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ABNR-Info | 03|2021

Sehr geehrte Damen und Herren,

die dritte Ausgabe des ABNR-Infos in diesem Jahr widmet sich wieder neuen und alten Themen der Tabakprävention. Relativ neu ist das Thema Nikotinbeutel: Ein weiteres Beispiel dafür, wie kreativ die Industrie darin ist, immer wieder neue (Nikotin-)Produkte auf den Markt zu bringen, die noch nicht reguliert sind, und so den Gesetzgeber unter Zugzwang zu bringen. Erfindungsreich ist die Tabakindustrie auch im Bereich "greenwashing" – hierzu verschiedene Beispiele im Newsletter. Außerdem viele weitere Themen aus Politik und Wissenschaft aus dem In- und Ausland. 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr ABNR-Team

Aus der Politik & Rechtliches – national
Tabakfreie Nikotinbeutel

Bereits im vergangenen ABNR Newsletter 02/2021 wurde über so genannte "Nikotinpouches" (tabakfreie Nikotinbeutel) berichtet. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte anlässlich der "Vorläufigen Risikoeinschätzung für Nikotinbeutel" des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) Anfang Juni zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Das ABNR und der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. (ÄARG) machten in ihren Stellungnahmen deutlich, dass die Risikobewertung des BfR klare Defizite aufweist. Sie kommen zu dem Schluss, dass Nikotinbeutel mit einer hohen Suchtgefahr und einem Gesundheitsrisiko verbunden sind und insbesondere Jugendliche und junge Menschen vor dem Konsum von Nikotinbeuteln geschützt werden müssen.
Auch international werden Nikotinpouches als problematisch angesehen: In den USA sind Nikotinbeutel laut dem Center for Disease Control and Prevention in den vergangenen fünf Jahren immer beliebter geworden und sprechen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene an (NBC). Die Tabakindustrie erhöht aktuell die Produktion in Europa (Budapest Business Journal).
Eine gute Übersicht zum Thema Nikotinpouches gibt die Universität Bath auf Tobacco Tactics.


Reform zur Modernisierung des Tabaksteuerrechts vom Bundesrat bestätigt
Der Bundesrat hat die Reform des Tabaksteuerrechts gebilligt. Wie bereits im vergangenen Newsletter 02/2021 berichtet, wird ab Januar 2022 die Steuer auf Zigaretten und Feinschnitt, Zigarren und Zigarillos in den nächsten Jahren stufenweise erhöht. Darüber hinaus werden nikotinhaltige und nikotinfreie Liquids zur Verwendung in E-Zigaretten künftig besteuert und für Tabakerhitzer und Wasserpfeifentabak ebenfalls neue Steuern eingeführt.
(Aerzteblatt, Bundesfinanzministerium)

Hessen: Neues Nichtraucherschutzgesetz
Der Entwurf für eine Novelle des Nichtraucherschutzgesetzes in Hessen sieht eine gesetzliche Gleichstellung von Zigaretten und E-Zigaretten sowie ein Rauchverbot auf Spielplätzen und in Festzelten vor. Aus Gründen des umfassenden Nichtraucherschutzes könnte das neue Gesetz allerdings noch weiter gehen, z.B. durch die Streichung der Ausnahmen für Spielbanken und geschlossene Gesellschaften in Gaststätten. (Hessenschau, Zeit) Die Novelle des Hessischen Nichtraucherschutzgesetzes wird bis spätestens zum Jahresende 2021 verabschiedet werden und voraussichtlich zum 1. Januar 2022 in Kraft treten.

Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke: Tabaklobby und Gefahren durch Passivrauch
In einer Kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken zum Thema "Tabakprävention und Schutz von Nichtraucher*innen" wurden  Fragen zu Treffen der Bundesregierung mit Vertreter:innen der Tabakindustrie gestellt, woraufhin die  Bundesregierung in ihrer Antwort eine Vielzahl von Kontakten dieser Art einräumte. Die Fraktion Die Linke vermutet daher, dass die letzte Modernisierung des Tabaksteuergesetzes auch von der Tabakindustrie beeinflusst worden sein könnte. (RND) Zu demselben Schluss kommt auch der Tabakindustrie-Lobby-Index 2021, wie Unfairtobacco berichtet.
In diesem Zusammenhang forderten 52 Organisationen in einem Aufruf zur Bundestagswahl verschärfte Lobbygesetze – unter anderem eine "Lobby-Fußspur", in der jede Einflussnahme auf ein Gesetz dokumentiert werden soll. (Lobbycontrol, Spiegel)
Darüber hinaus fragte die Linksfraktion nach den Gefahren durch Passivrauchen für Kinder und Jugendliche, welche die Bundesregierung in ihrer Antwort als sehr ernst einstuft. Ziel sei es deshalb, den Nichtrauchendenschutz zu stärken, sowohl durch die Nichtraucherschutzgesetze des Bundes und der Länder als auch durch Aufklärungskampagnen. (Ärztezeitung)

Als Berufskrankheit aufgenommen: Lungenkrebs durch Passivrauchen
Die Berufskrankheiten-Verordnung beinhaltet nun auch den "Lungenkrebs nach Passivrauchen" am Arbeitsplatz. Die Änderung folgt wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach auch Nichtrauchende ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko tragen, wenn sie am Arbeitsplatz viele Jahre intensivem Passivrauch ausgesetzt waren. (Ärzteblatt)

Leipzig: Jugendparlament fordert Entsorgung von Zigaretten im öffentlichen Raum
Um die Umwelt- und Abfallbelastung durch Zigarettenkippen in der Stadt zu reduzieren, beantragt das Jugendparlament Leipzig bei der Stadtverwaltung die Umsetzung diverser Maßnahmen. Diese reichen von Entsorgungsbehältern an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs und an öffentlichen Sitzgelegenheiten bis hin zur Evaluation einer Raucherkabine. (Leipziger Zeitung)

Aus der Politik & Rechtliches – international
EU-Parlament: Berichtsentwurf des Ausschusses für Krebsbekämpfung
Der neue Berichtsentwurf des Ausschusses für Krebsbekämpfung des EU-Parlaments schlägt Wellen: Neuartige Tabakprodukte werden darin in vielen Punkten mit herkömmlichen Zigaretten gleichgesetzt - auch in Steuerfragen. Befürwortende der "Harm Reduction"-Idee sind deshalb alarmiert und möchten Änderungen vorschlagen, damit die Empfehlungen im finalen Bericht möglichst wenig Einfluss auf die laufende öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der EU-Vorschriften zur Tabakbesteuerung haben. (Euractiv)

Frankreich: Neues Gesetz nimmt Tabakindustrie zur Abfallbeseitigung in Verantwortung
Als erstes Land will Frankreich Tabakunternehmen für den durch ihre Produkte verursachten Abfall mit dem so genannten "Kreislauf- und Antiverschwendungsgesetz" zur Verantwortung ziehen. Die Tabakindustrie muss nach diesem Gesetz mit 80 Millionen Euro pro Jahr für die Abfallbeseitigung und Sensibilisierungskampagnen aufkommen. (Spiegel) Binnen sechs Jahren soll die Kippenflut um 40 Prozent reduziert werden.

Großbritannien: Rauchverbote in der Außengastronomie
Nach den Lockerungen der coronabedingten Beschränkungen in der Gastronomie war in Großbritannien der Ansturm auf Angebote im Freien groß. Einige Städte haben der Erweiterung von Außensitzflächen in der Gastronomie nun nur unter einer Auflage zugestimmt: Sie müssen rauchfrei sein. Die Maßnahme ist für die Kommunen ein wichtiger Schritt hin zu ihrem Ziel, bis 2030 rauchfrei zu werden. (RND)

Türkei: Warnhinweise auf Tabakverpackungen vergrößert
In der Türkei müssen gesundheitsbezogene Warnhinweise ab 2022 mehr als 92% der Verpackungen von Tabakprodukten bedecken. Bereits seit 2018 sind in der Türkei nur Einheitsverpackungen erlaubt, auf denen der Markenname nur auf einer Seite aufgedruckt ist und nicht mehr als 5 % der Seite einnehmen darf (WHO).

