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ABNR-Info | 02|2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Leserinnen und Leser,

diese Ausgabe des ABNR-Infos legt einen Schwerpunkt auf die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit und steht damit unter dem Motto des Weltnichtrauchertags 2022: Save (y)our Future. #LebeRauchfrei.

Die deutsche Kampagne zum Weltnichtrauchertag ist damit dem Motto der World Health Organisation (WHO) gefolgt („Tobacco: Threat to our environment“) - mit einem beachtlichen Medienecho (unter anderem in der Tagesschau beim NDR und in der Süddeutschen Zeitung). Ein breites Medienecho fanden jedoch auch die Gesundheitswarnungen der Krebsexperten und der Politik.

Und während die für Gesundheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides das Ziel einer „Tobacco Free Generation“ und den Europe's Beating Cancer Plan in ihrem Statement zum Weltnichtrauchertag in den Vordergrund rückte, reagierten unsere europäischen Nachbarn teilweise bereits auf ganz neue Herausforderungen. So wurde in Österreich beispielweise nicht nur eine gesetzliche Regulierung für Nikotinbeutel gefordert, sondern sogar eine gesetzliche Regulierung für alle Nikotinprodukte ins Spiel gebracht - und damit eine Forderung, die insbesondere im Hinblick auf die demnächst anstehenden Überarbeitungen der Rahmengesetzgebung auf europäischer Ebene immer mitgedacht werden sollte.

In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern einen schönen und erholsamen Sommer und einen guten Start in den – (EU-)politisch voraussichtlich spannenden – Herbst.

Ihr ABNR-Team

Aus der Politik & Rechtliches – national
Stellungnahme der Bundesregierung zum „Schutz von Kindern vor Rauchern im Auto“
Nachdem der Bundesrat im Frühjahr den "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundesnichtraucherschutzgesetzes (BNichtrSchG)" verabschiedet hat, liegt hierzu inzwischen die Stellungnahme der Bundesregierung vor: Ein Rauchverzicht im Auto bei Anwesenheit von Minderjährigen wird danach uneingeschränkt begrüßt – allerdings werden gleichzeitig verfassungsrechtliche Bedenken geäußert. Die Bundesregierung will nun den gesetzgeberischen Handlungsbedarf prüfen. Ein schneller Schutz von Kindern vor Rauchern im Auto ist damit auch in dieser Legislaturperiode zunächst nicht zu erwarten (Deutsches Ärzteblatt).

Arzneimittel zur Tabakentwöhnung: G-BA nimmt Beratungen auf
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im März offiziell seine Beratungen zu der Frage aufgenommen, welche Arzneimittel zur Tabakentwöhnung und unter welchen Voraussetzungen auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können. Zudem ist darüber zu beraten, welche Anforderungen die Entwöhnungsprogramme erfüllen müssen. Versicherte mit einer starken Tabakabhängigkeit, die an einem Entwöhnungsprogramm teilnehmen, sollen zukünftig auch Anspruch auf unterstützende Arzneimittel haben. Der G-BA hat bereits das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) damit beauftragt, den medizinischen Nutzen der vier Wirkstoffe zu bewerten, die derzeit zur Unterstützung einer Tabakentwöhnung zugelassen und in Deutschland auf dem Markt sind (Bupropion, Cytisin, Nicotin und Vareniclin) - das Ergebnis wird voraussichtlich im vierten Quartal 2023 vorliegen und in die Beratungen einbezogen werden (Pressemitteilung G-BA).

E-Zigaretten-Konsum wird teurer: Steuer auf Liquids
Ab dem 1. Juli 2022 wird der Konsum von E-Zigaretten teurer: Das Tabaksteuermodernisierungsgesetz sieht vor, dass künftig eine Steuer auf die Liquids (Füllflüssigkeit) für E-Zigaretten bezahlt werden muss. Die Höhe der Steuer wurde vom Gesetzgeber für den Zeitraum ab dem 01.07. mit 16 Cent pro Milliliter festgelegt. Die gängigen Liquidbehälter haben eine Größe von 10 Millilitern, kosten also künftig 1,60 Euro mehr. Für die kommenden Jahre sieht das Tabaksteuermodernisierungsgesetz bereits Steigerungsstufen für die Steuer auf Liquids vor: 20 Cent je Milliliter ab dem 1. Januar 2024, 26 Cent je Milliliter ab dem 1. Januar 2025 und 32 Cent je Milliliter ab dem 1. Januar 2026. Im Jahr 2026 werden für einen Liquidbehälter in der Größe von 10 Millilitern also voraussichtlich Steuern in Höhe von 3,20 Euro Steuer fällig (Südwest Presse).

