante Konsumformen unter anderem von Tabak verhindern. Zudem sollen Nichtrauchende stärker geschützt werden, beispielsweise sollen Ausnahmeregelungen für Rauchverbote in gastronomischen Betrieben überprüft werden. Der komplette Koalitionsvertrag ist hier einzusehen.

Aus der Politik & Rechtliches – international
Bericht zu EU-Tabakproduktrichtlinie
Der erste Bericht zu der seit 2016 gültigen EU-Tabakproduktrichtlinie liegt vor. Zwar sei der Konsum von Tabakprodukten in der EU zurückgegangen, weitere Bemühungen zur Umsetzung der vereinbarten Regelungen – besonders für neuartige Tabakprodukte – seien aber weiterhin notwendig. Kritiker:innen begrüßen den Bericht grundsätzlich, rufen jedoch zu schneller und effizienter Überprüfung der Umsetzung auf, um den Rückgang des Tabakkonsums auch in Zukunft zu gewährleisten. (Pressemitteilung, SFP)

E-Zigaretten: Bericht der Europäischen Kommission und SCHEER Report
Im Bericht der Europäischen Kommission zur EU-Tabakproduktrichtlinie wird auch die Frage behandelt, ob E-Zigaretten als Mittel der Rauchentwöhnung geeignet sind. Auf Grundlage des aktuellen SCHEER-Reports zum Thema berichtet die Kommission, dass der Konsum von E-Zigaretten eine wichtige Rolle beim Einstieg in das Rauchen spielt und somit der bisher verfolgte vorsichtige und vorsorgliche Ansatz gerechtfertigt sei. (SCHEER Report, EUractive)

Dänemark: Tabakwaren dürfen nicht mehr sichtbar sein
Als Teil des dänischen Aktionsplans gegen das Rauchen dürfen seit dem 1. April Tabakprodukte in Geschäften nicht mehr sichtbar sein. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen so vom Rauchbeginn abgehalten werden. Große Einzelhandelsketten hatten diesen Schritt schon vorgezogen, es folgen nun Kioske und Onlinehandel. (Nordschleswiger)

Schweiz: Tabakwerbung nach Entscheid von Ständerat wieder erlaubt
Der Ständerat nimmt einen Entschluss aus dem letzten Jahr zurück: Tabakwerbung in Zeitungen, Zeitschriften und im Internet sollen erlaubt bleiben. Besonders aus Gründen des Jugendschutzes wird Kritik laut. Laut der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention war der Druck der Tabaklobby für die Entscheidung ausschlaggebend. (SRF, Pressemitteilung)

Ungarn: Nach EuGH-Urteil Tabaksteuer auf historischem Hoch
Im März hatte der europäische Gerichtshof (EuGH) festgestellt, dass Ungarn die Vorschriften der EU nicht eingehalten hat und die Verbrauchssteuer auf Tabakwaren unter dem erforderlichen Schwellenwert lag. Daraufhin wurde zum 1. April 2021 die Tabaksteuer in Ungarn auf ein historisches Hoch angehoben. Trotz Kritik wird dieser Anstieg Umfragen zufolge einen signifikanten Effekt auf die Anzahl der Rauchenden haben. (HungaryToday)

USA: Verbot von Mentholgeschmack und Reduzierung von Nikotingehalt in Zigaretten
Zigaretten mit Mentholgeschmack sollen in den USA verboten werden. Das kündigte die U.S. Food and Drug Administration (FDA) als Antwort auf eine Petition von Bürger:innen an. Demnach sind in den USA nun alle Aromen für brennbare Tabakprodukte verboten (NY Times, Expose Tobacco). Zudem erwägt die Biden-Administration, Tabakfirmen zu verpflichten, den Nikotingehalt der in den USA verkauften Zigaretten auf ein Niveau zu senken, bei dem sie nicht mehr süchtig machen (Wall Street Journal).