USA: FDA verweigert Marktzulassung für E-Zigaretten
Die US-Arzneimittelbehörde (FDA) hat den aromatisierten E-Zigaretten der Unternehmen JD Nova Group, Great American Vapes und Vapor Salon die Marktzulassung entzogen. Grund dafür sei laut FDA vor allem, dass aromatisierte Tabakprodukte besonders junge Menschen zum Rauchen animieren. Produkte des Marktführers Juul Labs waren bisher noch nicht von einem solchen Entzug der Marktzulassung betroffen. (Tagesspiegel, NY Times)

Neuseeland: Dampf-Aromen nur noch im Fachhandel erhältlich
Der nächste Schritt in Neuseelands "smoke-free legalisation" lautet: Nur noch drei Dampf-Aromen im Einzelhandel (Minze, Menthol und Tabak). Ausgeschlossen davon sind Fachgeschäfte. Ziel ist es, junge Menschen vom E-Zigaretten-Konsum abzuhalten. Ende November 2021 tritt das nächste Verbot in Kraft: Dann ist das Rauchen und der Konsum von E-Zigaretten in Fahrzeugen, in denen Kinder mitfahren, verboten. (RNZ)

Publikationen – national
Weckt die E-Zigarette Neugier auf Cannabis bei Jugendlichen?
Diese Frage wurde in einer aktuellen Längsschnittstudie unter Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren (N = 6084, 2017-2019) in Deutschland untersucht. Zu Baseline hatten 5117 noch nie Cannabis probiert. Zum Follow-up nach 18 Monaten wurden 3040 dieser Jugendlichen (davon 44,5  % männlich, 30,9 % Migrationshintergrund) erneut befragt; 529 (17,4 %) hatten zwischenzeitlich Erfahrungen mit Cannabis gesammelt. Jugendliche mit der Konsumerfahrung E-Zigarette zu Baseline, hatten mit höherer Wahrscheinlichkeit im Follow-up Cannabis konsumiert – verglichen mit jenen ohne diese Erfahrung (34,5 % vs. 10,4 %). Dieser Zusammenhang war besonders stark bei jenen Jugendlichen, die zu Baseline keine konventionellen Tabakprodukte wie Zigaretten geraucht hatten und zudem einen niedrigeren Wert auf dem persönlichkeitspsychologischen Konstrukt "Sensation Seeking" zeigten. (Artikel)

Publikationen – international
Tabakpräventionskampagnen in Massenmedien - wirksam und effektiv
Seit 2000 informiert in den USA die nationale Anti-Tabak-Massenmedienkampagne truth® junge Menschen über die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Tabakkonsums. Mit Botschaften, die harte Fakten über die Lügen und betrügerischen Praktiken der Tabakindustrie enthalten, möchte sie junge Menschen vom Rauchen abhalten. Eine Studie des Schroeder Instituts (Washington) mit über 32.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen belegt die Wirksamkeit dieser Massenmedienkampagne in unterschiedlichen demographischen Gruppen – insbesondere auch dort, wo vermehrt Tabak konsumiert wird. (Health Education Research)