Bundeshaushalt 2022: Mehr Geld für die Suchtprävention
Anfang Juni hat der Deutsche Bundestag im Rahmen des beschlossenen Bundeshaushaltes den zunächst vorgeschlagenen Mittelansatz für Aufklärungsmaßnahmen auf dem Gebiet des Drogen- und Suchtmittelmissbrauchs um vier Millionen Euro erhöht. Für die verbleibenden Monate des laufenden Jahres stehen damit nun annähernd so viele Gelder zur Verfügung wie 2021 für einen Zeitraum von 12 Monaten. Schwerpunkte sollen insbesondere bei den Themen Cannabisprävention und Tabakentwöhnung gesetzt werden. Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung Burkhard Blienert begrüßte die Entscheidung (Pressemitteilung Bundesdrogenbeauftragter).

Drogenbeauftragter: Thema Sucht im Studium stärker ansprechen
Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, fordert ein Modul „Suchterkrankungen“ im Medizinstudium (Deutschlandfunk). Zudem müssten niedergelassene Ärzte motiviert werden, die Substitutionsbehandlung anzubieten. Laut einer repräsentativen Umfrage des Drogenbeauftragten unter Medizinstudierenden, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, hielten fast alle das Thema Suchterkrankungen im Rahmen des Medizinstudiums für wichtig oder sehr wichtig. Eine deutliche Mehrheit der Befragten stimmte der Aussage zu, dass Suchterkrankungen bereits im Medizinstudium thematisiert werden sollten, weil sie eine relevante Ursache vielfältiger Erkrankungen sein können und in der Bevölkerung sehr verbreitet seien.

Bundesdrogenbeauftragter: Konsultationsprozess zur Cannabisabgabe
Der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert plant gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium und weiteren Ressorts einen umfassenden Konsultationsprozess für die vorgesehene kontrollierte Freigabe von Cannabis in Deutschland. In diesen Prozess sollen auch Länder, Kommunen, Verbände, Wissenschaft und die Zivilgesellschaft eingebunden werden. Bis zum Herbst solle der Gesetzgebungsprozess durch die Diskussion mit führenden Fachleuten über die relevantesten Fragen zum Gesundheitsschutz, zu Anbau, Lieferketten und zur Besteuerung unterstützt werden. In der zweiten Jahreshälfte soll dann ein Gesetzentwurf folgen. SPD, Grüne und FDP haben im Koalitionsvertrag vereinbart, eine „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ einzuführen (Deutsches Ärzteblatt).

Urteil: Kein Recht auf Mitbestimmung bei Raucherpausen
Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern hat entschieden (Az.: 5 TaBV 12/21), dass Rauchverbote in Arbeitsbetrieben grundsätzlich der Zustimmung des Betriebsrates bedürfen. Legt der Arbeitgeber jedoch zusätzlich fest, dass die Belegschaft nur in den tariflichen Pausen zur Zigarette greifen darf, kann die Arbeitnehmervertretung kein Veto mehr einlegen (Handelsblatt, Haufe, Juraforum).

NRW: Höhere Bußgelder für Rauchen im Wald und Entsorgung von Zigarettenkippen
Nordrhein-Westfalen hat seit dem 18. Mai 2022 einen neuen Bußgeldkatalog für Umweltsünden, der unter anderem höhere Strafen für das Rauchen im Wald in der Zeit zwischen März und Oktober (Erhöhung von 80 Euro auf bis zu 150 Euro) und die rechtswidrige Entsorgung von Hausmüll wie Zigarettenstummel (Strafe bis zu 100 Euro) vorsieht (Ruhr24).

Shisha: Konsum von Wasserpfeifen-Tabak in Deutschland steigt
Der Konsum von Wasserpfeifen-Tabak in Deutschland steigt weiterhin deutlich, wie aus dem "Jahrbuch Sucht 2022" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hervorgeht (ZDF). Zuletzt hat deshalb unter anderem Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) vor dem keinesfalls harmlosen, gesundheitsschädlichen Konsum von Shishas gewarnt (Hamburger Morgenpost). Die Stadt Bochum will derweil Shisha-Bars im so genannten Bermudadreieck verbieten, weil sie einen Imageschaden für das Viertel befürchtet, zumal die Bars in der Vergangenheit immer wieder im Fokus von Polizeirazzien standen (Ruhr24). Ebenso in Berlin: Hier haben Polizei und Zoll zuletzt zwei Shisha-Bars direkt geschlossen und versiegelt. In einer waren 30 Kilogramm unversteuerter Shisha-Tabak sichergestellt worden, in der anderen wurde Alkohol ohne Lizenz ausgeschenkt. Laut einer Polizeisprecherin wurden zudem Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz sowie gegen die Spielverordnung festgestellt (BZ).