Neuseeland: Verkauf von Tabakwaren für junge Menschen für immer verbieten
Mit dem Ziel bis 2025 rauchfrei zu sein, will Neuseeland einen neuen Ansatz der Tabakprävention verfolgen: ein Verkaufsverbot von Tabakwaren für junge Menschen ist in Planung. Ab einem bestimmten Jahrgang soll die junge Generation komplett vom legalen Erwerb von Tabakprodukten ausgeschlossen werden. (Independent, Spiegel)

China: Einschränkungen für E-Zigaretten und neuartige Tabakprodukte geplant
Die chinesischen Vorschriften zur Tabakkontrolle sollen überarbeitet werden, um E-Zigaretten und andere neue Tabakprodukten stärker überwachen und verwalten zu können. Ziel sind Produktion, Qualität und Sicherheit als auch Bewerbung der Produkte zu regulieren. (Global Times, tobaccoreporter)

Publikationen – national
Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040
Im Jahr 2040 sollen in Deutschland weniger als fünf Prozent der Erwachsenen und weniger als zwei Prozent der Jugendlichen Tabakprodukte oder E-Zigaretten konsumieren. Mit diesem Aufruf wenden sich 52 gesundheits- und zivilgesellschaftliche Organisationen – auch das ABNR – anlässlich des Weltnichtrauchertages 2021 an die Politik. Das neue Strategiepapier fasst zehn konkrete Maßnahmen zur Tabakkontrolle und einen Zeitplan für deren Umsetzung zusammen. (PM, Strategie 2040)

DKFZ-Factsheet zum Einfluss der Tabakindustrie auf Politik und Gesellschaft
Das neue Factsheet des Deutschen Krebsforschungszentrums „Aus der Wissenschaft – für die Politik“ erläutert Strategien der Tabakindustrie bei der Beeinflussung von Politik und Gesellschaft. Mit Bezug auf die Rahmenkonvention zur Eindämmung des Tabakgebrauchs werden Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

Jahrbuch Sucht 2021
Die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) meldet im neuen Jahrbuch Sucht 2021 einen erhöhten Verbrauch von Feinschnitt (selbstgedrehten Zigaretten) und (Wasser-)Pfeifentabak im Jahr 2020 sowie den Anstieg von Ausgaben für Tabakwaren. Es berichten Zeit und Aertzeblatt.

DHS: Stellungnahme zu E-Zigaretten
In einer aktualisierten Stellungnahme stuft die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) E-Zigaretten eindeutig als Suchtmittel ein. Die Auswertung aktueller wissenschaftlicher Studien habe ergeben, dass beim Konsum von E-Zigaretten für Rauchende und Nichtrauchende gesundheitliche Risiken bestehen und ein positiver Effekt für die Gesamtbevölkerung nicht erkennbar sei. Die DHS warnt deshalb vor der Promotion dieses Produktes in Politik und Öffentlichkeit und fordert weiterführende Forschung zum Thema.

Gesundheitsatlas COPD: Mehr Rauchende – mehr COPD
Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat anlässlich des Weltnichtrauchertages den „Gesundheitsatlas COPD“ herausgegeben. Die Daten zeigen: In Regionen mit vielen Rauchenden erkranken mehr Menschen an der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) als in Regionen mit weniger Rauchenden. Rauchentwöhnung ist wichtig, um COPD zu bekämpfen, folgern die AutorInnen. (Aerzteblatt)

Publikationen – international
Verbot von Mentholzigaretten in Kanada führt zu mehr Rauchstopps
Die Ergebnisse eines Forschendenteams aus Kanada zeigen, dass das landesweite Verbot von Mentholzigaretten in Kanada im Jahr 2017 signifikant mit höheren Raten von Aufhörversuchen und Aufhör-Erfolg bei Menthol-Rauchenden im Vergleich zu Nicht-Menthol-Rauchenden assoziiert ist. Das könnte dazu beigetragen haben, Rückfälle bei Menthol-Rauchenden zu verhindern, die vor dem Verbot mit dem Rauchen aufgehört hatten. (Eurekalert, Originalstudie)