Auch E-Zigarettenkonsum schadet dem ungeborenen Kind
Die Vermarktung von E-Zigaretten als weniger schädliche Alternative zum Zigarettenkonsum könnte schwangere Raucherinnen statt zu einem Rauchstopp zu einem Umstieg auf E-Zigaretten verleiten. Eine Auswertung der Daten des Pregnancy Risk Assessment Monitoring Systems (PRAMS) zwischen 2016 und 2018 zeigte, dass 1,1 % der Schwangeren während der Schwangerschaft E-Zigaretten konsumierten und sich dies negativ auf den Schwangerschaftsverlauf und das Geburtsgewicht des Kindes auswirkte – insbesondere bei täglichem Konsum. Schwangeren Raucherinnen sollte daher eine evidenzbasierte Tabakentwöhnung empfohlen werden. (Obstetrics & Gynecology)

Süchtig nach Rauchen oder süchtig nach Nikotin?
Der Vorschlag der FDA (2017), das Nikotin in Zigaretten auf minimale oder nicht süchtig machende Mengen zu reduzieren, wird nicht unbedingt als wirksame Maßnahme betrachtet, um das Suchtpotential von Zigaretten zu verringern. Obgleich die Vorstellung von Nikotin und Sucht variiert – abhängig vom Rauchstatus des Einzelnen – wird Nikotin allgemein als süchtig machend betrachtet. Die Sucht wird jedoch nicht nur als Abhängigkeit von Nikotin, sondern auch als Gewöhnung an bestimmte Verhaltensweisen gesehen, wie eine Studie von Loud et al. mit Rauchenden, ehemaligen Rauchenden und Nichtrauchenden zeigte. (Addiction)

Raucherentwöhnung bei werdenden Vätern häufig erfolgreich
Werdende Väter haben während der Schwangerschaft der Partnerin gute Chancen, rauchfrei zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit 1.053 Teilnehmenden, die von der School of Nursing der Universität Hongkong durchgeführt wurde. Warnungen über die Schädlichkeit des Rauchens für das ungeborene Kind, verbunden mit einer kurzen Beratung zur Tabakentwöhnung, kostenlosen Nikotinersatzprodukten für eine Woche sowie einer Überweisung an ein Raucherentwöhnungsprogramm konnten den Anteil der angehenden Väter, die nach 6 Monaten das Rauchen aufgegeben hatten, fast verdoppeln. (Ärzteblatt)

Zusammenhang zwischen E-Zigarettenkonsum und Herzinfarkt
Frühere Querschnittsanalysen zum Zusammenhang von E-Zigarettenkonsum und Herzinfarkt hatten ergeben, dass E-Zigarettenkonsum unabhängig vom Konsum herkömmlicher Zigaretten das Risiko eines Herzinfarkts erhöht. Nach einer im July im American Journal of Preventive Medicine publizierten Überprüfung dieser Querschnittsanalysen von Critcher und Siegel gibt es keine zuverlässigen Belege dafür, dass der Konsum von E-Zigaretten bei Nie-Rauchenden mit dem Auftreten eines Herzinfarkts in Verbindung steht. Vielmehr scheint die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Herzinfarktes vom bisherigen Konsum herkömmlicher Tabakzigaretten beeinflusst zu werden. (AJPM)

Frauen und Lungenkrebs
In einer Überblicksarbeit der Yale Universität werden die weiterhin steigenden Zahlen und Besonderheiten einer Lungenkrebserkrankung bei Frauen dargestellt. Lungenkrebs ist in der westlichen Welt für den größten Anteil tödlich verlaufender Krebserkrankungen verantwortlich, die Überlebensraten scheinen jedoch für Frauen etwas besser zu sein. Während bei beiden Geschlechtern das Rauchen nach wie vor der größte vermeidbare Risikofaktor ist, sind bei Frauen häufiger auch Nichtraucherinnen von einer Lungenkrebserkrankung betroffen. (Artikel)