Hessischer Landtag: Kleine Anfrage zum Nichtraucherschutz an hessischen Schulen
Im Zuge einer Kleinen Anfrage aus der SPD-Fraktion an die Hessische Landesregierung vom 03.01.2022 wollten die Abgeordneten wissen, wann von Seiten der Landesregierung eine Novellierung des Hessischen Schulgesetzes angedacht sei, um das im Hessischen Nichtraucherschutzgesetz erst kürzlich um E-Zigaretten und Tabakerhitzer ausgedehnte Rauchverbot entsprechend auch zum Schutze von Kindern und Jugendlichen schulgesetzlich zu verankern. Laut Antwort des Hessischen Kultusministeriums vom 22.03.2022 prüfe die Landesregierung derzeit, unabhängig von der für die Schulen geltenden Rechtslage, einen klarstellenden Verweis auch auf E-Zigaretten und Tabakerhitzer in das Hessische Schulgesetz aufzunehmen (Hessischer Landtag, Drucksache 20/7031 vom 22.03.2022).
Aus der Politik & Rechtliches – international
Europäische Union: Regulierungsprozess zur Tabakproduktrichtlinie beginnt
Im Mai hat die EU-Kommission den Beteiligungsprozess zur "Evaluierung des Rechtsrahmens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs" gestartet. Vor dem Hintergrund der Vielzahl der neuen Produkte und der technischen Entwicklung möchte die EU-Kommission die Rahmengesetzgebung zu Tabakprodukten evaluieren, wobei die Normen zur Produktregulierung, zur Werbung, zur Promotion und zum Sponsoring im Zentrum der Evaluation stehen sollen. Untersucht werden soll zudem, ob die Rahmengesetzgebung zur Erreichung der bisherigen Ziele beigetragen hat und ob sie dazu geeignet ist, das im Europe’s Beating Cancer Plan formulierte Ziel einer „Tobacco-Free Generation“ bis zum Jahre 2040 zu erreichen. Eine Teilnahme an dem Online-Beteiligungsprozess ist bis zum 17. Juni 2022 möglich. Darüber hinaus wurde auch die Aufforderung zur Stellungnahme für die Evaluierung des Rechtsrahmens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs online veröffentlicht: Die Empfehlungen zu den rauchfreien Lebenswelten aus dem Jahr 2009 hat das Ziel, Menschen EU-weit vor schädlichem Passivrauch zu schützen. Wie bereits im Europe’s Beating Cancer Plan angekündigt, sollen die Empfehlungen im Rahmen dieser Initiative an die aktuellen Marktentwicklungen angepasst werden und den Konsum von Tabak und verwandten bzw. neuen Produkten im öffentlichen Raum (z.B. Orte im Freien, Schulen, Spielplätze etc.) einbeziehen.

Irland: Zu hoher Nikotingehalt in E-Zigaretten und Verstöße gegen das EU-Tabakrecht
Die irische Gesundheitsbehörde HSE hat eine dringende Warnung vor bestimmten E-Zigaretten herausgegeben: Es seien Verstöße gegen die EU-Tabakproduktrichtlinie bzw. zu hohe Nikotingehalte (über 20mg/ml bzw. 2%) festgestellt worden. Bei auf den Konsum dieser Produkte zurückführbaren Beschwerden wurde geraten, sich in ärztliche Behandlung zu begeben (Irish Mirror, Irish Examiner).

Österreich: Steigender Zigarettenpreis
Zum 1. April 2022 wurde in Österreich die Tabaksteuer angehoben: Eine Packung ist jetzt rund 20 Cent teurer. Nach einem durch die Coronakrise bedingten Absatzhoch rechnet die Branche jetzt mit Umsatzverlusten (ORF).

Spanien: Rauchverbote an Stränden und Verkaufsbeschränkungen bei E-Zigaretten
In Spanien dürfen Kommunen jetzt das Rauchen am Strand untersagen – und Mallorca will das Verbot sogar ausweiten: auf Bars, Restaurants und aufs Autofahren (Süddeutsche Zeitung). Barcelona verbietet das Rauchen an allen Stränden (Der Standard), während die linke Regierung derweil eine Reform des Tabakgesetzes von 2005 vor bereitet, die sie nach Möglichkeit bis Jahresende im Madrider Parlament durchbringen möchte. Im Rahmen der Reform soll das Rauchen an verschiedenen öffentlichen Plätzen landesweit verboten werden, darunter an allen Stränden, in den Parks, auf allen Terrassen sowie auch in allen Sportstätten (RND). Zudem sollen E-Zigaretten zukünftig nur noch in Tabakläden verkauft werden dürfen (Mallorca-OK, The Olive Press).

Belgien: Rauchverbot auf Bahnhöfen und Strategie für eine rauchfreie Generation
Ab 2023 ist das Rauchen auf den Bahnsteigen in Belgiens Bahnhöfen verboten (VRT, Grenzecho). Darüber hinaus wurde die neue belgische Strategie für eine rauchfreie Generation vorgestellt: Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Prävalenz des Tabakkonsums und den Konsum von E-Zigaretten erlaubt die neue Strategie weiterführende Ansätze zur Bekämpfung des Tabak- und Nikotinkonsums und strebt das Ziel einer tabakfreien Generation an. Im Zentrum der Strategie stehen Gesundheitsförderung und –bildung bzw. verhaltens- und verhältnispräventive Ansätze.