Rauchbeschränkungen in der Außengastronomie unzureichend
Nach den TackSHS Project Investigators belegen die in der Außengastronomie nachgewiesenen Nikotinkonzentrationen in der Luft, dass die derzeitigen Beschränkungen des Rauchens in Außenbereichen von Gaststätten in Europa nicht ausreichen, um die Gäste ausreichend vor Passivrauchen zu schützen. Deshalb wäre ein vollständiges Rauchverbot in der Außengastronomie sinnvoll. (Environmental Research)

COVID-19 und Rauchstopp - Oft daran gedacht, selten gemacht.
Obwohl fast die Hälfte der Raucher:innen in Australien, Kanda, England und den USA während der frühen Phase der COVID-19 Pandemie daran gedacht hat, mit dem Rauchen aufzuhören, haben nur wenige auch einen Rauchstopp unternommen, berichtet der 2020 ITC Four Country Smoking and Vaping Survey. Positiv verändert haben ihr Rauchverhalten v.a. diejenigen Rauchenden, die sich mehr Sorgen darüber machten, durch das Rauchen anfälliger für die Infektion oder einen schwereren Verlauf der Erkrankung zu sein. (PLOS ONE)

Auch bei Gewichtszunahme senkt ein Rauchstopp das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen
Viele Rauchende fürchten eine Gewichtszunahme nach einem Rauchstopp. Auch wenn eine Gewichtszunahme mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert ist, senkt ein Rauchstopp das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auch dann, wenn es infolge des Rauchstopps zu einer Gewichtszunahme kommt. Das haben Daten der Japan Public Health Center Studie gezeigt. Umso früher der Rauchstopp erfolgt, umso stärker wird das Risiko vermindert. (Heart)

Zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen auch das perinatale Rauchen screenen
Für Nachkommen, deren Mütter in der Perinatalphase geraucht haben, ist es besonders wichtig, das Rauchen zu vermeiden, da ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen nicht nur durch das eigene Rauchen erhöht ist, sondern durch das perinatale Rauchen der Mutter zusätzlich verstärkt wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus New Orleans mit über 400.000 Patienten der UK Biobank. Zudem trägt perinatales Rauchen auch zu kardiovaskulären Ereignissen bei genetisch bedingtem Rauchen bei. (Atherosclerosis)

Graphische Warnhinweise auf Zigarettenpackungen – Alternative Ansätze
Graphische Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sind eine wichtige Maßnahme zur Bekämpfung des Tabakkonsums. Eine Auswertung von 35 hochwertigen Longitudinalstudien belegt zwar deren Wirksamkeit, zeigt aber auch gewisse „Abnutzungseffekte“. Die fortwährend negativen bildlichen Darstellungen können Reaktanz bei den Rauchern hervorrufen. Deshalb sollte über alternative Ansätze mit Darstellung positiver Botschaften, wie z.B. die Vorteile eines Rauchstopps, nachgedacht werden. BMC Public Health

Den E-Zigarettenkonsum beenden. Eine Frage der Nutzer:innengruppe?
E-Zigaretten haben unterschiedliche Nutzer:innengruppen: solche, die parallel herkömmliche Tabakprodukte nutzen, ehemalige Rauchende und Menschen, die noch nie im Leben geraucht haben. Unterscheiden sich diese drei Gruppen von Nutzer:innen im Hinblick auf ihre Intention bzw. Versuche den E-Zigarettenkonsum zu beenden? Daten einer aktuellen Studie zufolge ist die Intention bei ehemaligen Rauchenden am höchsten. Die meisten erfolglosen Versuche den E-Zigarettenkonsum zu beenden sind bei aktuell Rauchenden und Nieraucher:innen zu verzeichnen. Es besteht somit Bedarf, Menschen bei der Beendigung des E-Zigarettenkonsums zu unterstützen, unabhängig von deren Rauchstatus. JAMA open