Standardisierte Verpackungen führten zu einem Rückgang der Rauchprävalenz in England
Im Rahmen der regelmäßigen Haushaltsumfragen der Smoking Toolkit Study wurden ca. 280.000 über 16-Jährige erreicht, die zu ihren aktuellen Rauchgewohnheiten Auskunft gaben. Mit der Ankündigung der Einführung der neutralen Verpackungen 2016/2017 kam es gleich zu Beginn der Umsetzung der Maßnahmen zu einem Rückgang der Wahrscheinlichkeit zu rauchen (OR: 0.90; 95% CI: 0.83 bis 0.97). (Artikel)

Dampfen auf TikTok – thematische Analyse von über 800 Videoclips
Der Einfluss sozialer Medien wie z.B. TikTok auf die Wahrnehmung bestimmter Produkte wie E-Zigaretten und deren Nutzung wurden einer systematischen, thematischen Analyse unterzogen. Alle Videos wurden insgesamt über 1,5 Mrd mal angesehen; im Mittel wurde jedes Video ca. 1 Mio mal angeklickt und ca. 143.000 mal „gelikt“. E-Zigarettenkonsum wurde dabei in einem überwiegend positiven Kontext dargestellt. Die Nutzer:innen auf TikTok sind zumeist jüngere Jugendliche, die so unter Umgehung sonst gültiger Altersbeschränkungen erreicht werden. (Artikel)

Weitere News – national
Philip Morris: Durchsichtiges Engagement

Um ein positiveres Bild in der Gesellschaft zu erlangen, bedienen sich Tabakunternehmen vielfältiger Strategien. So treten Philip Morris International (PMI) und die Foundation for a Smoke-Free World (PMI finanziert) vermehrt an Angehörige von Gesundheitsberufen, Firmen und Kommunen mit Umfragen und Kooperationsangeboten heran. Einziges Ziel: Unter dem Deckmäntelchen der Schadensminimierung werden die neuen Produkte (Tabakerhitzer, E-Zigaretten) vermarktet. Das ABNR hat Hintergrundinformationen und Handlungsempfehlungen für Betroffene in einem Informationsblatt zusammengefasst.
Neben der Vermarktung ihrer vermeintlich gesünderen Produkte engagierte sich Philip Morris (PM) Deutschland beispielsweise mit der "Go-Vote-Kampagne" als "Unternehmen für eine Starke Demokratie". Der Wahlaufruf zur Bundestagswahl 2021 erfolgte gemeinsam mit der Wall GmbH mit Unterstützung von BOROS. Die Wall GmbH ist spezialisiert auf Außenwerbeflächen und die Kreativagentur BOROS "langjähriger Partner von Philip Morris Deutschland im Rahmen des zivilgesellschaftlichen Engagements des Unternehmens". Pressemitteilung 


Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040 - jetzt in englischer Sprache

Die bereits im ABNR-Info 02/2021 vorgestellte „Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040“ ist nun auch in englischer Sprache verfügbar (Strategy for a tobacco-free Germany 2040).
Zudem ist auf dem Blog des BMJ Tobacco Control ein Artikel zum Thema erschienen. (BJM)


Ärztliche Tabakentwöhnung - die Sachlage
In einem ausführlichen Artikel werden im Ärzteblatt die „Wirksamkeit und Potentiale“ ärztlicher Tabakentwöhnung erörtert. Lesen Sie hier mehr.

Lübeck: HANSE-Studie bietet Rauchenden Lungencheck
In Lübeck beginnt die so genannte HANSE-Studie. Sie beinhaltet ein Programm zur Früherkennung von Lungen- und Herzkreislauferkrankungen, in dem ehemaligen und aktiven Rauchenden ein für sie kostenloser Lungencheck in einem Computertomografen (CT) angeboten wird. Vor dem Hintergrund der Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu einem nationalen Lungenkrebs-screening-Programm ist das Ziel der Studie nachzuweisen, dass ein Lungenkrebs-Früherkennungs-programm in Deutschland effektiv durchgeführt werden kann.