Skandinavien: Mehr Tabakkontrolle und Prävention
Während die schwedische Regierung zuletzt ihre Pläne zum Verbot von Aromen in E-Zigaretten angekündigt hat, wurde in Finnland die Tabakgesetzgebung verschärft, während das dänische Gesundheitsministerium noch weit reichendere Pläne verfolgt: Dort denkt man über ein Verbot nach, das den Verkauf von Zigaretten an alle nach 2010 geborenen Personen vollständig verbieten soll.

E-Zigaretten: Verbote von Aromen und offenen Systemen weltweit
Weltweit ist weiterhin ein Trend zum Verbot von Aromen und offenen Systemen bei E-Zigaretten zu beobachten: Während in Los Angeles der Verkauf von aromatisierten Tabakprodukten beschlossene Sache ist, verbietet Mexiko jetzt den Verkauf von E-Zigaretten. In Kasachstan, den Vereinten Arabischen Emiraten und Hong Kong wurden ebenfalls Verbote zu E-Zigaretten beschlossen, und in China werden Aromen und offene Systeme ebenfalls nicht mehr zulässig sein.

USA: Vermarktungsverbote für Mentholzigaretten und synthetisches Nikotin
Bereits Ende März hat die US-amerikanische Federal Drug Agency (FDA) bekannt gegeben, dass sie weitere E-Zigaretten mit Tabakaroma verboten habe und weitere Entscheidungen zu weit verbreiteten Produkten in Kürze zu erwarten seien. Ende April veröffentlichte die FDA dann einen lang erwarteten Vorschlag für ein Verbot von Mentholzigaretten und aromatisierten Zigarren (Reuters, New York Times). Bereits Mitte April wurde vom US-amerikanischen Gesetzgeber eine Gesetzeslücke geschlossen, die es der FDA erlauben soll, auch E-Zigaretten und ähnliche Produkte vom Markt zu nehmen, die synthetisches Nikotin enthalten (ABC News).

Australien: Kampf gegen illegalen E-Zigaretten-Verkauf und Anti-Vaping-Kampagnen für Schulkinder
Die australische Regierung hat E-Zigaretten den Kampf angesagt: Seit Januar 2022 wurden illegale E-Zigaretten und Liquids im Wert von über eine Million Dollar registriert. Die Händler sollen jetzt schärfer überwacht werden und müssen bei Verstößen mit Konsequenzen rechnen. Seit dem 1. Oktober 2021 sind Nikotinprodukte nur noch für Personen über 18 Jahren und zum Zwecke der ärztlich zu verordnenden Rauchentwöhnung ausschließlich in australischen Apotheken oder via Import erhältlich. Der darüber hinausgehende Handel mit E-Zigaretten und nikotinhaltigen Liquids ist illegal und kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden (NSW Health). Im Rahmen einer aktuellen Kampagne gegen den Konsum von E-Zigaretten durch Kinder und Jugendliche wurden zuletzt Toolkits und eine Aufklärungskampagne vorgestellt (Government of Western Australia). 

Aus der Wissenschaft
Fördert der Gebrauch von E-Zigaretten den Rauchstopp?
Strittig ist, ob der sogenannte „dual use“, d.h. das Rauchen von herkömmlichen und E-Zigaretten einen potenziellen Rauchstopp befördert oder eher behindert. Diese Frage wurde mit Daten der US- Langzeitstudie „PATH“ (3542 Erwachsene, Alter 17-44 Jahre), über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren, untersucht. Inkludiert wurden Personen, die zu Beginn der Studie an mindestens 20 Tagen im Monat entsprechende Produkte konsumiert hatten, entweder in der Anwendung des „dual use“ oder des „mono use“ (Rauchen ausschließlich herkömmlicher Zigaretten). „Dual user“ berichteten mehr Aufhörversuche als „mono user“. Letztere waren jedoch mit einem Anteil von 16 % signifikant erfolgreicher bei der Erreichung der Tabakrauchabstinenz, verglichen mit 10,7 % der „dual user“. Es wird diskutiert, dass der Einsatz von E-Zigaretten im therapeutischen Kontext der Behandlung der Tabakabhängigkeit durchaus beitragen kann den Rauchstopp zu erleichtern, die unkontrollierte Nutzung der E-Zigarette auf Bevölkerungsebene hingegen den Rauchstopp scheinbar nicht befördert. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211335522000572

Ethik und elektronische Dampfprodukte
Die aktuelle Debatte über E-Zigaretten wird vor allem von Themen der Schadensminimierung für starke Raucher:innen versus der Gefahren des Einstiegs für Jugendliche und einer strengen versus einer liberalen Marktzulassung geprägt. In diesem Artikel werden vor allem ethische Argumente gegeneinander abgewogen und derzeit gängige Werte und Rechte bestimmter Gruppen hinterfragt. Ethics and ENDS (bmj.com) 