Nikotinersatztherapie – besonders effektiv bei moderatem Konsum
Immer mehr Menschen rauchen weniger als 10 Zigaretten pro Tag. Profitieren Sie bei einem Rauchstopp gleichermaßen von Nikotinersatztherapieprodukten, wie Menschen, die mehr als 10 Zigaretten pro Tag rauchen? Nach einer in Art, Dauer und Dosis individualisierten kostenfreien Nikotinersatztherapie über sechs Monate, schaffte ein höherer Anteil derjenigen mit einer Rauchmenge von initial weniger als 10 Zigaretten pro Tag den Ausstieg, verglichen mit jenen, die mehr als 10 Zigaretten pro Tag geraucht hatten. Nicotine & Tobacco Research

Rückfallrisiko und E-Zigarettengebrauch
Es besteht bislang wenig Wissen darüber, ob der Konsum von E-Zigaretten, nach einem länger zurückliegenden Rauchstopp, das Risiko eines Rückfalls erhöht. Eine erste Zusammenschau der Ergebnisse aus drei Studien ergab, dass ehemalige Raucher:innen, die während ihrer Rauchkarriere die E-Zigarette genutzt hatten, ein höheres Risiko hatten rückfällig zu werden, verglichen mit ehemaligen Rauchenden ohne E-Zigarettengebrauch. Tobacco Prevention & Cessation

Weitere News – national
Lieferkettengesetz und Tabakindustrie: Unfairtobacco klärt auf
Mit der Verabschiedung des Entwurfs für ein Lieferkettengesetz im März 2021 stellt sich Unfairtobacco die Frage, wie die Tabakindustrie durch dieses Gesetz zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das Fazit: das Gesetz gilt für zu wenig Tabakfirmen und ist kein wirksamer Schutz für Menschenrechte und Umwelt. Mehr dazu hier.

Ehemaliger BfR-Experte wird Tabaklobbyist
Frank Henkler-Stephani war Experte für E-Zigaretten am Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Nun hat er eine Stelle beim Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse angetreten. Kritiker:innen verweisen auf die Gefahr eines solchen „Seitenwechsels“, denn Henkler-Stephani bringe nicht nur Kontakte, sondern auch Wissen über Interna aus staatlichen Behörden mit. (TAZ)


Unfairtobacco zum Welttag gegen Kinderarbeit und Frauenrechten

Die Organisation Unfairobacco kritisiert anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit die Zustände in Tabakanbau und -Verarbeitung, denn Kinderarbeit ist in diesem Feld keine Ausnahme. Sie fordern deshalb unter anderem, das Lieferkettengesetz und darin verankerte Kinderrechte durchzusetzen. Weiterhin fasst Unfairtobacco zum Welt-Nichtrauchertag in einem Factsheet  Informationen zum Thema Frauenrechte und Tabak zusammen, denn „Frauen und Mädchen sind in besonderer Weise und anders als Männer/Jungen von den Folgen der Tabakproduktion und des -konsums betroffen.“ Das dazu veranstaltete Online-Seminar vom 26.5.2021 ist hier verfügbar.


Tabakprodukte als Umweltbelastung
Die Belastung der Umwelt durch Tabakprodukte wird immer häufiger diskutiert und thematisiert. Städte und Kommunen setzten an unterschiedlichen Stellen an: Oldenburg testet Kippen-Gullys, Amberg recycelt den Müll und Augsburg erhöht das Bußgeld für eine unsachgemäße Entsorgung von Zigarettenabfällen. (Süddeutsche Zeitung, Hannoversche Allgemeine)

„Be Smart – Don’t Start“ – Hauptpreis geht nach Berlin
Der Schüler:innenwettbewerb „Be Smart – Don’t Start“ zeichnet seit über 20 Jahren Schulklassen aus, die sich aktiv gegen das Rauchen entscheiden. Dieses Jahr ging der 1. Preis nach Berlin. Der Wettbewerb wird von der BZgA, der Stiftung Deutsche Krebshilfe, dem AOK-Bundesverband sowie weiteren öffentlichen und privaten Institutionen gefördert und vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel koordiniert. (Pressemitteilung)