Zigarettenkippen – kreative Lösungsversuche
Städte und Landkreise versuchen dem Problem der Umweltverschmutzung durch Zigarettenkippen mit unterschiedlichen und immer neuen Ansätzen entgegenzuwirken: Eimsbüttel zum Beispiel hat das Bußgeld für sogenanntes "Littering" von 20 auf 90 Euro angehoben (NDR). In Bremen werden dem Stadtteil, der die meisten Zigarettenstummel von öffentlichen Flächen aufsammelt, 3.000 Euro für ein gemeinnütziges Projekt geboten. Die gesammelten Kippen werden dann recycelt (Zeit). Neben einem Bußgeld von über 100 Euro wurden in Stuttgart sogenannte „Kippster“ aufgestellt: Rauchende können in den Metallboxen über Fragen wie "Maultaschen oder Spätzle" mit ihren Stummeln abstimmen (Stuttgarter Nachrichten).

Gesundheitsschutz: Rauchfreie Fußballstadien und Arbeitsplätze
Nach Köln, München und Hoffenheim zieht nun auch Erstligist RB Leipzig nach: In den Blöcken ist der Konsum jeglicher Tabak- und Rauchprodukte in Zukunft untersagt. Die Entscheidung wurde laut Verein auf Wunsch der Fans gefällt (RB Leipzig). Ähnliches ist in Karlsruhe in Arbeit: Ein Plan für den Schutz von Nichtrauchenden im Stadion wird gerade erstellt (Badische Neuste Nachrichten).
Am Arbeitsplatz sind in Zukunft die Arbeitnehmenden von Škoda Auto vor Zigarettenrauch geschützt: Wie der Autohersteller mitteilt, sind Werke und Betriebsstätten seit August diesen Jahres Rauchfrei. Zudem werden Mitarbeitende bei Bedarf bei der Raucherentwöhnung mit einer Nikotinersatztherapie und professioneller Beratung unterstützt. (Pressemitteilung)

Abschlussbericht Be Smart – Don’t Start
Ein ausführlicher Abschlussbericht lässt den Schulklassenwettbewerb Be Smart – Don’t Start 2020/2021 Revue passieren. Neben Statistiken zu teilnehmendem Klassen und Preisen (vergleiche ABNR Newsletter 02/2021) wird ausführlich auf die Anpassungen des Wettbewerbs auf die besonderen Umstände während der Corona-Pandemie eingegangen.

Stiftung Warentest: Tabakerhitzer, nein danke!
Die Stiftung Warentest nimmt Tabakerhitzer unter die Lupe. Das Fazit: "Lieber ohne". Aufgrund ungeklärter Langzeitfolgen und dem Abhängigkeitspotential beim Konsum rät die Stiftung vom Gebrauch von Tabakerhitzern ab. Lesen Sie hier mehr.

Interview mit der Drogenbeauftragten Daniela Ludwig
Im Interview mit dem Ärzteblatt spricht Daniela Ludwig, Drogenbeauftrage der Bundesregierung, über die schlechte Platzierung Deutschlands auf der Tobacco Control Scale, die Bundesinitiative "Rauchfrei leben – Deine Chance" und Zigarettenersatzprodukte wie E-Zigaretten.

Weitere News – international
WHO: Warnung vor elektronischen Rauchprodukten im Bericht über die Tabakepidemie

Im "WHO report on the global tobacco epidemic, 2021: addressing new and emerging products" wertet die WHO erstmals Daten zu E-Zigaretten und anderen elektronischen Geräten zum Konsum von Nikotin aus und kommt zu klaren Schlussfolgerungen: Elektronische Nikotinabgabesysteme (ENDS) müssen reguliert werden. Besonders zum Schutz von Kindern und Jugendlichen muss eine "Re-Normalisierung" des Tabakkonsums durch neue Produkte verhindert werden – und das auf jedem Level: Nichtrauchendenschutz, Werbeverbote, Steuern, Entwöhnungshilfen und Aufklärungsarbeit. Es berichteten Ärzteblatt und Psychologie aktuell.(Zusammenfassung Bericht)
Der WHO-Bericht und die Folgerungen daraus bestätigen den Kurs des ABNR und seiner Mitgliedsorganisationen. So fordern die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) sowie die Deutsche Lungenstiftung (DLS) erneut die konsequente Regulierung neuer Nikotinprodukte. (Ärzteblatt)