Die E-Zigarette spricht junge Menschen an
Der Gebrauch von E-Zigaretten in Deutschland steigt bei Jugendlichen (14-17 Jahre) und jungen Erwachsenen (18-14 Jahre) stetig an. Dies zeigt eine von Gali und Kollegen vorgenommene Auswertung von 26 Wellen der DEBRA-Studie zwischen Juni/Juli 2016 und August/September 2020. Die jemals Nutzung von E-Zigaretten stieg bei den Jugendlichen von 9,2% in 2016 auf 16,5% in 2017 an. 2018 sank sie zwar auf 8,3%, stieg in 2020 aber wieder auf 13,4% an. Ein ähnlicher Trend ist in dieser Gruppe beim Rauchen von Tabakzigaretten zu sehen. Bei den jungen Erwachsenen blieb die durchschnittliche jemals Nutzung von E-Zigaretten mit 19,1% relativ stabil, wobei in dieser Altersgruppe der Konsum von Tabakzigaretten mit 44,7% in 2016 auf 38,5% in 2020 zurückging. Damit bleibt die jemals Nutzung von Tabak- und E-Zigaretten vor allem bei jungen Erwachsenen hoch. Addictive Behavior 

Gebrauch von E-Zigaretten und deren kardiovaskuläres Risiko – eine Langzeitanalyse der PATH Studie 2013-2019
Die von Berlowitz publiziert Daten aus einer repräsentativen Kohortenstudie von 32.320 US-Bürger*innen über 18 Jahre zeigen, dass das Risiko in der Gruppe von E-Zigarettenraucher*innen eine kardiovaskuläre Erkrankung zu erleiden vergleichbar war mit dem Risiko von Nicht-Raucher*innen. Hingegen war das Risiko von Dual-User*innen vergleichbar mit dem von Raucher*innen. Im direkten Vergleich zwischen Dampfen und Rauchen konnte für das Dampfen ein um 30-40 % statistisch signifikant reduziertes Risiko für das Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses gezeigt werden. Circulation; originally published 6 May 2022; https://www.ahajournals.org/doi/epdf/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.057369

Auswirkung von Werbung in Sozialen Netzwerken im Zusammenhang mit dem E-Zigaretten Konsum
Die Arbeit “Is Exposure to Social Media Advertising and Promotion Associated with E-cigarette Use? Evidence from Indonesia” von W. R. Wulan beschränkt sich zwar auf eine spezifische Region, hebt exemplarisch aber die Bedeutung von sozialen Netzwerken in bestimmten Bevölkerungsgruppen bzw. -schichten sowie Altersgruppen hervor. Dabei gibt es kein Netzwerk, das für mögliche Werbeanzeigen in der analysierten Region (Indonesien) ausgeklammert wurde. Die Ergebnisse machten dabei den Link zwischen Werbung und Jemals (29%) bzw. fortgeführtem (13 %) Konsum deutlich. Der Einfluss der Werbung bleibt trotz der Korrektur, der bisher diskutierten Punkte – sozioökonomische Faktoren, Regionen und vorheriger Rauchstatus – mit dem Faktor 2,91 für Anzeigen und dem Faktor 2,82 für Werbung im eigentlichen Sinne bestehen. Daraus leiten die Autoren mögliche Ansatzpunkte für weitere Maßnahmen ab. Asian Pac J Cancer Prev. 2022 Apr 1;23(4):1257-1262; http://journal.waocp.org/article_90059_b62d9e1456dba0b0bc46e82651231ea0.pdf

Überzeugungen und Besonderheiten von Menschen, die Nikotin als Kanzerogen einschätzen
Vielen Raucher:innen sind die gesundheitlichen Gefahren ihres Verhaltens nicht klar und etwa 61% nehmen an, dass Nikotin Krebs verursacht. In den USA scheinen insbesondere spanischstämmige, afroamerikanische und gering verdienende Raucher:innen gefährdet zu sein. Die besten Kenntnisse über gesundheitliche Gefahren zeigten Nutzer:innen von E-Zigaretten. Hier scheint es einen Aufholholbedarf bei einer zielgruppengerichteten Wissensvermittlung zu geben.
Beliefs and Characteristics Associated With Believing Nicotine Causes Cancer: A Descriptive Analysis to Inform Corrective Message Content and Priority Audiences | Nicotine & Tobacco Research | Oxford Academic (oup.com)