Weitere News – international
Niederlande: Rauchprävalenz rückläufig
Die Anzahl der gelegentlich Rauchenden in den Niederlanden ist 2020 im Vergleich zu 2019 von 22 auf 20 Prozent gesunken. Die Prävalenz täglich rauchender Erwachsener blieb mit 15 Prozent gleich. Das Ziel: 2040 rauchfrei, sprich weniger als 5 Prozent Rauchende. (CBStobaccoreporter)

Wie die Tabakindustrie wissenschaftliche Journals infiltriert

Im Juli 2020 hat das European Respiratory Journal einen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wurde, dass Rauchende ein deutlich geringeres Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken. Diese Arbeit wurde nun zurückgezogen, denn einige der Autor:innen hatten finanzielle Verbindungen zur Tabakindustrie, diese jedoch bei der Veröffentlichung nicht angegeben. Es folgte eine Debatte, ob dieses Versäumnis ausreicht, einen Artikel seitens des Journals zurückzuziehen. (The Guardian)
Forschungsergebnisse der Universität Bath und Corporate Accountability zeigen ebenfalls, dass Forschende ihre Verbindungen zur Organisation „Foundation for a Smoke Free World“, welche vom Tabakunternehmen Philip Morris International finanziert wird, bei der Publikation von Daten in wissenschaftlichen Journals nicht offengelegt haben (Truthinitiative, Tobaccocontrol).



WHO: Handbuch zu Tabaksteuerpolitik und -verwaltung und Bericht zur Regulierung von Tabakprodukten
In der Neuauflage des WHO technical manual on tobacco tax policy and administration will die WHO Regierungen bei der Entwicklung ihrer Tabaksteuerpolitik unterstützen. Das Handbuch von 2010 wurde deshalb auch um die neuesten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik sowie Beispielen aus der Politik verschiedener Länder ergänzt. (Aerzteblatt)
In dem neuen Report on the scientific basis of tobacco product regulation werden wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte Empfehlungen für die Mitgliedstaaten bereitgestellt. Vor allem Fragen zu neuartigen und aufkommenden Nikotin- und Tabakprodukten werden adressiert, um das Verständnis der Mitgliedstaaten für diese Produkte zu verbessern.


Bericht enthüllt Tabaklobbyismus gegenüber der Europäischen Kommission
Der Bericht des Corporate Europe Observatory (CEO) und der European Public Health Alliance (EPHA), zusammen mit dem globalen Tabak-Watchdog Stopping Tobacco Organizations and Products (STOP), präsentiert und analysiert die wichtigsten Kontakte zwischen Vertretern der Tabakindustrie und der Europäischen Kommission im Jahr 2019. Es werden darin sieben übergreifende Taktiken der Tabakindustrie identifiziert, die zur Beeinflussung der Tabakkontrollpolitik eingesetzt werden. (ExposeTobacco, Bericht)


Jahresbericht der Framewok Convention Alliance
Im Jahresbericht 2020 berichtet die Framework Convention Alliance (FCA) über ihre Aktivitäten im vergangenen Jahr. Einleitend bemerken Kylie Lindorff (Vorstandsvorsitzende) und Leslie Rae Ferat (Exekutivdirektorin), dass während der Corona-Pandemie Bemühungen und Finanzierung für Tabakkontrolle seitens vieler Akteure nachgelassenen haben.


Getarnte Tabakwerbung in Sozialen Medien spricht jugendliche Zielgruppe an
Das Büro für investigativen Journalismus deckt auf: Der Tabakkonzern Japan Tobacco International schaltet in Deutschland "getarnte" Lifestyle-Werbung für seine Marken auf Facebook und Instagram. Auf diesem Weg umging der Konzern sowohl die Regeln von Social-Media-Sites als auch nationale Gesetze, denn in Deutschland ist die direkte Vermarktung von Tabak an Jugendliche illegal. Eine genaue Analyse dieser Social Media Auftritte ist hier nachzulesen. (Independent)

Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

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