Tabakkonzern PMI kauft Pharmaunternehmen mit Expertise für Lungenkrankheiten
Das US-amerikanische Tabakunternehmen Philip Morris International (PMI) gab Mitte August bekannt, dass es 22,61 % des britischen Entwicklers von Atemwegsmedikamenten Vectura im Rahmen eines Marktkaufs erworben hat und noch weitere Anteile erwerben wird. Vectura ist auf Inhalationstherapien für Lungenkrankheiten spezialisiert. Kritik kommt aus allen politischen Lagern sowie von verschiedenen Gesundheitsexpert:innen und -organisationen. Die Aussage von PMI, in Zukunft ein "Gesundheits- und Wellnessunternehmen" sein zu wollen, wird als Heuchelei bezeichnet. (CNBCAerzteblatt, FAZ)


Smoke Free Partnership: Positionspapier zu Tabaksteuer

Die Initiative Smoke Free Partnership (SFP) nimmt in einem aktuellen Positionspapier zur EU-Tabaksteuerrichtlinie Stellung. Darin werden Vorschläge und Szenarien zur Überarbeitung der Richtlinie aufgeführt. Es wird unter anderem gefordert, dass die Revision der Richtlinie die Besteuerung von Tabakprodukten als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Verringerung des Tabakkonsums anerkennt.
Der aktuelle Newsletter des SFP ist hier einzusehen.



Neue EU-Plattform „Wissenszentrum für Krebs“
Das Wissenszentrum für Krebs ist eine Online-Plattform der EU-Kommission mit dem Ziel, Maßnahmen gegen Kreberkrankungen besser zu koordinieren. Als unabhängiger Wissensvermittler können auf der Plattform neueste Erkenntnisse über Krebs, Leitlinien für die Gesundheitsversorgung und Trends bei Krebsinzidenz und -sterblichkeit EU-weit eingesehen werden. (Pressemitteilung)


Großbritannien: Expert:innen fordern Einschränkungen im Marketing für E-Zigaretten
Die britische Organisation Action on Smoking and Health (Ash) und britische Ärzte fordern die Ministerien auf, Begriffe wie "Kaugummi" und "Gummibärchen" sowie Cartoon-Bilder auf Verpackungen für E-Zigaretten zu verbieten. Sie stützen sich dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach Kinder eine Reihe beliebter Vaping-Marken eher ansprechend fanden, wenn die Verpackungen leuchtende Farben aufwiesen, als wenn sie in schlichten Verpackungen geliefert wurden. (The Guardian)


Spanien: Briefkampagne gegen PMI geförderte Kampagne zum Nichtrauchen
Der Tabakproduzent Philip Morris International finanziert in einer spanischen Gemeinde eine Kampagne namens "La Graciosa sin humo" (La Graciosa ohne Rauch). In einer Briefkampagne fordert die Spanische Gemeinschaft zur Eindämmung des Tabakkonsums verschiedene Stellen der spanischen Regierung auf, die Beendigung der Partnerschaft von La Gracisosa mit PMI zu fordern. Diese verstößt unter anderem gegen Artikel 5.3 des Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums (FCTC). Der Brief kann hier eingesehen und unterzeichnet werden.