Cytisin sehr wirksam bei der Raucherentwöhnung
Cytisin zeigt beeindruckende Wirksamkeit bei der Raucherentwöhnung, bestätigt Nancy Rigotti, Professorin für Medizin an der Harvard Medical School im Hinblick auf die ORCA-2 Studie. Diese untersucht an 810 Raucher:innen aus 17 medizinischen Einrichtungen in den USA die Wirksamkeit von 3 mg Cytisin 3x täglich im Vergleich zu Placebo. Die Teilnehmer der Cytisin-Gruppe zeigten nach 12 Wochen signifikant bessere Raucherentwöhnungsraten (OR = 8 bzw. 6,3). Diejenigen, die 12 Wochen lang Cytisin erhielten, hatten eine 6,3-mal höhere Wahrscheinlichkeit, diejenigen, die 6 Wochen Cytisin erhielten eine 8 – mal höhere Wahrscheinlichkeit in den letzten 4 Wochen der Behandlung mit dem Rauchen aufzuhören. Die Abstinenzrate während der Wochen 9 bis 12 betrug 32,6 % in der Cytisin-Gruppe im Vergleich zu 7 % in der Placebo-Gruppe. Healio

Tabakentwöhnung in der Urologie – Einführung als „Standard of Care“
In der Arbeit „Why and How Smoking Cessation Must Be Implemented in Urology Clinics as a Standard of Care“ von Herrn Affentranger wird der Wissensstand zu der Thematik “Rauchen und die Auswirkungen auf das Fachgebiet der Urologie” noch einmal hervorgehoben. Dabei fokussiert diese Arbeit nicht nur auf die erhöhten Risiken des Rauchens für die Entstehung urologischer Krebserkrankungen, Infertilität sowie erektile Dysfunktion, sondern unterstreicht auch die Problematik der reduzierten Funktion, postoperativen Komplikationen und die Neben- bzw. Wechselwirkungen während einer Systemtherapie. Die Tabakentwöhnung stellt daher in der Urologie eines der Schlüsseltherapeutika für die Behandlung dar und sollte dabei auch in der Urologie stärker als bislang mit Nachdruck vertreten werden. Eur Urol. 2022 May 4; S0302-2838(22)02263-1; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0302283822022631

Nutzungszahlen tabakfreier Nikotinbeutel In Großbritannien
Nikotinbeutel werden ähnlich wie Snus zwischen Lippen und Kiefer gelegt. Seit etwa 3 Jahren sind tabakfreie Nikotinbeutel in Großbritannien zugelassen. Deren Nutzung wird seit Oktober 2020 über eine monatliche repräsentative Befragung von insgesamt über 25.000 über 18-Jährigen untersucht; die Nutzung liegt zwar aktuell bei einem Wert von 0,26% aller Befragten, hat sich aber innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die höchsten Nutzungszahlen erreichen jüngere männliche Raucher, Ex-Raucher:innen sowie E-Zigarettenuser:innen. Tobacco-free nicotine pouch use in Great Britain: a representative population survey 2020–2021 | Nicotine & Tobacco Research | Oxford Academic (oup.com)

Mehr Drogenkonsum durch Cannabislegalisierung?
Cannabis ist kein Einstieg für härtere Drogen. Das postulieren Wissenschaftler um C.B. Fleming von der University of Washington, nachdem sie die im Zeitraum von 2014-2019 erhobenen Daten von 12.500 Probanden im Alter zwischen 18-20 und 21-25 Jahren analysierten. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass nach der Legalisierung von Cannabis in einigen Bundesstaaten der USA der Alkoholkonsum, der Missbrauch von Schmerzmitteln und auch der Konsum von Zigaretten gesunken ist. Auch die Anzahl schwerer Alkoholisierungen nahm ab. J Adolesc Health 

Weitere News – national
(Nicht nur) am Weltnichtrauchertag 2022: Kippensammeln für den Umweltschutz

Ob in Pötenitz, im schwarzwälder Bad Dürrheim, im hessischen Heusenstamm oder im bayrischen Burghausen: Bundesweit sind (zumeist) Freiwillige unterwegs, sammeln Zigaretten an Stränden, in Wäldern, Parkanlagen und im städtischen Raum und setzen mit regionalen Aktionen ein Zeichen gegen Umweltverschmutzung. (Auch) vor diesem Hintergrund konnte die Online-Petition „Für Pfand auf Zigaretten und Schachteln“ bereits über 130.000 Unterstützer gewinnen.

Traurige Statistik zum Weltnichtrauchertag 2022
Krebsexperten haben zum Weltnichtrauchertag vor den gesund¬heitlichen und ökologischen Folgen des Tabakkonsums gewarnt. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 127.000 Menschen infolge des Rauchens. Rauchen führe vor allem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Lungenkrebs und weiteren Krebsarten (Deutsches Ärzteblatt). Rund 75.500 Menschen sind in Deutschland im Jahr 2020 an den Folgen des Rauchens gestorben. Die mit Abstand häufigste Todesursache dabei waren Krebserkrankungen (Die Zeit). Allein in Bayern sterben jedes Jahr etwa 16.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, bundesweit seien es 130.000 pro Jahr, wie das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitteilte (Die Zeit). Weltweit sei der Tabakkonsum für 8,7 Millionen Todesfälle allein im Jahr 2019 verantwortlich. 1,3 Millionen davon gingen auf das Passivrauchen zurück (Süddeutsche Zeitung).

Zigaretten: Frauen sterben häufiger an Folgen des Rauchens als früher
Das Statistische Bundesamt (Destatis) teilte anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai mit, dass bei Frauen das Risiko, an Lungen- und Bronchialkrebs zu sterben, binnen 20 Jahren deutlich gestiegen sei: Betraf diese Todesursache im Jahr 2000 noch 23 Frauen je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner, so waren es 2020 fast 40 Frauen – ein Anstieg um 73 %. Eine ähnliche Entwicklung ist bei COPD zu beobachten. Ein Grund dafür könnte der seit den 1950er Jahren deutlich gestiegene Anteil von Raucherinnen an der weiblichen Bevölkerung sein (siehe auch Deutsches Ärzteblatt und Der Spiegel).

Studie zeigt: Es rauchen wieder mehr Menschen in Deutschland
Vor der Pandemie lag der Anteil der über 14-jährigen Raucherinnen und Raucher in Deutschland bei etwa einem Viertel. Nach einer neuen Studie raucht jetzt wieder ein Drittel der Deutschen, wie der SWR berichtete. Experten gingen davon aus, dass die Pandemie hier ihre Spuren hinterlassen habe: Die Lockdowns und die damit verbundene Unsicherheit als dauerhafte Stresssituation habe bei vielen Menschen Ängste, Frust und Einsamkeit hervorgerufen, und der Tabakkonsum könne ein Mittel gewesen sein, um mit der Extremsituation klarzukommen. Auch der Alkoholkonsum – und damit eine weitere ungesunde Verhaltensweise – sei in dieser Zeit gestiegen (siehe hierzu auch die Süddeutsche Zeitung).

Jahrbuch Sucht 2022: Weniger Zigaretten, aber zu viel Alkohol
Im April 2022 ist das aktuelle Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erschienen: In Deutschland werden danach weniger Zigaretten geraucht, der Konsum von Shisha-Wasserpfeifentabak steige aber weiter deutlich. Der Konsum von Fertigzigaretten lag 2021 bei 71,8 Milliarden Stück und fiel um 2,8 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Das sei mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 863 Zigaretten in diesem Teilbereich der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Bei selbstgedrehten Glimmstängeln ging der Verbrauch um 5,6 Prozent auf eine Menge zurück, die etwa 37,3 Milliarden Selbstgedrehten entspreche. Pfeifentabak legte dagegen um 40 Prozent auf knapp 8.400 Tonnen erheblich zu. Nach den aktuellsten Zahlen seien 2018 rund 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens gestorben. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten - etwa für die Behandlung tabakbedingter Krankheiten - beliefen sich jährlich geschätzt auf mehr als 97 Milliarden Euro (ZDF, Tagesschau, n-tv).

Aktualisierte Informationen rund um das Rauchen auf gesundheitsinformationen.de
Auf seiner Internetseite gesundheitsinformation.de hat das (IQWiG) aktualisierte Informationen zu den Themen Rauchen, Unterstützung beim Rauchstopp, Nikotinersatztherapie bei Raucherentwöhnung sowie zur Schädlichkeit von E-Zigaretten und Tabakerhitzern bereitgestellt. Die nächste Aktualisierung der Informationen ist für 2025 vorgesehen.

Fachgesellschaft: E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung ungeeignet
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) weist in einem neuen Empfehlungspapier, dem sich 14 weitere medizinische Fachgesellschaften und Organisationen angeschlossen haben, darauf hin, dass Elektronische Zigaretten (E-Zigaretten) kein geeignetes Hilfsmittel für den Rauchstopp sind. Sie fordern von der Gesundheitspolitik mehr Geld für funktionierende Programme zur Tabakentwöhnung und raten vom Gebrauch der E-Zigaretten ab, weil diese gesundheitsschädlich seien und von einer Mehrheit ausstiegswilliger Raucher dauerhaft weiter genutzt würden – im Unterschied zu zeitlich begrenzten Nikotinersatztherapien (Deutsches Ärzteblatt). Vor den schädlichen Folgen von E-Zigaretten etwa bei Jugendlichen haben zuletzt auch Forscher der TU Chemnitz gewarnt (Die Zeit).

Pneumologen: Studien im Vorfeld von Cannabislegalisierung erforderlich
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) warnt vor den gesundheitlichen Risiken von Cannabis im Freizeitgebrauch: Eine kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken, wie sie von der Regierungskoalition geplant sei, müsse bereits im Vorfeld von wissenschaftlichen Studien begleitet werden, wie aus einem Positionspapier der DGP hervorgeht (Deutsches Ärzteblatt).