Interessantes auf Expose Tobacco

Auf exposetobacco.org werden unter dem Titel "STOP. A global tobacco industry watchdog" regelmäßig "Bemühungen der Tabakindustrie, die Eindämmung des Tabakkonsums zu vereiteln und eine neue Generation von Konsumenten anzulocken, rigoros aufgedeckt". Die Website ist ein Partnerprojekt der Tobacco Control Research Group der University of Bath, dem Global Center for Good Governance in Tobacco Control, der International Union Against Tuberculosis and Lung Disease und Vital Strategies. In den letzten drei Monaten waren unter anderem folgende Artikel interessant:

  • Sabotage, Betrug und Doppelmoral: Britsh American Tobacco Uncovered (Link)
  • Tabakindustrie und Umwelt (1) (2)
  • Erfolge für Tabakkontrolle: PR-Möglichkeiten der Industrie eingeschränkt (Link)
  • Analysen der Steuererklärungen der Foundation for a Smoke-Free World (Link)
  • Tabakindustrie und Kinderarbeit (Link)
  • Moderne Sucht: Hooking the Next Generation (Link)


Informationsartikel: Synthetische Nikotinprodukte
Die gemeinnützige US-Organsation Thruth Initiative gibt hier eine gute Einführung in neue synthetische Nikotinprodukte und den Unterschied zwischen synthetischen und "tabakfreien" Produkten.


JUUL in der Defensive

Für den marktführenden E-Zigarettenhersteller Juul Labs Inc. gibt es viele schlechte Nachrichten: Neben rückläufigen Umsätzen und mehr als tausend Klagen (siehe ABNR Newsletter 03/2020 und 04/2020) steht noch immer die Entscheidung der FDA aus, ob das Unternehmen die Produkte weiter verkaufen darf. (Bloomberg)
Um die schlechte Presse zu umgehen, hat Juul 51.000 Dollar dafür bezahlt, dass die Mai/Juni-Ausgabe des American Journal of Health Behavior der Veröffentlichung von 11 Studien gewidmet wurde, die von dem Unternehmen finanziert wurden und belegen sollen, dass Juul-Produkte beim Rauchstopp unterstützen. (Business Insider, New York Times)



Aufklärung über tabakbedingte Krebserkrankungen
Mit einer Broschüre will das European Network for Smoking and Tobacco Prevention (ENSP) das Bewusstsein für tabakbedingten Krebs steigern. Laut ENSP ist das Beenden der Tabakepidemie ein wesentlicher Schritt zur Bekämpfung von Krebs.


Buchempfehlungen: Tabakmarketing in der Schweiz und Entwicklungen der elektronischen Zigarettenindustrie
Die neue Monografie der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz und der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik trägt den Titel "Frauen und Jugendliche zuerst. Marketing der Tabakindustrie und des Tabakhandels – Werbung, Sponsoring und Verkaufsförderung in der Schweiz". Darin werden die Marketingstrategien der Tabak- und Nikotinindustrie untersucht; das Ergebnis: Jugendliche sind die Hauptzielgruppe. (AT)
In „The Devil’s Playbook: Big Tobbacco, Juul und die Sucht einer neuen Generation“ zeichnet die Autorin und Investigativ-Reporterin Lauren Etter von Bloomberg News die Entwicklung der elektronischen Zigarettenindustrie nach.


Australien: 10 Jahre Einheitsverpackung von Tabakprodukten
Australien hat als erstes Land Einheitsverpackung für Tabakprodukte eingeführt. Jetzt ziehen Menschen aus Politik und Wissenschaft ein Resümee aus den vergangenen 10 Jahren und kommen zu dem Ergebnis, dass es ein Erfolg war. Lesen sie hier mehr.


Veranstaltungen
Leadership Summit on Tobacco Control am 18.10.2021 (virtuelle Veranstaltung), Website

60. DHS Fachkonferenz SUCHT vom 25.-27.10.2021 (Potsdam), Website

19. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle 15.-16.12.2021 (virtuelle Veranstaltung), Anmeldung & Programm


Impressum

Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR)
Geschäftsstelle Bonn

Kontakt: Inga Jesinghaus, Geschäftsführerin • jesinghaus@abnr.de

c/o Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32 • 53113 Bonn

Telefon +49 (0) 228 72990 610

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