Fernseh-Dokumentation: Nikotin im Beutel - Die neue Masche der Tabakindustrie
In ihrer Dokumentation „Nikotin im Beutel: Die neue Masche der Tabakindustrie“ zeigt Bärbel Merseburger-Sill, wie die Tabakindustrie es bei jährlichen Umsätzen von mehreren 100 Milliarden Euro schafft, ihre Gewinne stabil zu halten: Sie bringt sie Zigaretten-Alternativen auf den Markt. Neuester Coup: Nikotinbeutel (ZDF-Mediathek).

Weitere News – international
Kommission in England fordert schrittweises Verbot von Tabakverkauf
In England soll das Alter für den legalen Kauf von Tabakprodukten schrittweise angehoben werden, bis ein komplettes Verbot erreicht ist (Deutsches Ärzteblatt). Eine vom britischen Gesundheitsministerium beauftragte Kommission schlägt vor, das Alter, ab dem man in England Tabakprodukte kaufen darf, pro Jahr (und beginnend mit 18 Jahren) ein Jahr ansteigen zu lassen – und dies so lange, bis niemand mehr Tabakprodukte kaufen kann. England hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 „rauchfrei“ zu werden (weniger als fünf Prozent der Bevölkerung sollen rauchen). Der Anteil der Raucherinnen und Raucher ist seit den 70er Jahren gefallen, aber aktuell noch immer deutlich über der Zielmarke. Die Regierung hat deshalb nach neuen Ideen gesucht und hierzu eine Kommission beauftragt (BBC).

Warnhinweise auf jeder einzelnen Zigarette
Kanada plant als erstes Land der Welt Warnhinweise auf jeder einzelnen Zigarette. Das kündigte die Ministerin für psychische Gesundheit und Suchterkrankungen C. Bennett an. Dieser Schritt wird als wichtiger Schritt zur Reduzierung des Tabakkonsums angesehen. Es wird angenommen, dass diese Art von Warnhinweis nicht nur offensichtlich Aufmerksamkeit erregt, sondern insbesondere von jungen Menschen wahrgenommen wird, die sich bspw. eine Zigarette von anderen “leihen“ und deshalb die Warnungen auf den Packungen nicht sehen. Zusätzlich sollen die grafischen Warnhinweise auf den Packungen von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden sowie neue Warnhinweise über giftige Inhaltsstoffe von Zigaretten auf die Seite(n) der Packungen aufgedruckt werden. Globe&Mail

Österreich und die Schweiz: Snus als Problem und Verstöße gegen den Jugendschutz
Während der Tabakriese Philip Morris schon lange auf alternative Tabakprodukte setzt und nun den Lutschtabak Snus neu ins Sortiment nimmt, der in der Schweiz immer beliebter wird (Watson), wird Snus in Österreich bereits als „Jugendproblem“ bezeichnet (MeinBezirk). Ähnliche Trends zeichnen sich in beiden Ländern jedoch im Hinblick auf Verstöße gegen den Jugendschutz ab: Während bei Testkäufen in der Schweiz (Kanton St. Gallen) bei vielen Verkaufsstellen hohe Verstoßquoten festgestellt und zum Teil auf die Pandemie zurückgeführt wurden (Tagblatt, Die Ostschweiz), haben die Testkäufe in Österreich ergeben, dass etwa 44 Prozent den Ausweis kontrollieren, aber trotzdem Alkohol und Tabak verkaufen (Tips).

‘Smoke-Free’ Cities and Islands — Sponsored by Philip Morris
Das OCCRP (Organizes Crime and Corruption Project) berichtet ausführlich zu den vom Tabakkonzern gesponsorten Projekten im Rahmen der weltweiten „Smoke free“-Kampagne von Philip Morris International (PMI).

Philip Morris kauft Swedish Match für 16 Milliarden Dollar
Der US-Tabakkonzern Philip Morris International baut sein Angebot mit rauchfreien Produkten aus und übernimmt den kleineren europäischen Konkurrenten Swedish Match, der vor allem auch Nikotinbeutel herstellt. Aufgrund des weltweit zurückgehenden Zigarettenkonsums und des kritischen Blicks der Gesundheitsbehörden auf den Markt versucht der US-Konzern seit Jahren, den Anteil sogenannter rauchfreier Produkte zu erhören – und dazu zählen auch Nikotinbeutel. 2021 machten rauchfreie Produkte bereits knapp zwei Drittel des Umsatzes aus. (Handelsblatt, Wirtschaftswoche).

Tobacco Atlas: Neue Ausgabe
Die neu veröffentlichte, inzwischen siebte Ausgabe des “Tobacco Atlas” liefert Daten und Analysen, zeigt aktuelle Entwicklungen auf und enthält Lösungsvorschläge zur Bewältigung der globalen Problemlagen im Bereich von Tabakkontrolle und –prävention. Der “Tobacco Atlas” ist ein Gemeinschaftsprojekt der American Cancer Society und Vital Strategies und besteht aus frei zugänglichen Online-Ressourcen und einer Begleitpublikation.

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